Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

Zunächst hatte der Wahlsieg von Donald Trump die Börsen ge­schockt. Asien und Europa begannen den Tag nach der US Prä­sidentenwahl tiefrot. Als die US Börsen dann auch im Minus eröffneten, war dies aber nur von kurzer Dauer. Schon bald drehte der Markt und die US Indizes stiegen den restlichen Handelstag unaufhörlich an. Schließlich zeigten sich die Welt­börsen im November von ihrer eher freundlichen Seite. Im Detail lautet die Ergebnisse für den November 2016:

  • S&P 500 +3,4%
  • DAX -0,2%
  • Eurostoxx50  -0,1%
  • FTSE100 -2,5%
  • Nikkei +5,1%
  • MSCI World (EUR) +4,6%

Am Ende des Handelstages nach der US Präsidenten­wahl hatte der S&P 500 inklusive des Overnight Handels eine Trading Range von 130 Punkten zurück­gelegt. Nur um das Ganze in Relation zu einem „normalen“ Trading Umfeld zu sehen: 130 Punkte Handelsspanne im S&P 500 innerhalb von knapp 24 Stunden entspricht in etwa der durchschnittlichen Handelsspanne von eineinhalb Monaten!

Warum änderten die Weltbörsen derart schnell ihre Meinung zum Trump Sieg?

Zum einen hat sich der alte Börsenspruch „Politische Börsen haben kurze Beine“ mehr als bewahrheitet. Zum anderen kann diagnostiziert werden, dass die Händler und Strategen der großen Investoren ihre Emotionen aus- und das Hirn eingeschaltet haben. Trump hat sich – neben anderen durchaus wenig sym­pathisch anmutenden Zielen – auch die Ankurbelung der US Wirtschaft auf die Fahnen geheftet, und zwar in erster Linie über klassisches Deficit Spending. Also Investitionen durch Ausweitung des US-Haushaltsdefizits wieder in Schwung zu bringen.

Zu dieser alles andere als neuen Idee kann man aus wirtschaftspolitischer Sicht stehen wie man will. Tatsache ist, dass kurzfristig die Umsätze und damit auch die Unternehmensgewinne steigen werden. Und zwar genau in folgenden Branchen: Industrie, Roh­stoffe und Finanzbereich. Wobei letzterer noch zusätz­lich von einem weiteren Versprechen Trump’s – näm­lich der Abschaffung des sogenannten „Dodd Frank Acts“ – stimuliert wurde.

Dodd Frank Act verhindert nicht den nächsten Schwarzen Schwan

Bei diesem Gesetz (im vollen Wortlaut „Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act“) handelt es sich um ein im Jahr 2010 in Kraft getretenes Gesetz zur Erhöhung der Verantwortlichkeit und Transparenz im Finanzsystem der USA. Weiters sollte damit auch der faktische Zwang des Staates große Finanzinstitute, die in wirtschaftliche Schwierig­keiten geraten sind zu retten („too big to fail“), abgeschafft werden.

Klar, der Dodd-Frank Act war eine Reaktion auf die Finanzkrise von 2008, also eine anlassbezogene Gesetzgebung. Damit ist der weltweite Finanzmarkt sicherer geworden, aber ganz bestimmt nicht einfacher, sondern um ein Vielfaches bürokratischer. Die nächste Finanzkrise wird sich aufgrund des hohen Innovationspotentials der Finanzmärkte damit aber ganz bestimmt nicht verhindern lassen.

Tatsache ist, dass es in der Geschichte immer wieder anlassbezogene Finanzgesetze gegeben hat. Die große Wirtschaftskrise von 1929 zog den Glass-Steagal Act nach sich, die Pleiten von Enron und WordCom im Jahr 2002 den Sarbanes-Oxley Act und schließlich die Krise von 2008 den Dodd-Frank Act. Letzterer wird uns in den nächsten Monaten sicherlich noch beschäftigen. Schließlich hat Europa mit Basel II und MiFID II auch Gesetze in diesem Geist erlassen.

Die derzeitige Überregulierung der Finanzmärkte und die mangelnde Kreditvergabe durch die Banken sind letztendlich alles Auswirkungen dieser Gesetze. Viel­leicht kommt die Abschaffung des Dodd-Frank Act in den USA tatsächlich – ob die Welt dann eine Bessere sein wird bleibt allerdings abzuwarten.

Bankkredite beleben die Wirtschaft

Ich denke, was wir wirklich brauchen würden sind Banken, die einfach nur Kredite vergeben, und nicht Hedge Funds, die als Banken verkleidet durch die Gegend laufen. Dass das althergebrachte Kreditge­schäft wieder unter vernünftigen und nicht überregulierten Bedingungen erfolgen kann, dafür wären die Rahmenbedingungen seitens der Politik zu schaffen. Damit könnte man der Wirtschaft – vor allem den weltweit so wichtigen Mittelstand – wieder neuen Schwung verleihen. Aber mit solchen Ideen macht man sich bei den großen Banken dieser Welt leider nicht besonders beliebt…

Jedenfalls sind die Aktienbörsen angesichts der poten­tiellen Ankurbelung der Konjunktur freudig erregt und performen derzeit ausgezeichnet. Vor allem drei Sektoren sind es, die dabei besonders hervorstechen: Der Finanzsektor, Industrie- und Rohstoffaktien. Allerdings darf man in diesem Zusammenhang nicht ver­gessen, dass es sich dabei momentan ausschließlich um reine Spekulation handelt, die (noch) nichts mit Fundamentaldaten zu tun hat.

Am Ende des Tages setzen sich immer wieder gute Fundamentaldaten durch. Aber man sollte den Boden der Realität nicht zu sehr verlassen und weiterhin auf fundamental gut abgesicherte Werte setzen. Vermut­lich haben viele der derzeitigen Kurssprünge – vor allem bei den Bank- und Versicherungsaktien – mehr mit dem Eindecken von Short Positionen als mit fundamental gerechtfertigten Investments zu tun. Vor allem im Finanzbereich ist es aufgrund des derzeitigen immer noch extrem niedrigen Zinsniveaus enorm schwer die Unternehmensergebnisse zu verbessern.

Was bringt uns also der letzte Börsen­monat des Jahres 2016?

Ich denke, die Würfel sind gefallen. Heuer wird markt­technisch wohl nichts mehr anbrennen. Die Aussichten für 2017 sind nicht schlecht, die Bewertung der US Börsen allerdings nicht gerade eine Okkasion. Trotz­dem: spätestens im 2. Quartal 2017 werden wir neue All Time Highs sehen. Darauf deuten die Gewinn­schätzungen der Unternehmen derzeit hin. Vielleicht wird es dann auch schon einen neuen Begriff für die wiedererwachte US Wirtschaft geben – vielleicht Trumponomics?

Wie geht es an den Börsen weiter?

1US Aktienmarkt

Die US Wirtschaft wuchs im 3. Quartal um 3,2%. Das ist deutlich mehr als die letzte Schätzung von +2,9%. Und das sind immerhin 1,8% mehr Wachstum als im 2. Quartal und damit die höchste Wachstumsrate seit zwei Jahren. Der Privatkonsum, die Exporte und die Investitionsausgaben wuchsen deutlich besser als bisher erwartet.

Die Inflationsrate liegt derzeit bei 1,6%, die Arbeits­losenrate bei 4,9%. Die Zahlen aus dem Produktions­bereich (Auftragseingänge langlebiger Wirtschafts­güter, Einkaufmanagerindex etc.) entwickeln sich ebenfalls positiv. Ähnliches gilt für den Immo­bi­lien­markt: die positive Grundtendenz bleibt bestehen.

Die Berichtssaison für das 3. Quartal ist durchaus zufriedenstellend verlaufen. Ein interessantes Detail war die Entwicklung der Gewinnspannen der Unter­nehmen. Diese lagen für das 3. Quartal 2016 bei 9,94%. Das ist knapp unter dem All Time High von 10,10% aus dem 3. Quartal 2014. Im 4. Quartal 2015 erreichten die Gewinnspannen mit 7,98% ein Sechs-Jahres-Tief. Diese erfreuliche Entwicklung deutet auf eine deutlich verbesserte Gewinndynamik hin. Unter diesen Vor­zeichen erscheint die Bewertung des Gesamtmarktes (ein PE von rund 17 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2017) durchaus noch vertretbar.

Der Markt sollte auch im Dezember weiterhin eher nach oben tendieren, wenngleich das Aufwärtspo­ten­tial aufgrund der bisher guten Jahresperformance des Marktes augenblicklich eher eingeschränkt erscheint.

2Europäischer Aktienmarkt

Die europäischen Aktienmärkte befinden sich seit September in einer Seitwärtsbewegung. Der gegen­über dem US Dollar schwache Euro wirkt sich derzeit kaum auf die Performance der Märkte in Euroland  aus. Der britische Aktienmarkt zeigt sogar leichte Schwächetendenzen, nachdem das britische Pfund gegenüber dem Euro wieder merklich an Wert zulegen konnte.

Derzeit scheinen die Investoren die größere Dynamik am US Aktienmarkt trotz relativ hoher Bewertung im Vergleich zu den europäischen Märkten den Vorzug zu geben. Ich halte das für ein temporäres Phänomen. Ich sehe bis zum Jahresende das vergleichsweise etwas höhere Kurspotential in den europäischen Aktien­märkten.

3Asiatischer Aktienmarkt

Hier ist in letzter Zeit ein wenig Schwung in die Märkte gekommen. Erstaunlich gut entwickelt sich der japanische Aktienmarkt. Jedenfalls notiert der Markt der­zeit auf Jahreshöchststand. Gleiches zeigt der chinesische Aktienmarkt, gemessen am CSI300.

Genau gegengleich läuft es am indischen Aktienmarkt, der sich gerade in einer Korrekturphase befindet, nach­dem der Markt heuer bereits mit mehr als 10% im Plus war.

Vor allem die Marktentwicklung in China und Japan gibt Hoffnung, dass auch aus dieser Region ein namhafter Beitrag zur Erholung der Weltkonjunktur kommen könnte.

4US Dollar

Donald Trump hat es möglich gemacht. Der US Dollar hat zu guter Letzt den Ausbruch aus seiner mehrere Monate dauernden Trading Range geschafft. Mit neuen Jahreshöchstständen zum Euro wurde auch gleichzeitig die alte Marke aus dem Dezember 2015 überschritten.

Nunmehr scheint der Weg frei in Richtung einer 1:1 Parität von Euro und US Dollar. Dazu wird es aber vermutlich im heurigen Jahr nicht mehr kommen. Zu Beginn des nächsten Jahres könnte es aber so weit sein. Jedenfalls stehen derzeit alle Anzeichen auf einen weiterhin starken US Dollar.

5Rohstoffe

Den Vogel bei den Rohstoffen hat im letzten Monat die Notierung von Kupfer abgeschossen. Der Markt schloss im November rund 20% in die Höhe. Gold und Silber bewegten sich genau in die entgegengesetzte Richtung. Kupfer gilt als guter Indikator für die konjunkturelle Entwicklung. Demzufolge sollte die Weltkonjunktur in nächster Zeit merklich anspringen.

Darüber hinaus gelang es der OPEC mit dem Beschluss, die Fördermengen zu drosseln, den Markt scheinbar echt zu überraschen. Der Ölpreis stieg am letzten Handelstag des Monats rund 9% und nähert sich wieder der Marke von 50 DU Dollar. Gelingt hier ein entscheidender Durchbruch, so ist der Weg für neue Jahreshöchststände frei.

Die wichtigen Treiber am Rohstoffmarkt, nämlich Öl und Kupfer, sind damit derzeit in einer technisch recht guten Verfassung. Hier könnte sich eine echte Trend­wende an den Rohstoffmärkten anbahnen.  Der Dezember könnte an den Rohstoffmärkten ein sehr spannender Monat werden.

6Zusammenfassung

  • Die Aktienbörsen bleiben auf Kurs für einen freund­lichen Jahresausklang.
  • Mit einer Zinserhöhung im Dezember durch die Fed ist zu rechnen – das erspart weitere Diskussionen. Es wird aber dann für längere Zeit die letzte Zinserhöhung gewesen sein.
  • Der US Dollar strebt neuen Höhen zum Euro an. Auch daran wird sich bis zum Jahresende kaum was ändern. Es sei denn, die Zinserhöhung durch die US Notenbank bleibt wider Erwarten doch aus.

Bitte beachten Sie den Risikohinweis zum SCA Marktkommentar.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.