Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

Nun ist auch der letzte Börsenmonat des Jahres 2016 vorüber. Es war ein ereignisreiches Jahr für alle Börsianer. Aber irgendwie kam man sich vor wie in einer Waschmaschine. Einmal links herum, dann wieder rechts herum, dann das Ganze noch ein paar Mal und zwischendurch immer wieder ein Schleudergang. Am Ende kam alles halb feucht aus der Maschine, aber sauber – also Ende gut, alles gut.

Im Detail haben sich die wichtigsten Weltbörsen im Dezember wie folgt entwickelt:

  • S&P 500 +1,8%
  • DAX +7,7%
  • Eurostoxx50  +7,8%
  • FTSE100  +5,3%
  • Nikkei +4,4%
  • MSCI World (EUR) +2,6%

Wir hatten endlose Zinsdiskussionen, Brexit, Trump’s unerwarteten Wahlsieg, sinkende Unternehmens­gewinne – aber trotzdem steigende Kurse. Am Jahres­ende sitzen wir also da und fühlen uns als hätten wir die letzte Nacht durchgemacht. Wir fühlen uns aber auch irgendwie glücklich, dass 2016 endlich vorbei ist. Nun kommt die bange Frage:

Wird das Jahr 2017 besser?

Ich denke es wird klarer strukturiert sein. Viele große Entscheidungen mit Langzeitwirkung sind gefallen. Weitere Zinserhöhungen in den USA, die von der Fed ja bereits in den Raum gestellt wurden, sind zu erwarten. Damit entsteht ein permanenter Aufwertungsdruck für den US Dollar, weil Europa noch nicht so weit ist eben­falls mit Zinserhöhungen zu beginnen. Da spricht vor allem die hohe Staatsverschuldung vieler Staaten da­gegen. Mehr Zinsen für die Staatsschulden zu bezah­len ist für viele europäische Länder derzeit schlicht und einfach nicht leistbar.

Am spannendsten wird wohl der Paradigmenwechsel in den USA. Trump wird viel für die US Wirtschaft tun. Und eine nachhaltige Unterstützung des Wirtschafts­wachstums wird der ganzen Weltwirtschaft gut tun. Die US Börsen haben 2016 wohl schon einiges vorweg genommen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Wünsche der Marktteilnehmer auch tatsächlich erfül­len werden.

Der latent starke US Dollar wird wohl den großen multi­nationalen Gesellschaften weniger Freude bereiten als den mehr auf den Heimatmarkt ausgerichteten Unter­nehmen. Für die europäischen Märkte gilt spiegel­ver­kehrt das Gleiche. Hier sollten eher die Exportwerte die Börsenlieblinge sein. Die asiatischen Märkte sind hin­gegen derzeit schwer einzuschätzen. Vor allem China bleibt für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Hier kochen noch viele ungelöste Probleme mit schwer ein­schätzbaren langfristigen Folgewirkungen.

Werden sich weitere Zinserhöhungen in den USA dämpfend auswirken?

Ich glaube nicht. Erstens ist der Track Record der Fed – bereits angekündigte Zinserhöhungen auch tatsäch­lich wie angesagt durchzuziehen – eher schwach. Zweitens ist und bleibt das allgemeine Zinsniveau auch noch nach den angesagten Zinserhöhungen ungewöhnlich niedrig. Derzeit liegt der Leitzinssatz bei 0,75%. Selbst bei weiteren drei Zinserhöhungen im Jahr 2017 läge er in etwa bei 1,5%. Das ist alles andere als ein Beinbruch für die Aktienbörsen.

Außerdem wird die Fed nicht zu weit mit ihren Zinser­höhungen gehen, solange sich die EZB nicht in die gleiche Richtung bewegt. Denn je größer die Zins­differenz zum Euro, desto größer wird auch der Aufwertungsdruck für den US Dollar. Und das ist in Summe wieder schlecht für die US Wirtschaft. Hinzu kommt, dass die Fed sehr genau auf die Wirtschafts­zahlen achtet. Sie hat dies 2016 bewiesen als sie mit der einzigen Zinserhöhung des Jahres so lange gewartet hat bis man absolut sicher sein konnte, dass sich die US Wirtschaft besser entwickelt als erwartet. So wird die US Notenbank auch weiterhin agieren.

Im Übrigen hat die US Notenbank derzeit eher die Ten­denz dem Zinsmarkt zu folgen als ihn anzuführen. Dies lässt sich an der Entwicklung des 10-jährigen Treasury Bonds gut nachvollziehen: Seit der Wahl von Donald Trump hat die Rendite dieser Staatsanleihe von 1,8% auf 2,6% angezogen. Diese Entwicklung hat letzt­end­lich auch die Fed dazu gezwungen mit einer Erhöhung des Leitzinses nachzuziehen. Prinzipiell ist es ja natürlich, dass wenn sich die Lage der Weltwirt­schaft verbessert, auch das allgemeine Zinsniveau steigt.

Derzeit läuft die US Wirtschaft deutlich besser als noch vor kurzem erwartet. Getragen wird das Wachstum durch Konsumausgaben, wieder steigende Unterneh­mensgewinne und den Export. Das Konsumenten­ver­trauen bewegt sich auf dem höchs­ten Stand seit neun Jahren und die Arbeitslosenrate ist so niedrig wie seit neun Jahren nicht mehr. Also in Summe eine gute Ausgangslage für ein erfolgreiches Börsenjahr 2017.

Die europäische Wirtschaft und die europäischen Börsen werden im Sog der US Wirtschaft mitgezogen werden. Wie weit Europa diese Welle mitzureiten imstande sein wird, hängt wie schon so oft von einigen nicht so leicht kalkulierbaren Faktoren und Risiken (siehe Italien, Brexit, die Beziehungen zu Russland etc.) ab. Man kann jedoch davon ausgehen, dass wenn es der US Wirtschaft weiterhin immer besser geht, wird es auch für Europa immer besser gehen. Voraus­ge­setzt es passieren nicht wieder politische Toll­patschig­keiten a la Brexit.

Somit dürfen wir aus heutiger Sicht für Aktien ein erfolgreiches Börsenjahr 2017 erwarten.

Wie geht es an den Börsen weiter?

1US Aktienmarkt

Die letzte Schätzung des Wirtschaftswachstums für das 3. Quartal 2016 wurde erneut, nämlich von 3,2% auf 3,5%, angehoben.  Das ist die höchste Wachstums­rate seit zwei Jahren.  Privater Konsum, Investitionen und Exporte sind stärker gewachsen als erwartet. Letztere allerdings aufgrund von Agrarexporten, womit die Nachhaltigkeit dieses Wachstumstempos ein wenig in Frage steht.

Die Inflationsrate liegt derzeit bei 1,7%, die Arbeits­losenrate bei 4,6%. Erfreulich entwickelt sich auch der Konsumsektor. Das Verbrauchervertrauen liegt mit 98,2 auf Rekordniveau (im Vergleich zu 93,8 im Vormonat). Die Zahlen aus dem Produktionsbereich (Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter, Ein­kaufmanagerindex etc.) entwickeln sich ebenfalls prinzipiell positiv. Ähnliches gilt für den Immobilien­markt: die positive Grundtendenz bleibt bestehen.

Die Gewinnschätzungen für die Unternehmen im S&P 500 Index werden für 2017 derzeit mit rund 131 taxiert, woraus sich auf derzeitigem Marktniveau ein PE von rund 17,3 ergibt. Das ist nicht gerade billig, aber durchaus vertretbar.

Der Markt sollte auch im Jänner etwas vorsichtig starten und einmal die Berichtssaison für das 4. Quartal 2016 abwarten. Dann sollte sich die positive Tendenz des Jahres 2016 langsam wieder fortsetzen. Auch für den Rest des Jahres 2017 erwarte ich mir grundsätzlich eine freundliche Markttendenz.

2Europäischer Aktienmarkt

Die europäischen Aktienmärkte haben im Dezember die Seitwärtsbewegung beendet und sind nachhaltig nach oben ausgebrochen. Dies ist einerseits der grund­sätzlich positiven Wirtschaftsentwicklung in Europa zu verdanken, andererseits lieferte auch die Schwäche des Euros gegenüber dem US Dollar ausreichend Grund für eine sehr positive Marktstimmung. Mit einer Fortsetzung dieser Grundtendenz ist auch mit Beginn des neuen Jahres zu rechnen, nachdem der US Dollar weiterhin zur Stärke tendieren wird.

Somit sollten die europäischen Märkte weiterhin das höhere Kurspotential gegenüber dem US Markt haben. Allerdings bleibt das deutlich höhere politische Risiko in Europa unverändert bestehen. Dadurch kann es auf­grund unvorhersehbarer politischer Einflussfaktoren jederzeit zu einer Umkehr der grundsätzlich positiven Markttendenz kommen.

3Asiatischer Aktienmarkt

Was Ende November noch wie ein Ausbruchsversuch des chinesischen Marktes ausgesehen hat, ist im Laufe des Dezembers völlig stecken geblieben. Mit -6% im Dezember gemessen am CSI300 Index war der chinesische Markt im internationalen Vergleich ausge­sprochen schwach.

Auch der indische Aktienmarkt konnte mit einer im Monatsvergleich de facto Null Performance nicht gerade überzeugen. Lediglich der japanische Markt konnte weiter deutlich zulegen. Der Nikkei scheint im Jahr 2017 die Marke von 20.000 Indexpunkten wieder einmal knacken zu wollen. Also alles in allem ein gemischtes Bild an den großen asiatischen Börsen – mit deutlichen Vorteilen für den japanischen Markt.

4US Dollar

Der US Dollar hat im Dezember mit neuen Jahres­höchstständen zum Euro eine deutliche Marke gesetzt. Nachdem sich an dieser Tendenz auch in den ersten Wochen des Jahres 2017 nichts Wesentliches ändern dürfte, scheint das Erreichen der magischen Marke von 1:1 zum Euro durchaus realistisch.

Eine Trendwende kann vermutlich durch eine Änderung der Zinspolitik der EZB erreicht werden – diese ist derzeit aber noch nicht abzusehen. Kommen wird sie vermutlich im Laufe des Jahres 2017, aller­dings wird sie sehr langsam und vorsichtig von statten gehen.

Vielleicht bietet die Parität zum US Dollar den nötigen Halt für den Euro. Dann könnten die Karten neu gemischt werden – vielleicht auch einfach weil die US Notenbank massiv eingreift. Bis auf weiteres ist mit einem starken US Dollar zu rechnen.

5Rohstoffe

Wenig Neues gab es im Dezember am Rohstoffmarkt. Rohöl hat sich über den gesamten Monat sicher über der Marke von USD 50 gehalten und hat in der Nähe der Jahreshöchststände geschlossen.

Kupfer hat nach dem rasanten Anstieg im November im Dezember eine Konsolidierungspause eingelegt. Gold schwächelt nach wie vor und hat das Jahr in der Gegend der Jahrestiefststände abgeschlossen.

Generell wirkt vor allem die Stärke des US Dollars dämpfend auf die Rohstoffmärkte, was man am Beispiel von Gold besonders stark merkt.

Spannend wird sicherlich die Frage wie es mit dem Rohöl- und dem Kupferpreis weitergeht. Prinzipiell haben wohl beide Rohstoffe noch Kurspotential nach oben, allerdings würde ich derzeit für einen Neuein­stieg eher auf ein technisches Kaufsignal warten. Die übrigen wichtigen Rohstoffe befinden sich in ihrer Gesamtheit immer noch in einer Bodenbildungsphase auf für langfristige Investment durchaus interessan­tem Kursniveau.

6Zusammenfassung

  • Die US Wirtschaft entwickelt sich weiterhin besser als erwartet. Das sind gute Voraussetzungen für das Börsenjahr 2017.
  • Auch für 2017 sind weitere Zinserhöhungen zu erwarten. Allerdings wird die US Notenbank diese nur im Einklang mit einer entsprechenden wirtschaftlichen Entwicklung umsetzen.
  • Der US Dollar wird aufgrund der zu erwartenden weiteren Zinserhöhungen weiter unter Aufwertungs­druck stehen. Zumindest so lange als die EZB ihren Zinskurs nicht dem der US Notenbank angleicht.

Bitte beachten Sie den Risikohinweis zum SCA Marktkommentar.

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