Stephan Albrech
Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln.

Zunehmend versprechen Robo-Advisors durch ausgeklügelte Algorithmen, die gleiche Leistung wie erfahrene Asset Manager aus Fleisch und Blut zu erbringen, das aber für weniger Geld. Doch bislang scheitert die vollmundige Ankündigung an der Realität.

Stephan Albrech sieht den Mensch im Vorteil

Die Welt am Sonntag hat jüngst untersuchen lassen, wie ausgewogene Depots traditioneller Fondsgesellschaften im Vergleich zu ausgesuchten Robo-Advisors während des Kurseinbruchs vom 24. Januar bis zum 9. Februar dieses Jahres abgeschnitten haben. In dieser Zeit tauchte der DAX um elf Prozent von 13.500 auf rund 12.000 Zähler ab. Ein ausgewogenes Depot aus Indexfonds (ETFs) mit 50 Prozent weltweit gestreuten Aktien und 50 Prozent ebensolcher Anleihen verlor in jenen drei Wochen knapp fünf Prozent und fing den herben Aktienverlust gut auf.

Das können die Robo-Advisors nicht unbedingt von sich sagen: Gleich drei Anbieter verloren deutlich mehr als das ETF-Depot. Der Marktführer Scalable Capital ( Zum Testbericht) büßte sogar über acht Prozent ein, während traditionelle Häuser von Union Investment bis DWS drei bis viereinhalb Prozent abgaben. Allerdings verwies man bei Scalable & Co. darauf, dass man sich nicht an solchen kurzen Fristen orientiere. Dummerweise liegen die Roboterstrategien des Unternehmens auch seit dem 1. Januar 2017 relativ weit hinten, wie die WamS vermerkt.

Dass der Mensch der Maschine überlegen ist, wäre ein vorschnelles Urteil. Doch ein paar Dinge lassen sich durchaus sagen:

Erstens: Ein starres Portfolio ohne die Möglichkeit von Eingriffen und ohne eine vernünftige Ausstiegsstrategie wird nicht dadurch besser, dass es von Computern statt von Menschen geführt wird. Dies ist das Dilemma aller Buy-and-Hold-Portfolios. Sie
sind stets investiert und fahren mit den wiederkehrenden Börsenzyklen komplett nach oben und nach unten. Obwohl es Kapital wie auch die Nerven schont, wenn man die Talfahrt durch frühzeitige Ausstiege verkürzt und erst bei neuen Aufwärtstrends einsteigt. Viele Modelle der Robo-Advisors sind jedoch starr, um die Kosten für die Anbieter zu reduzieren und die Marge hochzuhalten.

Zweitens: Dass die traditionell arbeitenden Geldmanager im obigen Beispiel die Roboter geschlagen haben, dürfte sie freuen, ist aber keine Garantie, dass solche Entscheidungen immer aufgehen. Im Gegenteil. Eine Fehleinschätzung der künftigen Entwicklung kann ordentlich ins Geld gehen. Es ist unseres Erachtens daher wenig sinnvoll, sich bei der Geldanlage nur auf das menschliche Urteil zu verlassen. Vielmehr braucht es Strategien, die in der Vergangenheit ihre langfristige Überlegenheit bewiesen haben.

Die Fragestellung „Ist der Mensch oder die Maschine der bessere Anleger?“ führt also in die Irre. Bessere Ergebnisse sollten möglich sein, wenn man die positiven Aspekte beider Ansätze verbindet.

Über den Autor

stefanalbrechetfStephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln.

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