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Schiketanz Marktkommentar: Der Herbst bringt Potential

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Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

In Summe hat sich im August nicht viel getan. Die großen Aktienbörsen haben im Detail wie folgt performt:

  • S&P 500 -0,1%
  • DAX -0,5%
  • Eurostoxx50 -0,9%
  • FTSE100 +0,8%
  • Nikkei 225 -0,4%
  • MSCI World (EUR) -2,1%

Wie wird der „Indian Summer“?

Der Sommer ist so gut wie vorbei und auch der Aktienmarkt wird sein übliches Herbst verhalten zeigen. Typischerweise beginnen die Finanzanalysten ihre Gewinnprognosen nach unten zu revidieren, weil der Optimismus zu schwinden beginnt. Zu Beginn des Folgejahres tritt in aller Regel das entgegengesetzte Phänomen auf – da ist tendenziell Optimismus für das gerade erst begonnene Börsenjahr angesagt. Ob es auch heuer so sein wird, bleibt noch abzuwarten – überraschen würde es mich nicht.

These are the facts

Aber sehen wir uns einmal die Fakten aus den US Unternehmensergebnisse der ersten beiden Kalenderquartale an. Tatsache ist, dass die Berichtssaison des 2. Quartals so gut wie vorbei ist. Sie war eine der Besten der letzten Jahre.  Das annualisierte Gewinnwachstum liegt bei rund 12% und ist somit das Höchste seit 6 Jahren. Das vorangegangene Quartal war das Beste seit 5 Jahren. Das prognostizierte Gewinnwachstum für das 3. Quartal liegt nur bei 6,8%. Hauptgrund dafür sind die zu erwartenden schlechteren Ergebnisse der Energie- und Kommunikationsaktien.  Alle übrigen Marktsektoren zeigen weiterhin steigende Gewinnschätzungen.

Bislang ist der US Aktienmarkt (gemessen am S&P 500) weniger stark gestiegen (nämlich nur rund 10%) als die Unternehmensergebnisse. Dies bedeutet, dass die Gewinnbewertung der US Unternehmen tendenziell rückläufig ist. Hingegen beschleunigt sich das US Wirtschaftswachstum weiterhin leicht. Das dritte Quartal ist für die US Wirtschaft oft eines der Besten im Jahr, weil die Agrarexporte (nachdem die Ernte zum großen Teil bereits eingefahren ist) für zusätzliches Wachstum sorgen. Die Schätzungen der Atlanta Fed sagen ein Wirtschaftswachstum für das 3. Quartal 2017 von 3,7% voraus. 2016 lag das Wirtschaftswachstum im 3. Quartal übrigens bei 3,5%. Was heuer noch zusätzlich wirkt, ist der schwächer gewordene US Dollar. Das bedeutet beträchtlichen Rückenwind für die US Exporteure. Das Argument, dass der US Markt überbewertet sei, zieht also für mich nicht wirklich.

Interessant  ist auch die Tatsache, dass die Anleiherenditen trotz steigenden Wirtschaftswachstums tendenziell sogar fallen. Die Rendite der 10-jährigen US Staatsanleihe liegt derzeit bei 2,13%. Die Dividendenrendite des S&P 500 liegt bei 1,95%. In der Vergangenheit waren jene Marktphasen, wo sich die Anleihezinsen den Dividendenrenditen des Aktienmarktes genährt haben, sehr gute Kaufzeitpunkte für Aktien.

Was bedeutet das nun alles für die Aussichten des Aktienmarktes? Wenn es dem US Aktienmarkt gut geht, geht es den meisten anderen Märkten auch gut. Ein sich beschleunigendes Wirtschaftswachstum, steigende Unternehmensgewinne, rückläufige Gewinnbewertungen und sinkende Anleihezinsen treiben die Investoren in den Aktienmarkt.

Welcher Auslöser beendet die Party?

Bleibt die bange Frage: wird die Party einmal zu Ende gehen? Meine Antwort: ja sicherlich. Offen bleibt nur wann, wie stark wird der Rückgang sein und vor allem warum! In den letzten Monaten haben sich die Stimmen prominenter Investoren gehäuft, die zur Vorsicht mahnten oder gar zum Verkauf rieten. Warren Buffet, George Soros und Bill Gross waren dabei wohl die prominentesten Namen. Bislang liegen sie alle falsch. In Wahrheit liegt das Problem darin, dass wir uns ökonomisch und politisch auf unerforschtem Gebiet bewegen. Das extrem niedrige Zinsniveau, keine wirkliche Inflation, nur schleppende Erholung der Weltwirtschaft, unsichere politische Szenarien – jeder dieser Faktoren könnte ein Auslöser für eine neue Krise sein. Aber wird das auch passieren? Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass niemand die Zukunft wirklich vorhersagen kann. Wir wissen einfach nicht, was die nächste Krise auslösen wird. Nur eines kann ich versprechen: es wird nicht der Auslöser sein, mit dem alle heute rechnen.

Darum halte ich es nicht für sinnvoll, auf Crash Prophezeiungen zu hören. Wer einmal zu früh verkauft hat, wird sich irgendwann seinen Fehler eingestehen und zu erhöhten Preisen in den Markt zurückkehren. Vielleicht sogar genau am Höhepunkt. Deshalb ist es wichtig, auf eine Marktkorrektur oder Krise vorbereitet zu sein. Wann eine Korrektur oder Krise wirklich da ist, zeigt uns der Markt selbst mit seinem Kursverlauf. Nicht jede kleine Kurskorrektur sollte Anlass sein, sofort defensiv zu werden. Wir wissen auch nicht, wann sich eine kleine Korrektur in eine große verwandelt. Aber eines ist sicher: am besten ist man aufgehoben, wenn man auch Qualität und Solidität in die Aktienauswahl setzt und Extrembereiche – sowohl im Wachstums- als auch im Valuebereich – meidet. Ertragsoptimierende Maßnahmen lassen sich an einem fundamental und technisch gut ausgewählten Portfolio immer setzen – nur eines sollte man tunlichst vermeiden: gänzlich aus dem Markt zu gehen.  Das zeigt der historische Kursverlauf aller Aktienbörsen mehr als deutlich. Auf ein All Time High folgt immer ein nächstes All Time High. Offen bleibt auch hier die Frage wann und warum es zu einem weiteren Anstieg kommen wird – aber nicht ob es dazu kommen wird.

In diesem Sinn bleibe ich grundsätzlich weiterhin positiv für den Kursverlauf an den Aktienmärkten für das heurige Jahr.

Lesen sie, wie es an den Börsen weitergeht auf Seite 2 im Schiketanz Marktkommentar.