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Schiketanz Marktkommentar: Dividenden oder Wachstumswerte?

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Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

Der Oktober hat an den großen Weltbörsen folgende Ergebnisse gebracht:

  • S&P 500 +2,2%
  • DAX +3,1%
  • Eurostoxx50 +2,2%
  • FTSE100 +1,6%
  • Nikkei 225 +8,2%
  • MSCI World (EUR) +3,5%

MARK TWAIN…

…… hat einmal gesagt: „Der Oktober ist ein besonders gefährlicher Monat um in Aktien zu spekulieren. Die anderen sind Juli, Jänner, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar“. Also: erstens geht es um investieren und nicht um spekulieren und zweitens ist der Oktober – zumindest die letzten zwei Jahrzehnten – ein traditionell recht guter Börsenmonat. Trotzdem finde ich die Aussage von Mark Twain ziemlich zutreffend. Eigentlich ist das ein Plädoyer für das, was ich so gerne als „ruhige Hand“ bezeichne. Hektisches Herumtraden birgt immer die Gefahr in sich, am falschen Fuß zu stehen. Vor allem die Gefahr aus dem Markt zu sein, wenn man besser drinnen geblieben wäre.

Der abgelaufene Monat war also wieder einmal ein typisches Beispiel dafür. Diskussionen um weitere Zinserhöhungen in den USA, die dort anstehende Steuerreform (die entweder kommt oder auch nicht), die Spekulationen um die Yellen Nachfolge in der US Notenbank, die Auswirkungen der Wirbelstürme in den USA auf die Wirtschaftslage, die Katalonien Abstimmung, die Brexit Verhandlungen,  die Neuwahlen in der BRD – all diese Ereignisse hatten das Potential die Aktienmärkte in die Knie zu zwingen – oder auch nicht. Im Oktober ließen all diese Ereignisse die Aktienmärkte nahezu völlig unberührt, obwohl die Finanzpresse redlich bemüht war, aus jedem dieser Einzelereignisse „das große Ding“ herbeizureden. Trotzdem hat sich die freundliche Grundstimmung an den Märkte gehalten, und wir haben fast jede Woche neue Alltime Highs gesehen.

Dividenden versus Wachstumswerte

Am Ende zählt für den Aktieninvestor nämlich nur eines – die Gewinnentwicklung der Unternehmen. Und die war, wie die bisher publizierten Ergebnisse für das 3. Quartal 2017 zeigen – in Summe sehr erfreulich.  Die Herausforderung für Investoren liegt darin, genau jene Werte auszusuchen, die über ausreichendes Gewinnwachstum verfügen. Wobei es eigentlich gleichgültig ist, ob man sich eher im Lager der „Wachstumsinvestoren“  oder der „Value Investoren“ wohlfühlt.

Was nützt eine hohe Dividendenrendite, wenn das Unternehmen nicht nachhaltig in der Lage ist, den notwendigen Cashflow für die Dividendenzahlungen zu erwirtschaften und noch genügend Geld im Unternehmen anzusammeln, um Investitionen zu bezahlen und sich eventuell auch noch eine „taktische Kriegskassa“ für günstige Unternehmensübernahmen zu halten. Unternehmen, die das nicht mittelfristig zustande bringen, werden günstigstenfalls einmal von der Konkurrenz gekauft oder verschwinden irgendwann gänzlich vom Markt. Wer also Dividendenaktien kauft, sollte darauf achten, dass mittelfristig die Gewinne zumindest tendenziell ansteigen und nicht der gesamte erwirtschaftete Cashflow in Dividendenzahlungen investiert werden muss.

Das Investieren in Wachstumswerte ist noch etwas trickreicher. Starkes Gewinnwachstum ist toll – solange man über den Kaufpreis der Aktie nicht zu viel dafür bezahlt. Wenn ein Unternehmen seinen Gewinn jedes Jahr um angenommen 50% steigern kann, ist das hervorragend. Wenn man aber als Investor aber den 100-fachen Jahresgewinn dafür an der Börse bezahlen muss (also ein KGV von 100) so ist das eindeutig zu teuer.

Sobald das Unternehmen nur einmal die Gewinnerwartungen um ein wenig verfehlt, ist ein Kursabsturz unvermeidlich. Bei Wachstumsaktien ist es auch besonders wichtig, auf die Entwicklung der Gewinnschätzungen der Aktienanalysten zu achten. Solange die Analysten ihre Gewinnschätzungen laufend erhöhen, ist das prinzipiell ein gutes Zeichen. Sobald dies aber nicht mehr geschieht, ist „Alarmstufe rot“ angesagt. Dann heißt es schnell das Feld zu räumen.

Ein aktuelles Beispiel dazu liefert die US Technologieaktie Broadcom – einer der großen Stars des Jahres 2017 unter den großen US Technologieaktien mit einem Kursgewinn für 2017 von derzeit rund 50%.  Im heurigen Jahr liegt der Gewinn rund 200% über dem Vorjahr. Das wird allerdings mit einem KGV von ebenfalls rund 200 bezahlt. Das ist ein ziemlich heißer Ritt. Hier darf nichts schief gehen, sonst gibt es eine saftige Kurskorrektur.

Wie wird das Jahr enden?

Abschließend wollen wir aber noch einen kurzen Ausblick auf die letzten Börsenwochen des Jahres wagen. Ich denke, dass auch der Rest des Jahres tendenziell freundlich verlaufen wird. Ich erwarte mir für den breiten Markt allerdings keine großen Kurssprünge mehr. Ich denke aber, dass wir bei ausgesuchten, fundamental guten Werten noch einiges an Kurspotential haben. Die US Notenbank wird heuer vermutlich noch einmal die Zinsen erhöhen. Die EZB zeigt derzeit noch keine Anzeichen einer deutlichen Zinswende. Die jüngsten Ankündigungen von Mario Draghi waren eher aus der Abteilung „lauwarm“. Letztendlich hat seine „Nichtposition“ zum Einleitung einer Zinswende auch eine Kurskorrektur beim Euro gegenüber dem US Dollar ausgelöst. Diese war jedoch nach dem massiven Anstieg des Euros gegenüber dem US Dollar ohnedies längst überfällig gewesen.

Lesen sie, wie es an den Börsen weitergeht auf Seite 2 im Schiketanz Marktkommentar.