Schiketanz Marktkommentar
Dr. Wolfgang Schiketanz ist Geschäftsführender Gesellschafter der SCA

Der Markt wartet auf das Ergebnis der US Präsidentschaftswahl. Das logische Resultat war ein Seitwärtsmarkt im Oktober. Man rechnet mit einem Sieg von Clinton – Bewegung wird nur in den Markt kommen, wenn das Ergebnis doch anders ausfällt. Am 9. November werden wir es wissen. Ein ruhiger Marktverlauf im Vorfeld der US Präsidentschaftswahl hat folgende Monatsergebnisse für den Oktober gebracht:

  • S&P 500 -1,9%
  • DAX +1,5%
  • Euro Stoxx 50 +1,8%
  • FTSE 100 +0,8%
  • Nikkei 225 +5,9%

Die jüngsten Wirtschaftszahlen zeigen unverändert ein gemischtes Bild. Das Wirtschaftswachstum für das 3. Quartal wurde überraschend höher eingeschätzt als bislang erwartet, es wird derzeit auf +2,9% geschätzt. Bislang waren es 2,5%. Dafür verliert der private Konsum an Dynamik. Nachdem dieser die wichtigste Komponente der US Wirtschaftsleistung ist, ist das die gegenläufige, negative Nachricht.

Zinserhöhung: Ja oder nein?

Für den Markt ist das Spekulieren über eine mögliche Zinserhöhung der aktuell beherrschende Markttreiber. Dividendenstarke Aktien haben im Oktober merklich schwächer performt, was darauf schließen lässt, dass der Markt von einer Zinserhöhung im Dezember ausgeht. Geschieht dies (wovon ich nicht restlos überzeugt bin), ist das auch kein Beinbruch. In diesem Fall wäre das wohl für die nächsten Monate die letzte Zinserhöhung. Mit dem nach wie vor wenig überzeugenden Wirtschaftswachstum und sehr moderaten Inflationszahlen ist derzeit einfach nicht mehr drinnen.

Was bringt das restliche Börsenjahr?

Wagen wir einen Blick auf den Rest des Börsenjahres. November ist traditionell ein starker Börsenmonat. Wirklich negative Entwicklungen zeigen sich derzeit keine am Horizont. Nach der Wahl kann es zu einem kurzzeitigen Steigen der Volatilität kommen. Aber das sollte nichts an der generellen Marktausrichtung ändern – es bleibt bis auf weiteres freundlich.

Daran wird auch eine allfällige Zinserhöhung im Dezember nichts ändern. Gegen Jahresende kommen noch die üblichen Käufe der US Pensionskassen ins Spiel, sodass der Markt genügend Unterstützung für einen freundlichen Ausklang haben sollte.
Eine Sache sollte an dieser Stelle allerdings nicht unerwähnt bleiben: derzeit gehen Analysten von einer Gewinnsteigerung der S&P 500 Aktien von rund 17% in 2017 aus. Das erscheint mir zu optimistisch. Werden diese Gewinnschätzungen in den ersten Wochen des Jahres 2017 zurückgefahren, so beschränkt das aus heutiger Sicht das Marktpotential für den US Markt.

Allerdings ist die Frage des für 2017 zu erwartenden Wirtschaftswachstums noch weitgehend offen. Aufgrund der widersprüchlichen Datenlage ist eine halbwegs genaue Schätzung derzeit schwer möglich. Hier kommt wieder die US Notenbank ins Spiel. Ich vermute, dass – sollte die Inflation merklich anspringen – dies nicht sogleich zu einer weiteren Zinserhöhung führen wird.

Ich vermute, dass man seitens der Fed versuchen wird, die Wirtschaft etwas „heiß“ laufen zu lassen. Dies bedeutet, dass man dann bei Erreichen der magischen Marke von 2% Inflation (= die von der US Notenbank postulierte Zielinflation) sogleich wieder mittels einer Zinserhöhung abriegelt. Das Ergebnis wäre dann immer noch eine deutlich negative Realverzinsung am kurzen Ende der Zinskurve – in etwa auf dem Niveau, das wir derzeit am Markt vorfinden. Dazu muss allerdings erst die Inflation die Marke von 2% überschreiten und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum wieder nachhaltig an die 3% Marke herankommen.

Europa wird wie üblich tendenziell der US Entwicklung flogen. Mit einer Zeitverzögerung von mindestens 6 Monaten. Die augenblickliche relative US Dollarstärke wird diese Entwicklung nur noch fördern. Dazu kommt, dass die europäischen Aktienmärkte deutlich billiger sind als der US Markt.

Asterix lebt!

Warum europäische Aktien billiger sind als US amerikanische hat das Trauerspiel um die CETA Verhandlungen wieder einmal deutlich gemacht. Europa hat jetzt bewiesen, dass Asterix nicht nur eine Comicfigur ist, sondern wirklich lebt. Es hat wieder einmal gezeigt, wie dringend reformbedürftig die europäischen Strukturen sind. Ob die Botschaft auch beim europäischen Polit-Establishment ankommt, bleibt abzuwarten. Aber was wäre Asterix ohne die Römer.

Die Chancen an den europäischen Aktienmärkten sind in Summe höher als die Chancen am US Markt. Allerdings sind auch die Risiken deutlich höher. Diese liegen in der europäischen Politik, aber auch im europäischen Finanzsektor. Denn letzterer ist – vor allem in Bezug auf die Eigenkapitalausstattung – lange nicht so stark aufgestellt wie die US Institute.

In Summe gibt es derzeit wenig neue Entscheidungsgrundlagen. Ein breit aufgestelltes und gut strukturiertes Portfolio ist für Anleger derzeit das Wichtigste. Momentan ist nicht die Zeit den Kopf weit aus dem Fenster zu strecken. Ich rechne schon rein saisonbedingt mit weiterhin freundlichen Aktienmärkten, ohne allzu große Performance Erwartungen für den Rest des Jahres zu haben.

Ich halte es für entscheidend, investiert zu bleiben und Geduld zu haben. Die Märkte haben uns in letzter Zeit immer wieder bewiesen, dass wenn sie in Bewegung geraten (und das gilt auch für Aufwärtsbewegungen), dies in sehr schnellen, eruptiven Bewegungen erfolgen kann. Dem Computerhandel sei’s gedankt. Wer da nicht schon vorher investiert ist, der hat meist inner­halb weniger Stunden das Nachsehen.

Wie geht es an den Börsen weiter?

1US Aktienmarkt

Die erfreuliche Meldung der letzten Tage war das Anheben der Schätzung des Wirtschaftswachstums im 3. Quartal von 2,5% auf 2,9%. Das sind immerhin 1,4% mehr Wachstum als im 2. Quartal.

Interessant ist der Beitrag einzelner Sektor zum Wirtschaftswachstum: Der Privatkonsum steuerte 2,1% zum Wachstum bei (im letzten Quartal waren es noch 4,3%), hingegen stiegen die Exporte um 10% an (und lieferten somit einen Beitrag von 0,8% zum Wirtschaftswachstum des 3. Quartals). Allerdings ist dieser Exportanstieg auf eine Rekordernte bei Sojabohnen zurückzuführen – und somit nicht direkt auf klassische industrielle Produktion oder Serviceleistungen.

Ein weiterer namhafter Beitrag zum Wachstum stammt aus Lageraufbau (rund 0,6% Beitrag). Somit ist die Nachhaltigkeit des Wachstums im 3. Quartal ein wenig in Frage zu stellen. Der Rückgang bei der Konsumdynamik (der private Konsum macht rund zwei Drittel der US Wirtschaftsleistung aus) stimmt ein wenig nachdenklich.

Die Inflationsrate liegt derzeit bei 1,5%, die Arbeitslosenrate bei 5%. Die Zahlen aus dem Produktionsbereich (Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter, Einkaufmanagerindex etc.) entwickeln sich leicht positiv, allerdings ohne große Dynamik. Ähnliches gilt für den Immobilienmarkt: eine positive Grundtendenz bleibt bestehen, aber auch hier ohne besonders große Dynamik.

Der Markt sollte auch im November weiterhin nach oben tendieren, wenngleich auch eher schaumgebremst.

2Europäischer Aktienmarkt

Einmal mehr hat der schwächere Euro die europä- ischen Aktienmärkte – und hier natürlich vor allem den deutschen Aktienmarkt – gestützt. Die in den europä- ischen Indizes stark gewichteten Finanztitel tendierten ebenfalls freundlicher. Das erklärt die im Oktober etwas bessere Performance der europäischen Märkte gegenüber dem US Markt.

Große neue Impulse sehe ich derzeit in Europa keine. Es sei denn, der US Dollar wird jetzt nochmals nachhaltig stärker gegenüber dem Euro. Derzeit lässt sich das noch nicht vorhersagen, denn wir befinden uns nach wie vor in einer großflächigen Seitwärtsbewegung, die sich bereits vor mehr als 18 Monaten etabliert hat.

Wichtig – schon im Hinblick auf das nächste Börsenjahr – wäre eine weitere Stabilisierung der Finanztitel. Erste Anzeichen dafür sind da, aber die Deutsche Bank schwebt noch immer wie ein Damoklesschwert über allen Finanzwerten. Momentan ist die Sache aus den Schlagzeilen verschwunden. Das ist immerhin ein erstes gutes Zeichen.

3Asiatischer Aktienmarkt

Die großen asiatischen Märkte haben sich stabilisiert. Der chinesische Markt hätte rein markttechnisch das Potential für einen entscheidenden Ausbruch nach oben. Der indische Markt erweckt auch den Anschein als hätte er seine Korrekturphase abgeschlossen. Und auch der Nikkei steht vor einem Ausbruch über die entscheidende Marke von 17.600 Punkten.

Wem die etablierten westlichen Märkte zu wenig aufregend geworden sind, der findet alleine an den großen asiatischen Märkten derzeit einige Investitionsmöglichkeiten mit viel Potential vor. Allerdings ist das hohe Volatilitätsrisiko immer mit einzukalkulieren.

4US Dollar

Der US Dollar bewegt sich derzeit am unteren Ende der „neutralen Zone“. Diese endet bei ungefähr 1,09. Ein entscheidender Durchbruch findet aber in Wahrheit erst statt, wenn der Markt unter die 1,0450 fällt. Das war der Tiefststand des Euros aus dem März 2015.

Bis es soweit ist (und wer weiß, ob es überhaupt jemals soweit kommt) spielen die Notenbanken ihr Spielchen weiter. Kaum droht dem Markt ein entscheidendes Break, wird flink dagegen gerudert. Leider gibt es nichts anderes zu tun als weiter zu warten, ob das entscheidende Break gelingt oder nicht. Fundamental wäre ein schwächerer Euro durchaus gerechtfertigt. Irgendjemand scheint aber was dagegen zu haben.

5Rohstoffe

Die Rohstoffmärkte vermitteln nach wie vor ein uneinheitliches Bild. Rohöl ist weiterhin um eine langfristige Bodenbildung bemüht – wirklich Überzeugendes ist bislang noch nicht gelungen, aber die technische Lage verbessert sich zunehmend.

Gold macht wieder einmal was es will und kämpft jetzt wieder mit der Marke von 1250 US Dollar. Silber klebt wie immer an der Kittelfalte von Gold. Kupfer bastelt weiter an einem langfristigen Boden – das sieht gar nicht so schlecht aus. Kaffee hat einen sehr schönen langfristigen Boden gebaut.

In Summe zeigt der Rohstoffsektor wieder deutliche Stabilisierungstendenzen.

6Zusammenfassung

  • An den Aktienmärkten gibt es derzeit kaum neue Im­pulse. Man wartet auf den Ausgang der US Präsi­dent­schaftswahl. In Ermangelung anderer Entscheidungs­kriterien kann man derzeit von einer saisonal grund­sätzlich freundlichen Börsenentwicklung für den Rest des Jahres ausgehen.
  • Eine Zinserhöhung im Dezember wird immer wahr­scheinlicher. Letztendlich wird es auf die neuesten Wirtschaftsdaten ankommen.
  • Der US Dollar bleibt weiterhin in seiner Trading Range gefangen. Derzeit sieht es allerdings nach einem Ausbruch in Richtung neuer Jahrestiefststände für den Euro gegenüber dem US Dollar aus. Aber noch ist es nicht so weit. Auch diese Situation hatten wir schon mehrmals in der Vergangenheit.

Bitte beachten Sie den Risikohinweis zum SCA Marktkommentar.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.