Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

In einem leicht negativen Unterton beendeten die großen Aktienbörsen den Monat Juni. Im Einzelnen haben die Märkte letzten Monat wie folgt performt:

  • S&P500 +0,46%
  • DAX -2,3%
  • Eurostoxx50 -3,2%
  • FTSE100 -2,8%
  • Nikkei 225 +2,0%
  • MSCI World (EUR) -1,7%

Auch wenn der Monatsausklang leicht negativ war, so dürfen Aktieninvestoren doch auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2017 zurückblicken. Es waren wieder einmal die Unternehmensergebnisse, die den großen Trend vorgegeben haben. Völlig losgelöst von Tagespolitik und von einmal etwas besseren und dann wieder etwas schlechteren makroökonomischen Daten haben steigende Unternehmensgewinne für gute Stimmung an den Börsen gesorgt. Die Gewinntrends sind sowohl für US Unternehmen als auch für europäische Unternehmen völlig intakt. Dies sollte sich auch in der jetzt anstehenden Berichtssaison für die Ergebnisse des 2. Quartals 2017  bewahrheiten.  Den letzten Äußerungen von Seiten der EZB ist zu entnehmen, dass diese den Markt – wenngleich auch mit größter Vorsicht – auf ein Ende der ultra-lockeren Zinspolitik vorbereitet. Gegengleich werden von US-Notenbankern vereinzelt schon Kommentare laut, dass die letzte Leitzinserhöhung im Juni um 0,25% zu früh gekommen sei.

Was in Summe bleibt…

…ist die Tatsache, dass die Zinsen nun auch in Europa steigen werden und die USA auf Basis der derzeitigen Wirtschaftsdaten eher schon wieder am Ende ihrer Möglichkeiten für weitere Zinserhöhungen angekommen ist. Die Auswirkungen der am Horizont heraufdämmernden Änderung der EZB Zinspolitik lässt sich am Wechselkurs des US Dollars zum Euro deutlich ablesen. Schon in meinem April Marktkommentar hatte ich auf die beginnende Trendwende des Währungspaares hingewiesen. Seit April ist der US Dollar gegenüber dem Euro um fast 5% gefallen, von den Höchstkursen des Jahres 2017 sind es immerhin schon mehr als 10%. Die Auswirkungen auf die globalen Aktienmärkte sind auch bereits zu sehen. Ein fallender US Dollar wirkt sich positiv für Exportwerte aus dem Dollar Raum aus, jedoch negativ auf Exportwerte aus dem Euro Raum. Anders ausgedrückt: der DAX performte im Juni deutlich schwächer als der S&P 500. Mehr als eine Zwischenbilanz ist das vorläufig noch nicht, jedoch rechne ich bis auf weiteres mit einer Fortsetzung dieses Trends. Der entscheidende Durchbruch findet bei dauerhafter Überschreitung der Marke von 1,16 im Wechselkurs EURO/US Dollar statt.

Änderungen zeichnen sich nunmehr auch am Zinsmarkt ab. Die Zinsen im 10-jährigen Bereich haben Ende Juni spürbar angezogen. So haben die Renditen der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen von 0,25% auf 0,46% angezogen, jene der 10-jährigen US Treasuries von 2,15% auf 2,28%.

Das alleine ist noch keine besonders dramatische Bewegung, hätte da nicht noch eine Sonderbewegung bei den großen US Bankaktien stattgefunden. Die leicht steigenden Zinsen sorgten schon seit einigen Wochen für gute Stimmung bei den Bankaktien. Als dann noch die US Notenbank zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008 ihre Erlaubnis für Dividendenerhöhungen und groß angelegte Aktienrückkaufprogramme gab, waren die Bankaktien nicht mehr zu halten und verzeichneten neue Jahreshöchstkurse. Plötzlich gehören US Bankaktien zu den Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen. Das tat nicht nur den Bankaktien gut, sondern ist auch für den gesamten Aktienmarkt eine enorme Stütze. Eine alte Börsenregel besagt, dass eine Hausse nur dann nachhaltig ist, wenn auch die Bankaktien mitlaufen. Das tun die US Banken nun definitiv.

Der “Countdown läuft”

In zwei Wochen beginnt die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse der Unternehmen für das 2. Quartal 2017. Wenn man den Analysten glauben schenkt, so sieht es recht gut aus. Wie immer werden die Sommermonate aufgrund sinkender Marktliquidität anfällig für kurzfristige Marktirritationen sein, aber ich erwarte mir aus heutiger Sicht keine nennenswerten Kurskorrekturen. Zudem ist der Juli traditionell ein guter Börsenmonat mit einer durchschnittlichen Kursperformance von 1,5%, wenn man die Daten seit 1928 als Basis heranzieht. Vorsicht ist nur geboten, wenn das große Börsenbarometer der Welt, der S&P 500, die Tiefstkurse vom Mai 2017 unterschreiten würde. Das ist die Marke von 2354 Punkten. Solange das nicht passiert ist alles im grünen Bereich und wir dürfen uns auf neue Jahreshöchstkurse in der 2. Jahreshälfte 2017 freuen.

Lesen sie, wie es an den Börsen weitergeht auf Seite 2 im Schiketanz Marktkommentar.

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