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Schiketanz Marktkommentar: Gute Aussichten für 2018

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Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

Nun ist auch der November an den Märkten gelaufen. Große Überraschungen gab es keine. Die großen Weltmärkte haben im abgelaufenen Monat wie folgt abgeschlossen:

  • S&P 500 +2,8%
  • DAX -1,3%
  • Eurostoxx50 -2,6%
  • FTSE100 -2,1%
  • Nikkei 225 +3,2%
  • MSCI World (EUR) -0,4%

Mein letzter Kommentar im Jahr 2017

Kaum zu glauben, aber das ist der letzte Marktkommentar des heurigen Jahres. Der nächste wird schon im Jänner 2018 erscheinen. Ja, die Zeit vergeht schnell, wenn man Spaß hat. Und das heurige Börsenjahr ist ein wahrlich entspanntes gewesen. Wenn man auf der richtigen Seite des Marktes gestanden ist. Der Kaufdruck durch institutionelle Anleger hat das ganze Jahr hindurch konstant angehalten. Aktien waren „the place to be“. Was anderes hätten großen Investoren auch tun sollen angesichts der herrschenden Zinslandschaft. Natürlich hat es auch immer wieder einige „Durchrüttler“ für den Markt gegeben, der zu kurz anhaltenden Preiskorrekturen geführt hat. Aber das ist ja das Salz in der Suppe der Anleger, denn so gab es immer wieder günstige Einstiegsmöglichkeiten.

Dass der Markt schon zu teuer geworden sei, hat man (Gott sei Dank) fast durchgängig das ganze Jahr über gehört. Ich habe an dieser Stelle immer wieder gesagt, dass dem nicht so ist, solange die Gewinne der Unternehmen weiter wachsen. Und genau das taten sie. Was hätte auch passieren sollen angesichts einer sich stetig verbessernden weltweiten Konjunktur. Meistens ist es auch so, dass genau jene Marktteilnehmer, die den Markt für angeblich schon zu teuer halten, genau jene sind, die „vergessen“ haben sich mit Aktien einzudecken, als diese noch billiger waren. Das erinnert mich an jene Pessimisten, die in der Früh ihr Heim mit einem Regenschirm verlassen, weil der Wetterbericht einige Wolken vorhersagt. Dann wünschen sie sich den ganzen Tag, dass es regnen möge, damit sie den Schirm nicht umsonst mit ins Büro genommen haben.

Eine der vorhergesagten Wolken am Börsenhimmel war die viel zitierte US Steuerreform. Kommt sie, oder kommt sie nicht – wenn ja, in welchem Ausmaß? Jede Aussage eines US Politikers wurde mit der Apothekerwaage abgewogen und beeinflusste für wenige Stunden den Aktienmarkt. Aber wie so oft landeten diese Beiträge auf der Mülldeponie für obsolete Wortspenden.

Die Steuerreform ist zweifellose eine wichtige Sache für den US Aktienmarkt – und damit letztendlich auch für die Weltbörsen. Was also zeigt uns der Faktencheck zur US Steuerreform?

Die Republikaner sind im Zugzwang. Sie müssen unbedingt einmal ein wichtiges Gesetz durchbringen, sonst sieht es für die 2018 im November anstehende „Mid-Term Election“ – also der Halbzeit Wahl in der Mitte der Amtszeit des amtierenden Präsidenten – finster für sie aus. Dann nämlich könnten die Republikaner im Extremfall die parlamentarische Mehrheit verlieren. Das ist aber so ziemlich das letzte was sie jetzt brauchen können. Ein unbeliebter republikanischer Präsident reicht auch so schon. Also werden sie einen Kompromiss herzaubern, den sie als politischen Erfolg verkaufen können – und wenn dieser auch noch so faul sein mag. Den Börsen wird es egal sein – solange die Unternehmenssteuern sinken. Wer dafür bezahlen muss, ist eine ganz andere Geschichte. Es wird viel um Steuerabsetzbeträge gestritten, aber im Kern geht es um die notwendige Vereinfachung des US Steuerrechtes und um die Senkung der Unternehmenssteuern von 35% auf 25%.

Wenn also die Steuersenkung endlich kommt, dann wird dies besonders den dividendenstarken Aktien zugutekommen, denn niedrigere Steuern bedeuten, dass mehr Geld übrig bleibt, um Dividenden auszuschütten.

Somit lassen sich die Aussichten für die ersten Monate des Jahres 2018 wie folgt zusammenfassen: Gleichgültig wie die Steuersenkungsdebatte letztendlich ausgeht – Faktum ist, dass wir in einer der stärksten Gewinnwachstumsphasen für US Unternehmen der letzten Jahre sind. Das haben die jetzt fast vollständig vorliegenden Unternehmenszahlen für das 3. Quartal 2017 eindeutig bewiesen. Kommt die Steuersenkung hinzu, so wird dieser Gewinntrend noch weit in das Jahr 2018 hineinreichen.

… und die Zinspolitik des neuen US Notenbank Chefs?

Die Zinspolitik der US Notenbank dürfte den Börsen in den nächsten Monaten keine besonderen Probleme bereiten. Von einer Zinserhöhung im Dezember ist weiterhin auszugehen. Das könnte es allerdings für absehbare Zeit gewesen sein. Der zukünftige Notenbankchef Jerome Powell wird als marktfreundlich eingeschätzt. Er unterstützt die Steuerreform und will für eine weiterhin expandierende Wirtschaft sorgen. Das heißt, dass möglicherweise auch ein US Wirtschaftswachstum von 4% bald Realität werden könnte. Deutlich über 3% liegt die US Wirtschaft ja schon eine Weile. Für die Aktienmärkte bedeutet das also aus heutiger Sicht für 2018 ein sich weiterhin beschleunigendes US Wirtschaftswachstum und steigende Unternehmensgewinne.

Welche Stolpersteine sind derzeit für 2018 vorherzusehen?

Da ist immer wieder ein gewisser politischer Unsicherheitsfaktor, der derzeit vor allem von den Spannungen zwischen Saudi Arabien und Iran herrührt. Aber auch das ewige Gerangel zwischen den USA und Nord Korea kann jederzeit eskalieren und damit auch zu Marktturbulenzen führen. Und dann bleibt auch noch der Dauerbrenner „Rohölpreis“. Derzeit sieht der Ölpreis auf etwas erhöhtem Niveau ziemlich stabil aus. Aber die Fördermengenbeschränkungen der OPEC Staaten können jederzeit de facto aufgehoben werden. Dies hätte einen deutlich niedrigeren Ölpreis zu Folge und somit auch negative Auswirkungen auf das US Wirtschaftswachstum und die US Handelsbilanz (als einer der wichtigsten Ölproduzenten der Welt).

Das Szenario für die europäischen Aktienmärkte ist ebenfalls recht gut. Auch hier beschleunigt sich das Wirtschaftswachstum weiter. Die EZB macht weiterhin keine Andeutungen auf eine Kurskorrektur in Sachen Zinspolitik. Wahrscheinlich wird es aber doch im Laufe des nächsten Jahres den einen oder anderen vorsichtigen Zinsschritt nach oben geben. Ein gewisser Unsicherheitsfaktor für die europäischen Aktienmärkte ist allerdings der US Dollar. Dieser tendiert nach wie vor zur Schwäche gegenüber dem Euro. Dieser Trend könnte sich mit den ersten Zinserhöhungsschritten der EZB, vermutlich im Frühjahr 2018, wieder intensivieren. Kurse von 1,25 und darüber halte ich dann aus heutiger Sicht für durchaus realistisch. Ein starker Euro ist halt immer ein gewisser Dämpfer für die europäische Exportindustrie.

Aussicht auf 2018

In Summe bleibt uns das freundliche Börsenklima wohl auch in den ersten Monaten des Jahres 2018 erhalten. Ein paar Wolken am Börsenhimmel gehören hin und wieder schon dazu. Aber einen Regenschirm werden wird vermutlich so schnell nicht brauchen.

Lesen sie, wie es an den Börsen weitergeht auf Seite 2 im Schiketanz Marktkommentar.

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