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Schiketanz Marktkommentar: Positive Marktaussichten

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Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

Der September hat an den großen Weltbörsen wie folgt performt:

  • S&P 500 +1,9%
  • DAX +6,4%
  • Eurostoxx50 +5,1%
  • FTSE100 -0,8%
  • Nikkei 225 +2,6%
  • MSCI World (EUR) +3,4%

Statistik versus tatsächlichem Marktgeschehen

Statistisch gesehen ist der September der zweit schwächste Börsenmonat des Jahres. So gesehen war die Performance dieses Jahr außergewöhnlich gut. Sucht man allerdings eine Antwort auf die Frage, was eigentlich die besten Monate zum Investieren sind,  sieht das Bild etwas anders aus. So betrachtet, gehört nämlich der September zu den besten Monaten um neue Investments zu platzieren. Eigentlich ist das ziemlich logisch. Nach einem Monat mit schlechter Kursentwicklung – was gleichzusetzen ist mit einer Marktkorrektur – kann man zu günstigeren Preisen einkaufen.

Um wieder einmal einen alten Börsenspruch zu strapazieren: „Die Börse ist der einzige Markt, wo sich die Kunden beschweren, dass etwas billiger geworden ist“. Je nach Betrachtungszeitraum zeigt sich über die letzten Jahrzehnte von der Statistik her doch ein relativ eindeutiges Bild: August bis Dezember schneiden als Investmentzeitpunkt immer hervorragend im Jahresvergleich ab. Die schlechtesten Kaufzeitpunkte liegen in der Periode Februar bis April. Ende Mai liegt übrigens der besten Kaufzeitpunkt im Frühjahr. Was nur wieder einmal beweist, dass nach dem traditionell schwachen Mai (wir kennen doch alle das berühmte „Sell in May and go away“) ein guter Kaufzeitpunkt liegt.

So weit so logisch. Das Problem für Investoren liegt nun aber in der Tatsache, dass Statistiken eben nur das sind, was sie sind – nämlich ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Und Wahrscheinlichkeiten sind nun einmal keine Sicherheiten. Was uns der diesjährige September eindeutig bewiesen hat. Je nach Börse war dieser September heuer einer der besten Monate des Jahres. Außer einigen schwachen Tagen zu Anfang des Monats hatte der abgelaufene Monat keine wirklich günstigen Einstiegszeitpunkte geboten. Hat man die versäumt, läuft man jetzt dem Markt hinterher.

Wer mich besser kennt, kennt auch meine Reserviertheit gegenüber Markttiming. Zu groß ist für mich die Gefahr, dass man zwar einen guten Verkaufszeitpunkt erwischt, aber den Wiedereinstieg verpasst. Klar kann man mit einem kleinen Teil des Portfolios über Timing ein wenig die Performance optimieren. Nimmt man die durchschnittlichen Jahreserträge des US Aktienmarktes der letzten 90 Jahre als Maßstab, so darf man einen jährlichen Ertrag (nach Inflation) von rund 6,9% erwarten. Langlaufende Anleihen rentierten im selben Zeitraum übrigens mit knapp 3% (ebenfalls inflationsbereinigt). Die durchschnittliche Inflation der letzten 90 Jahre lag bei knapp 3%. Grob gerechnet bedeutet das also, dass man am Aktienmarkt alle 10 Jahre sein eingesetztes Kapital verdoppelt – und zwar inflationsbereinigt.

Was haben uns die Krisen in den letzten 90 Jahren aufgezeigt?

Natürlich hat es immer wieder Zeiten mit herben Verlusten gegeben. Da waren schon auch einmal Verluste mit mehr als 40% dabei. Aber das geschah nur viermal in den letzten 90 Jahren – davon allerdings gleich zweimal in der jüngsten Vergangenheit – nämlich beim Platzen der Internet Bubble 2001-2002 sowie im Zuge der jüngsten Finanzkrise 2008. Die anderen beiden Megakrisen waren die große Depression der 30er Jahre und die Ölkrise 1973-1974.  Aber immer wieder erholten sich die Finanzmärkte und erlangten wieder neue Höchststände. Womit wir bei den allerwesentlichsten Punkten für Aktieninvestoren sind.

Erstens braucht es einen Anlagehorizont der mindestens 10 Jahre beträgt, um auch die schwersten Krisen aussitzen zu können. Zweitens braucht es ein gut ausgesuchtes Portfolio aus mehrheitlich krisenfesten Unternehmen. Hier sind 10 verschiedene Titel das absolute Minimum. Je mehr Titel, desto stabiler ist die Ertragsentwicklung.  Wer dann noch Lust auf eine etwas höhere Performance hat, der sollte auf den Bereich der Mid- und Small Caps nicht vergessen. Dieses Segment liefert bei etwas erhöhtem Risiko noch um durchschnittlich knapp 2% mehr Ertrag als die großen, marktbreiten Titel.

Allerdings findet man dann mit 10 Einzelwerten bei weitem nicht mehr das Auslangen. Deshalb bin ich auch ein großer Befürworter von Investmentfonds, denn hier steht ausreichend viel Kapital zur Verfügung, um auch in diesem Segment der Small und Mid Caps ausreichend diversifiziert aufgestellt zu sein.

Haben Kryptowährungen ein Ablaufdatum?

Was auch immer die persönlichen Präferenzen des einzelnen Investors hinsichtlich Ertrag und Risiko sein mögen – in jedem Fall braucht man Zeit und ein breites und gut ausgesuchtes Portfolio um viele Jahre als erfolgreicher Aktieninvestor bestehen zu können. Das sei vor allem jenen ins Stammbuch geschrieben, die glauben mit gehypten Kryptowährungen langfristig Geld verdienen zu können. Im Gegensatz zu Sachinvestitionen wie z.B. Aktien fehlt bei dieser Anlageklasse jegliche wirtschaftliche Existenzberechtigung – außer jener, die bestehenden gesetzlichen Regulierungen der etablierten Finanzmärkte zu umgehen.

Durchaus  verständlich halte ich dieses Verlangen, die heutige Überregulierung, die alle Investoren quält, umgehen zu wollen. Aber weder werden sich das die Notenbanken auf Dauer gefallen lassen, da die Parallelwährungen ihre Geldmengensteuerung untergraben – noch werden die lokalen Gesetzgeber auf Dauer einen de facto rechtsfreien Raum, der im großen Stil unter anderem zur Geldwäsche missbraucht wird, akzeptieren. Erste diesbezügliche Bemühungen (siehe China) sind ja bereits im Gange. Das Ende könnte für Investoren in Bitcoins & Co ziemlich schmerzhaft werden.

So, nachdem ich das jetzt auch einmal an dieser Stelle losgeworden bin, wieder zurück zu unserem eigentlichen Thema – der etablierten Anlageklasse Aktien. Der Ausblick für die nächsten Wochen erscheint mir ziemlich gut. Die Weltwirtschaft wächst und die Unternehmensgewinne steigen deutlich. Die Frage, ob die Bewertung der Aktien nicht schon zu hoch ist, wird uns weiter beschäftigen. Im Wesentlichen ist die Beantwortung von dieser Frage von der Gewinnentwicklung der unternehmen abhängig. Der Ausblick ist sehr gut – der Faktencheck beginnt mit dem Beginn der Berichtssaison für das 3. Quartal 2017 Mitte Oktober.

Lesen sie, wie es an den Börsen weitergeht auf Seite 2 im Schiketanz Marktkommentar.