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Siemens – ein Sommertheater

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uwezimmer

Es ist Sommerzeit, Urlaubszeit, Ruhezeit an der Börse. Viel bewegt sich nicht, denn es wird nicht viel Bewegendes verkündet. Gähnende Langeweile in der Sommerhitze.

Da kann ein Management-Wechsel bei Siemens schon mal als Gewitter gerade recht kommen.

Die Frage ist nur, warum hat es eigentlich so gekracht? Herr Löscher, dessen Arbeit von außen ohnehin kaum jemand beurteilen kann, war seit Jahren angeschlagen, hatte sich erfolgreich ein Verlierer-Image aufgebaut. Deshalb wurde auch mehr über den Zeitpunkt der Veröffentlichung negativer Ausblicke und Zahlen diskutiert als über die Zahlen selbst. Denn mit denen hatte der Markt bereits gerechnet.

Uwe Zimmer

Dass die Börse Siemens trotzdem so abstrafte, mag genauso am Sommerloch liegen, in dem mangels anderer interessanter Nachrichten auch eigentlich Bekanntes noch einmal aufgekocht wird, wie an einer etwas rotzigen Haltung der Börsianer: Wenn er uns schon für dumm verkauft, dann soll er auch die Quittung dafür bekommen. Im Gegenzug wird ein neuer Vorstandschef, wer es auch werden mag, gleich eine Antrittsprämie in Form einer Kurserholung erhalten.

Mit dem eigentlichen Geschäft bei Siemens hat das wenig zu tun. Warum auch, an der Börse werden nicht Bilanzen geprüft, sondern Erwartungen gewichtet. Die daraus entstehenden Meinungen werden in Kursziele umgesetzt und dann den Kunden angeboten.

Steht Siemens damit vor einer Erholung, soll man kaufen? Oder heißt es eher: Siemens hat seine Probleme nicht in den Griff bekommen, also verkaufen? Beides kann richtig sein. Wovon sollen Anleger ausgehen? Am besten davon, dass Siemens ein Baustein in einem breit gestreuten Portfolio darstellt. Selbst ein großer Verlust der Siemens-Aktie bedeutet für das Gesamtportfolio nur einen minimalen Rücksetzer. Und eine tolle Erholung bedeutet auch nur ein kleines, wenngleich immer willkommenes Plus. Aus Trading-Gesichtspunkten könnte die Aktie also durchaus interessant sein. Innerhalb der strategischen Aufstellung hat sich durch den Management-Wechsel nichts geändert.

Obwohl: Wenn die Hitze des Sommers sich in Gewittern entlädt, ist das Ganze eigentlich meist sehr schnell vorbei. Bei Siemens könnte es allerdings deutlich länger dauern. Wenn ein Vorstandschef gegen den Aufsichtsratschef antritt, kann daraus schnell eine Schlammschlacht werden. Diese zu beobachten, verspricht ein interessantes Sommertheater. Und vielleicht noch viele weitere Ein- und Ausstiegskurse.

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