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Schiketanz Marktkommentar: Vier gute Nachrichten!

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Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

Im Wesentlichen unverändert beendeten die großen Aktienbörsen den Monat Juli. Im Einzelnen haben die Märkte letzten Monat wie folgt performt:

  • S&P 500 +2,1%
  • DAX -1,7%
  • Eurostoxx50 +0,3%
  • FTSE100 +0,8%
  • Nikkei 225 -0,5%
  • MSCI World (EUR) -0,7%

Wie wird’s im August laufen?

Der August ist für Aktieninvestoren eigentlich ein recht unangenehmer Monat. Die Liquidität ist sehr gering und große Häuser spielen oft mit dem Markt. Aktien fallen ohne erkennbaren Grund stark und werden von Großinvestoren billig wieder zurückgekauft, nachdem sie zunächst einmal durch gezielte Verkäufe die Aktien auf Talfahrt geschickt haben. Generell macht der Markt sehr oft erratische und kaum nachvollziehbare Kursbewegungen. Doch diesmal könnte der August durchaus anders verlaufen.

Here are the „4 Good News“

Ausgehend vom US Aktienmarkt, der nach wie vor der große Taktgeber der Weltbörsen ist, gibt es eine Menge guter Nachrichten, die den Weltbörsen unter die Arme greifen. Die erste gute Nachricht ist, dass augenblicklich politische Ereignisse nur am Rande von den Marktteilnehmern beachtet werden. Äußerungen von Trump, Putin oder Erdogan oder die Problembereiche Quatar oder Brexit wirken sich derzeit kaum auf die Börsen aus. Man scheint sich an den täglichen Politwahnsinn gewöhnt zu haben.

Warum das derzeit so ist, mag wohl auch an der zweiten gute Nachricht liegen: das sich weltweit ständig verbessernden ökonomischen Szenario. Die Weltkonjunktur zieht weiter an – die Eurozone scheint endlich in die Gänge zu kommen und wächst derzeit mit 1,9% p.a. Gleiches gilt auch für China, die scheinbar auch die Wachstumsdelle hinter sich gelassen haben und wieder bei 6,9% jährlichem Wirtschaftswachstum liegen. Indien ist mit einem Wirtschaftswachstum von  6,1% auch sehr respektabel unterwegs und die USA liegen bei 2,1% Wachstum.

Die dritte gute Nachricht ist die derzeit voll im Gang befindliche Berichtssaison der US Unternehmen mit ihren Ergebnissen für das 2. Quartal. Etwas mehr als die Hälfte der US Unternehmen haben ihre Quartalszahlen bislang vorgelegt. 70% der Ergebnisse liegen über den Analystenschätzungen.  Das ist deutlich mehr als üblich. Somit scheinen die hoch gesteckten Erwartungen der Analysten mehr als erfüllt zu werden. Im Vergleich zum letzten Quartal stiegen die Unternehmensgewinne um durchschnittlich 6,5%.

Die vierte gute Nachricht kommt von der Zinsfront. In ihrer letzten Rede vor dem Kongress hat die US Notenbankpräsidentin betont, dass allfällige weitere

Zinserhöhungen graduell und in Abhängigkeit von den jeweils letzten Wirtschaftsdaten erfolgen werden.  Etwas griffiger hat es der Vize Präsident der US Notenbank Stanley Fischer in einer soeben gehaltenen Rede in Rio de Janeiro formuliert:  „Das niedrige Zinsniveau ist ein starkes Signal, dass das Wachstumspotential der US Wirtschaft limitiert sein könnte.“ Er sieht die Ursachen für das relativ langsame US Wirtschaftswachstum in „schwacher Produktivität, demografischen Faktoren und einer schwachen Investitionsneigung“. Er schätzt das Wachstumspotential der US Wirtschaft eher bei 1,5% und nicht, bei den von US Präsident Donald Trump angepeilten 3%. Fischer sieht seitens der Notenbanken weltweit keine Möglichkeiten das Wachstum über die Zinspolitik anzukurbeln. Dazu bedürfe es seiner Meinung nach effektiver fiskalpolitischer und regulatorischer und nicht weiterer zinspolitischer Maßnahmen.

Dies bedeutet für mich, dass es in nächster Zeit wohl kaum zu weiteren Zinsschritten der US Notenbank kommen wird. Wenn überhaupt, dann eher erst gegen Jahresende. Inflationsdruck gibt es derzeit auch keinen, da die Löhne nicht signifikant ansteigen. In den letzten 12 Monaten ist das Lohnniveau um nur 2,5% gestiegen. Das reicht nicht wirklich aus, um ausreichend Druck auf die Inflation zu erzeugen. Für den US Dollar bedeutet dies dann aber auch, dass er unter diesen Umständen tendenziell weiter unter Druck bleiben wird, was wieder unterstützend auf das US Wirtschaftswachstum wirkt.  Alles im allem bleibt die US Wirtschaft auf einem lauwarmen Expansionskurs, während sich die übrige Weltwirtschaft merklich erholt.

Was bedeutet dies nun für die Aktienmärkte? Ein anhaltend niedriges Zinsniveau und steigende Unternehmensgewinne sind gute Nachrichten für den Aktieninvestor. Einerseits sollten davon Aktien mit hohen Dividendenrendite, andrerseits auch ‚ echte Wachstumswerte profitieren. Die Aktienmärkte sollten daher insgesamt weiterhin bei leichtem Aufwärtstendenz  stabil bleiben, wenngleich die üblichen Sommergewitter aufgrund der saisonal bedingten geringen Marktliquidität nicht auszuschließen sind.

Lesen sie, wie es an den Börsen weitergeht auf Seite 2 im Schiketanz Marktkommentar.

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