So können Anleger Finanzbetrüger entlarven

Viel Geld haben private Investoren verloren, die undurchsichtigen Finanzdienstleistern wie der Dresdner Infinus ihr Vermögen anvertraut haben. Wer sich Anlageprodukte und Dienstleister genau anschaut, kann unseriöse Praktiken und Finanzbetrüger erkennen, aber auch solide Anbieter finden. Klaus Hinkel, Vorstand der Düsseldorfer Vermögensverwaltungsgesellschaft Artus Asset Management, erklärt, worauf Anleger achten sollten.

Wie können Anleger auf Finanzbetrüger hereinfallen?

Windige Anbieter verkaufen den Anlegern häufig undurchsichtige Produkte des Grauen Marktes. Das heißt, für diese gelten nur geringe oder keine Regulierungsvorschriften. Doch selbst wenn diese Finanzprodukte gesetzlichen Mindestanforderungen genügen, ist der Investor vor Missbrauch nicht geschützt. Das Geld kann in dunklen Kanälen verschwinden, und plötzlich ist der Anbieter zahlungsunfähig.

 

Finanzbetrüger: Wie kann das passieren?

Die Versprechen dieser Finanzbetrüger deckt sich nicht mit der Realität. Vordergründig verwenden sie die Anlagegelder für die angegebenen Investitionen. Sie locken mit lukrativen Zinsen, verschweigen aber, dass mit höheren Renditen auch das Risiko zunimmt. Geblendete Anleger achten angesichts der versprochenen Erträge auch nicht auf die hohen Kosten der Produkte, zum Beispiel Provisionen aller Art. Die fließen oft in Schwester- und Tochterunternehmen desselben Verbundes. Was dort mit dem Geld geschehen kann, erfährt der geprellte Investor dann im Nachhinein, wenn er von luxuriösen Firmensitzen und -wagen, teuren Events oder astronomischen Gehältern hört. Für Zinsen und Rückzahlung der Anlagegelder bleibt dann nichts nur wenig übrig.

Welche Geldanlage-Geschäfte würden Sie allgemein als fragwürdig bezeichnen?

Vorsicht ist geboten, wenn ein Finanzdienstleister eine Namensschuldverschreibung auf das eigene Unternehmen herausgibt. Seriöse Anbieter tun das nicht. Denn damit verlagert sich das unternehmerische Risiko auf den Anleger. Dies gilt verstärkt bei Genussscheinen – hier zählt der Investor zu den letzten in der Kette, die im Insolvenzfall noch etwas von ihrem Kapital wiedersehen. Speziell bei Genussscheinen gibt es aber auch sehr gute Emissionen. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen ist jedoch sehr schwierig und nur für Profis möglich. Kritisch sollten Anleger auch reagieren, wenn ein Investment mit großem Marketingaufwand beworben wird. Dafür setzen seriöse Anbieter das Geld nicht ein. Generell warne ich vor nicht regulierten eigenen Finanzprodukten. Solide Angebote sind zudem an einer Börse notiert. So kann der Anleger selbst schon am Kurs sehen, wie es um sein Investment steht.

Wie finden Investoren einen guten Vermögensverwalter?

Ein wichtiges Kriterium ist die Mitgliedschaft im Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland. Der Verband achtet darauf, dass die Mitglieder einen guten Leumund haben. Schon aus eigenem Interesse geht er gegen schwarze Schafe vor.

Und wie sieht eine gute Geldanlage aus?

Für solide Anlageprodukte gibt es einen Emissionsprospekt, der das Investment und die Risiken genau beschreibt. Die Gesellschaften, die die Emission der Papiere begleiten, sollten sich durch Erfahrung ausweisen und eine Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) haben. Für das Wertpapier sollte es eine Bewertung durch eine anerkannte Ratingagentur geben. Zudem sollte die Wertentwicklung durch Finanzprofis überwacht werden. Und vor allem sollte das Papier an einem regulierten Markt, also einer bekannten Börse, notiert sein. Dann kann der Anleger selbst die Entwicklung beobachten und frühzeitig reagieren.

Was empfehlen Sie Ihren Kunden?

Wichtig ist es, die Risiken zu streuen. Dafür bieten sich Fonds an. Sie investieren in mehrere Wertpapiere. Je breiter das Depot aufgestellt ist, desto besser. Wir haben daher im vergangenen Jahr unsere Strategie erweitert und verteilen die Anlagegelder nicht nur auf die von uns aufgelegten Fonds, sondern nehmen zusätzlich bis zur Hälfte des Volumens andere Fonds dazu. Sie ergänzen unsere Anlageschwerpunkte und tragen so zu einer stabilen Wertentwicklung des Depots bei.

Zum Autor: Klaus Hinkel

So können Anleger Finanzbetrüger entlarvenKlaus Hinkel, Bankkaufmann und Vorstand bei der Düsseldorfer Artus Asset Management AG, hat seine Schwerpunkte auf die Themenfelder Kreditgeschäft, steuerorientierte Kapitalanlagen, Vermögensberatung und Beteiligungsgeschäft gelegt. Seine Expertise baute Hinkel unter anderem während einer langjährigen Tätigkeit als Abteilungsdirektor im Private Banking einer großen Düsseldorfer Privatbank aus. Er ist bei Artus Asset Management zudem für die Kundenakquisition und -betreuung zuständig.

 

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