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Stefan Wallrich: …but don’t forget to come back!

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Stefan Wallrich
Stefan Wallrich ist Vorstand der Wallrich Asset Management AG in Frankfurt/Main.

Sell in May and go away, but remember to come back in September.“ Was sich wie eine simple Bauernregel anhört, ist bei genauerer Betrachtung keineswegs von der Hand zu weisen.

Stefan Wallrich über diese alte Bauernregel

So zeigen empirische Untersuchungen immer wieder, dass sich die meisten Aktienmärkte im Spätsommer tendenziell tatsächlich schlechter entwickeln als während der übrigen Zeit des Jahres.
Bezogen auf den Deutschen Aktienindex waren der August und der September seit Indexnormierung auf 1.000 Punkte zum 31. Dezember 1987 mit einem durchschnittlichen Minus von 2,2 und 2,6 Prozent die mit Abstand schlechtesten Börsenmonate. Besonders gut entwickelt hat sich der DAX dagegen im April (plus 2,5 Prozent) sowie in den jeweils letzten Quartalen des Jahres mit durchschnittlichen Monatswerten von 2,4 bis 2,8 Prozent.
Worauf die stark divergierenden Ergebnisse in den verschiedenen Monaten zurückzuführen sind, lässt sich nicht eindeutig sagen. Ein Grund könnte das Anlageverhalten vieler institutioneller Investoren sein. So startet der Wettbewerb um eine möglichst gute Performance in jedem Börsenjahr aufs Neue.
Insbesondere kurz- und mittelfristig orientierte Fondsmanager und Portfolioverwalter versuchen, durch aggressive Käufe in den ersten Monaten einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz herauszuholen. Im weiteren Jahresverlauf und besonders zur Urlaubszeit nimmt die Risikobereitschaft kontinuierlich ab. Gewinne werden realisiert, Verkäufe setzen ein, rückläufige Kurse sind die Folge.
Viele Profis sind nun nicht mehr voll investiert, sodass gegen Ende des Jahres schon kleine Aufwärtsbewegungen des Marktes ausreichen, um die Investoren unter Zugzwang zu setzen und zu erneuten Käufen zu animieren. So zumindest die Theorie. Davon abgesehen kann inzwischen die sich selbst erfüllende Prophezeiung dazu führen, dass sich Anleger in den historisch betrachtet schlechten Monaten etwas stärker zurückhalten und Anfang Oktober wieder in den Markt einsteigen.
Auch wenn die Ergebnisse der Vergangenheit relativ eindeutig ausfallen (nur in drei Schlussquartalen seit 1988 kam es beim DAX zu einer negativen Performance), ist dies natürlich keine Garantie für steigende Aktienkurse in diesem Jahr. Dennoch kann es sicherlich nicht schaden, den zweiten Teil der besagten Börsenweisheit zum Anlass zu nehmen, die Aktienquote im Depot zu überprüfen und gegebenenfalls zu erhöhen. Dies gilt umso mehr, als die aktuellen Fundamentaldaten sowie die Börsenstimmung insgesamt positive Signale liefern.

Über den Autor

Stefan WallrichStefan Wallrich ist Vorstand der Wallrich Wolf Asset Management AG in Frankfurt/Main.
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