Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

Der Monat August ist wohl einer der unangenehmsten Monate für Börsianer. Eine ausführliche Analyse bietet der folgende Schiketanz Marktkommentar. Der Markt ist aufgrund der Urlaubszeit extrem dünn und lässt sich daher mit geringem Aufwand von größeren Marktteilnehmern in die eine oder andere Richtung bewegen. Entgegen den Erwartungen der meisten Marktteilnehmer war der August schließlich ein ausgesprochen ruhiger Monat. Das drückt sich auch in der Performance der einzelnen Aktienindizes aus:

  • S&P 500 -0,1%
  • DAX +2,5%
  • Euro Stoxx 50 +1,3%
  • FTSE 100 +0,9%
  • Nikkei 225 +1,9%
  • MSCI World (EUR) +0,4%

Im Gegensatz zum letzten Jahr gab es diesmal einfach nichts, was dem Markt einen entscheidenden Impuls verlieh. Und so wurde der Markt wie in einer Waschmaschine einmal links herum und dann wieder rechtsherum gedreht, weil Investorengeld mal in diesen und mal in jenen Sektor wanderte ohne allerdings jemals den Markt in Richtung anderer Anlageklassen zu verlassen.

Zinserhöhung ja oder nein?

Das einzige Thema mit dem sich der Markt derzeit zu beschäftigen scheint ist (wieder einmal) eine mögliche Zinserhöhung durch die Fed. Ganz gebannt hat man letzte Woche auf die Ansprache von Frau Yellen auf dem Geldpolitik-Forum in Jackson Hole gewartet. Dort hat uns Frau Yellen wissen lassen, dass ein sich verbessernder Arbeitsmarkt und ein moderates Wirtschaftswachstum die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung mit sich bringt. Allerdings hat sie keinen Hinweis auf einen bestimmten Zeitpunkt für die Zinserhöhung gegeben. Nachdem sie auch keinerlei Fragen beantwortet hat, lässt das den Schluss zu, dass sie unnötigen Spekulationen aufgrund ihrer Aussagen keine Nahrung geben wollte. Von den Händlern wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinssatzerhöhung im September mit nur 18 % bewertet, 53 % gehen von einer Zinserhöhung im Dezember aus. Das wäre unmittelbar nach der Präsidentschaftswahl. Persönlich glaube ich, dass auch das nicht passieren wird. Aber selbst wenn, wäre damit die Zinserhöhungsphantasie für längere Zeit aus dem Markt, denn das US Wirtschaftswachstum lässt sich höchstens als lauwarm bezeichnen. Was den US Arbeitsmarkt anbelangt, so wird der Arbeitsmarktbericht Ende dieser Woche etwas mehr Klarheit bringen. Fakt ist jedenfalls, dass die Arbeitslosenrate relativ gering ist, das Lohnniveau wächst allerdings nur sehr langsam. Interessant ist, dass hier eine fallende Produktivität dabei hilft neue Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichzeitig übt die fallende Produktivität aber Druck auf das Lohnniveau aus. Als Arbeitsmarktspezialistin würde Frau Yellen hingegen gerne ein steigendes Lohnniveau sehen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Niedrigzinsphase wohl noch eine ganze Weile andauern wird – egal ob die Fed die Zinsen erhöht oder nicht. Genau das ist aber gut für die Aktienmärkte. Daher werden wir vermutlich auch im Herbst mit tendenziell steigenden Aktienkursen rechnen können.

Schiketanz Marktkommentar: Wie geht es an den Börsen weiter?

1US Aktienmarkt

Die neuste Schätzung des US Wirtschaftswachstums geht von einem Wachstum von 1,1 % (nach 1,2%) für das 2. Quartal aus. Nach wie vor ist der Privatkonsum die treibende Kraft hinter dem Wachstum. Die Inflationsrate liegt aktuell bei 0,8 %, die Arbeitslosenrate bei 4,9 %. Das Verbrauchervertrauen liegt nach wie vor auf einem relativ hohen Niveau. Der Auftragseingang an langlebigen Wirtschaftsgütern stieg im Juli um 4,4%. Das ist erstmals seit 3 Monaten wieder eine Zunahme an Auftragseingängen und der stärkste Anstieg seit Oktober letzten Jahres. Alles in allem bestätigen die letzten Zahlen ein Anhalten des leicht positiven Wachstumstrends der US Wirtschaft. Eine echte Beschleunigung des Wachstums ist allerdings nicht erkennbar. Die Unternehmensergebnisse für das 2. Quartal liegen nun fast vollständig vor. 70 % der Unternehmen konnten die Gewinnschätzungen der Analysten übertreffen. Insgesamt sind die Unternehmensgewinne jedoch um 3,2 % gegenüber dem letzten Quartal gesunken. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr 2016 handelt der Markt nunmehr mit einem PE von 19,6. Da sich das Gewinnwachstum in den nächsten beiden Quartalen merklich beschleunigen sollte, ist das jedoch auf dem jetzigen Zinsniveau durchaus vertretbar. Dies ermöglicht eine weiterhin freundliche Börsentendenz für den Rest des Jahres 2016, ohne jedoch allzu große Kursphantasie aufkommen zu lassen. Dazu wäre eine echte Beschleunigung des Wirtschaftswachstums notwendig.

2Europäischer Aktienmarkt

Der DAX bleibt der unangefochtene Spitzenperformer im Euro Raum. Besser liegt nur der FTSE 100 mit einer Jahresperformance von +9 %. Die Schlusslichter bilden weiterhin die südlichen Märkte Europas. Der DAX ist mit einem PE von rund 13 im Vergleich zum US Markt günstig bewertet. Prinzipiell spricht für die europäischen Aktienmärkte die relativ niedrige Bewertung bei allerdings deutlich erhöhtem politischen und wirtschaftlichen Risiken In ihrer Tendenz bleiben die europäischen Märkte jedoch weiterhin vom US Markt abhängig. Asiatischer Aktienmarkt

Während den japanischen Nikkei 225 Index immer noch die Unlust quält, scheint der indische Markt durch nichts zu bremsen zu sein. Der chinesische Markt – und hier vor allem Hongkong – zeigt nunmehr deutliche Anzeichen einer Bodenbildung. Für risikobewusste Anleger könnte der chinesische Aktienmarkt auf dem derzeitigen Niveau gut Chancen zum Jahresende hin bieten.

3US-Dollar

Weiterhin in seiner Trading Range gefangen bleibt der US Dollar gegenüber dem Euro. Hier spielt sich nach wie vor alles zwischen 1,09 und 1,15 ab. Momentan bleibt wohl weiterhin nichts anderes übrig als auf ein entscheidendes Break nach oben oder nach unten zu warten.  Ich schätze die Fed immer noch so ein, dass sie eher an einem schwachen als an einem starken Dollar interessiert sind.

4Rohstoffe

Rohöl hat die Marke von 50 US-Dollar im Visier – ohne jedoch bislang einen entscheidenden Durchbruch durch diese Marke erzielen zu können. Gold, der Starperformer der letzten Monate, zeigt deutliche Anzeichen einer Trendabschwächung. Noch deutlicher ist das am Silber zu erkennen. Kupfer klebt nach wie vor am Boden. An den Getreidemärkten sind neue Tiefststände zu verzeichnen. Insgesamt hat der August an den Rohstoffmärkten nicht wirklich überzeugen können. Hier bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten. Einiges wird auch von der weiteren Entwicklung des US Dollars abhängen. Kurzfristig ist eine Seitwärtsbewegung wohl die wahrscheinlichste Entwicklung.

5Zusammenfassung

Bei Aktien kann man weiterhin mit tendenziell steigenden Notierungen rechnen, da sich am Wertpapiersektor keine echte und renditenstarke Alternative im liquiden Bereich anbietet. Die Zinsen werden auf dem jetzigen, niedrigen Niveau noch eine ganze Weile verharren. Nennenswerte Inflation ist nach wie vor nicht in Sicht. Der US-Dollar bewegt sich nach wie vor kaum gegenüber dem Euro. Hier sehe ich momentan auch keine wirklichen Impulse in die eine oder andere Richtung.

 

Bitte beachten Sie den Risikohinweis zum SCA Marktkommentar.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.