Head of Lipper EMEA Research
Detlef Glow, Head of Lipper EMEA Research, Mutual Funds and ETF Industry Expert.

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) waren in den letzten Jahren eine Erfolgsstory und obwohl die Marktbeobachter diesen Produkten positiv gegenüber stehen, erscheinen in den letzten Monaten immer mehr negative Kommentare  zu diesen Produkten. Genauer gesagt  zielt diese Kritik vor allem auf die neueste Generation von ETFs, die sogenannten Smart-Beta-ETFs. Da gerade zurzeit immer mehr Anleger ETFs für ihr Portfolio entdecken lohnt es sich, aus meiner Sicht, zu analysieren, was passiert ist und worum es bei diesen negativen Kommentaren geht.

Die Idee hinter den ETFs

Bei den meisten negativen Kommentaren geht es darum, dass die neue Generation der ETFs, die sogenannten Smart-Beta-ETFs den Kommentatoren zu komplex – und/oder zu teuer seien. Auch wird bemängelt das diese Produkte die Idee, die ursprünglich hinter ETFs steht, ad absurdum führen würden. Sollten diese Produkte doch einfach nur passiv einen Wertpapiermarkt abbilden und nicht versuchen durch aktives handeln Mehrerträge zu erzielen. Die Vorteile der passiven Geldanlage gründen sich auf eine Theorie der Nobelpreisträgers Eugene Fama, die vereinfacht dargestellt besagt, das die Wertpapiermärkte stets alle verfügbaren Informationen in den Preisen der einzelnen Wertpapiere widerspiegeln und somit kein aktiver Manager in der Lage sein dürfte die Märkte über einen langfristigen Zeitraum kontinuierlich zu schlagen.

Diese Theorie ist im Großen und Ganzen betrachtet sicherlich richtig und wird auch regelmäßig durch Marktuntersuchungen, bei denen die Wertentwicklung aktiver Fonds mit der ihrer Zielmärkte verglichen wird, bestätigt. Mit der Auflage der sogenannten Smart-Beta-ETFs ist eine Diskussion entbrannt, bei der den Anbietern von börsengehandelten Indexfonds vorgeworfen wird die Idee hinter ihren Produkten zu pervertieren. Dies geht meiner Meinung deutlich zu weit. Denn jeder der sich mit der Finanzmarkttheorie auseinandersetzt weiß, das die Märkte nicht so effizient sind wie Herr Fama dies in seiner Theorie annimmt. Es ist sogar noch schlimmer, so konnte in verschiedenen wissenschaftliche Studien nachweisen werden, dass es an den Wertpapiermärkten einzelne Faktoren gibt, mit denen ein Investor auf lange Sicht die Wertentwicklung eines herkömmlichen, also marktkapitalisierungsgewichteten Index, übertreffen kann, wenn er diese Faktoren systematisch nutzt.

Smart-Beta-ETFs im Fokus

So gesehen machen die neumodischen Smart-Beta-Produkte Sinn, auch wenn diese aufgrund der etwas umfassenderen Systematik bei der Indexzusammenstellung komplexer als andere ETFs sind. Allerdings sind einige Anbieter aus der  ETF-Industrie immer bestrebt, Investoren sehr innovative Produkte anzubieten und so sind die Produktentwickler darauf gekommen, einzelne Faktoren miteinander zu verbinden, um so die Nachteile, die das investieren nach einzelnen Faktoren mit sich bringt, auszugleichen. Diese so entstandenen Multi-Faktor-ETFs, sehen zwar auf den ersten Blick gut aus, aber ob sie zukünftig auch das halten können, was deren Marketing vollmundig verspricht, bleibt abzuwarten. Zudem muss ich den kritischen Marktbeobachtern an dieser Stelle bei ihren Kommentaren Recht geben, denn diese Produkte sind zum Teil hochkomplex und haben mit der urprünglichen Idee des ETFs nur noch bedingt etwas zu tun.

Was ist mit den Kosten?

Ein weiterer Kritikpunkt an den Smart-Beta-ETFs sind deren relativ hohen Gebühren. Während bei den ETFs auf marktkapitalisierungsgewichtete Indizes die Preise in vielen Fällen immer weiter sinken, verlangen die Anbieter bei Smart-Beta-ETFs deutlich höhere Gebühren. Die Anbieter begründen dies mit den höheren Kosten für das Research und die Entwicklung der jeweiligen Indizes, was so aus meiner Sicht auch richtig ist. Allerdings steigen die Kosten für das Research und Entwicklung nicht mit dem verwalteten Vermögen an und somit trifft diese Aussage  nur bedingt zu. Aus meiner Sicht werden sich Kosten bei Smart-Beta-ETFs zukünftig ähnlich entwickeln wie die Kosten bei den herkömmlichen ETFs, die in dem harten Wettbewerbsumfeld der Finanzmärkte teilweise um bis zu 90% gesunken sind. Im Umkehrschluss bedeutet dies, das die Anbieter im Moment versuchen einen Premiumaufschlag  für eine neue Produktkategorie zu vereinnahmen, der sich aber im Laufe der Zeit durch den harten Wettbewerb der Anbieter untereinander verflüchtigen wird, wodurch diese Produkte in der Zukunft sehr wahrscheinlich deutlich niedrigere Gebühren aufweisen werden. Man kann diesen Aufschlag auch mit dem Preis, den der Zuschauer für die Nutzung von Pay-TV  oder Streaming-Diensten zahlt, vergleichen. Wer solche Dienste nutzt, möchte Filme sehen wenn sie brandaktuell sind und nicht warten bis diese irgendwann im freien Fernsehen zu sehen sind.

Wenn die Wertentwicklung am Ende stimmt, waren die teureren Produkte zwar nicht preiswert, aber dennoch ihren Preis wert. Dementsprechend sollten Anleger die Wertentwicklung von Smart-Beta-ETFs sehr genau beobachten, um gegebenenfalls ein ungewöhnliches Performancemuster zu erkennen und entsprechend handeln zu können.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.