Stephan Albrech
Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln.

Im Fokus von Presse und Anlegern stehen in aller Regel Aktien, Rohstoffe und Anleihen. Der Dollar findet nur wenig Beachtung, obwohl er entscheidenden Einfluss auf diese Anlageklassen hat. Jetzt stehen Greenback und Euro erneut an einem wichtigen Scheideweg – mit vermutlich gravierenden Folgen für DAX, Gold und Co!

Stephan Albrech über die Dollar-Baisse

Euro und Dollar bewegen sich in einem zyklischen Muster von etwa acht Jahren auf- und abwärts. Vor wenigen Monaten hat vermutlich eine erneute Aufwärtsphase des Euro begonnen. Dass der Devisenmarkt der Hund ist, der mit dem Aktien- sowie Rohstoffmarkt wedelt, steht außer Frage: An den Währungsmärkten werden weit größere Summen gehandelt als an allen anderen Börsen. Stellt sich die Frage: Welche Folgen hatten solche Schwächephasen des Dollars in der Vergangenheit auf Aktien, Rohstoffe und Edelmetalle? Und mit welcher Entwicklung müssen wir demzufolge in den kommenden Jahren vermutlich rechnen?

Aktienmärkte: Der Blick auf den Deutschen Aktienindex (DAX) und den Euro Stoxx 50 verheißt nichts viel Gutes für die kommenden Jahre. In Phasen der Euro-Stärke – also von 1985 bis 1992 sowie von 2001 bis 2008 – kamen die Indizes unterm Strich kaum vorwärts. Dafür strapazierten sie die Anlegernerven durch erhebliche Kursverluste massiv. In Zeiten der Dollar-Stärke indes vervielfachte sich der deutsche Leitindex. So wie Anfang der 1980er-Jahre, von 1992 bis 2000 sowie von 2009 bis 2017!

Gold/Rohstoffe: Gold legte in den Phasen eines schwachen Dollars (1985 bis 1992 sowie 2001 bis 2008) spürbar zu. Während das Edelmetall von 1985 bis 1993 nur auf ein eher bescheidenes Plus von 42 Prozent kam – damals herrschte tendenziell ein Abwärtstrend –, vervierfachte sich sein Wert von 2001 bis März 2008. Noch in guter Erinnerung dürfte die Rallye beim Erdöl von 2000 bis 2008 sein, an die sich mit dem Beginn der Finanzkrise ein massiver Preisverfall anschloss. Da Edelmetalle und Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, führt ein schwächerer Dollar stets zu einem höheren Dollar-Preis dieser Güter. Euro-Anleger haben davon nur etwas, wenn ihr Preis stärker steigt, als der Euro gegenüber dem Dollar zulegt – was meist der Fall ist.

Anleihen: Bei deutschen Staatsanleihen ergibt sich aus unserer Sicht kein so eindeutiges Bild wie bei Rohstoffen. Gleichwohl haben die Festverzinslichen in den Phasen eines starken Dollars hübsche Kursgewinne verzeichnet. War hingegen der Euro stark, gab es bei den Anleihen keine klaren Trends.

Fazit: Sollten wir mit unserer Vermutungrecht behalten, dass der Euro in den nächsten Jahren gegenüber dem Dollar Stärke zeigen wird, dürften klassische Buy-and-Hold-Portfolios mit Aktien und Anleihen nur wenig Freude machen. Gute Aussichten auf kräftige Kursgewinne würden sich indes bei Edelmetallen und Rohstoffen bieten.

Über den Autor

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln.

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