Stephan Witt
Stephan Witt ist Kapitalmarktstratege der FiNUM.Private Finance AG in Berlin.

In der schnellen und hektischen Welt der Börsen und Märkte den Überblick zu behalten, kann oftmals eine schwere Aufgabe sein. Anleger haben die Wahl aus unzähligen Aktien, Anleihen, Fonds und Zertifikaten. Dabei keinen Fehler zu begehen, ist so gut wie unmöglich. Doch wenn sich Anleger an einfache Grundprinzipien halten, können sie den größten Fehlern aus dem Weg gehen, so Stephan Witt.

Stephan Witt über die typischen Fehler der Anleger

An erster Stelle steht da ein ausreichender Grad an Diversifizierung. Viele Anleger investieren ihr Vermögen zu einseitig und erleiden dadurch erheblich Verluste, wenn die investierte Branche in Schieflage gerät. Zu unterscheiden ist dabei die horizontale und vertikale Streuung.

Die horizontale Diversifikation bedeutet, dass Anleger nicht zu viel Anteil des Depots in eine Assetklasse investieren sollten. Wenn etwa das Portfolio komplett aus Aktien besteht, sind Verluste fast vorprogrammiert.

Ein häufigeres Problem: Der größte Teil des Vermögens wird auf einem Tagesgeldkonto geparkt. Gerade in Deutschland wollen Sparer meist zu sicher und liquide anlegen und dies dann auf Kosten der Rendite. Ratsam ist es eher, etwa drei Monatseinkommen liquide zu halten und den Rest in ein breites Spektrum zu investieren. Mehr als 30 Prozent sollte keine Assetklasse in einem ausgewogenen Portfolio besitzen.

Die vertikale Diversifizierung beschreibt die Anlage in verschiedene Branchen einer Assetklasse. So ist eine Mischung aus Anleihen, Aktien und Fonds ebenfalls nicht ratsam, wenn diese alle im selben Wirtschaftszweig angesiedelt sind. Eine gute Mischung, etwa von Banken, Automobilhersteller, Pharmaunternehmen und Industrie, ist da eher zu empfehlen.

Ein weiterer Fehler folgt dem Motto: „Hin und her macht Taschen leer“. Viele verkaufen zu früh und investieren dann oftmals zu hastig und unüberlegt. Nach wie vor ist es am wichtigsten, sich vor der Geldanlage über die eigenen Kenntnisse/Fähigkeiten und Ziele klar zu werden. Darauf aufbauend sollte man eine klare Strategie erstellen, der man dann folgt. Angefeuert von den kurzfristigen Erfolgen, wollen viele Anleger dann noch mehr erreichen und verpassen dadurch den optimalen Zeitpunkt zum Ausstieg. Oftmals ignoriert man dann die negativen Resultate und fokussiert sich fast nur auf die positiven. Auch ist es für den einen oder anderen Anleger manchmal schwer, sich seinen eigenen Fehler einzugestehen. Wer an der Börse auf lange Sicht Erfolg haben möchte, kommt also ohne eine gute Portion Disziplin kaum aus.

In letzter Zeit locken vor allem viele Start-ups mit astronomischen Renditen. Natürlich bieten kleinere Unternehmen oder Start-ups bessere Wachstumschancen, als das bei größeren Unternehmen der Fall ist. Diese können viel schneller expandieren und durch das Wissen der anderen Unternehmen sehr schnell aufholen. Doch Sparer sollten nie vergessen, dass erhöhte Renditechancen auch immer mit höherem Risiko verbunden sind. Aber als Diversifizierung für das Portfolio können sich Start-up Anteile durchaus anbieten.

Über den Autor

Stephan WittStephan Witt ist Kapitalmarktstratege bei der FiNUM.Private Finance AG in Berlin.
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