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Stillhalter profitieren immer

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Stillhalter profitieren immer

Wer den Aktienkursen nicht hinterher laufen will, kann sich mit gedeckten Put- Optionen auf die Lauer legen, um Aktien nach Kursrückgängen günstig zu kaufen. Geht dieses Kalkül nicht auf, werden die sogenannten Stillhalter zumindest mit satten Prämien belohnt – und das garantiert! Die Möglichkeiten erläutert Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung.

Ein Beispiel zu Beginn

Beispiele illustrieren am besten, wie diese Stillhalter-Geschäfte funktionieren. Nehmen wir BASF. Die Aktie notiert aktuell bei 68 Euro. Anleger, die vom Geschäft des deutschen Chemiekonzerns überzeugt sind, die Aktie aber günstiger kaufen wollen, können eine sogenannte Put-Option über die Terminbörse verkaufen und so Stillhalter werden.

 

 

Im Gegenzug erwirbt der Käufer der Option das Recht, bis zum Verfalltermin der Option 100 BASF- Aktien pro Option an den Stillhalter zu veräußern. Für dieses Recht kassiert der Stillhalter sofort bei Geschäftsabschluss eine Prämie.

Konkret: Anleger A will für die BASF-Aktie maximal 60 Euro ausgeben und verkauft eine Put-Option über 100 Aktien an Investor B mit diesem Schwellenwert, der Basispreis genannt wird. Für die Gewährung dieses Rechts erhält A umgehend eine „Stillhalter-Prämie“ von 3,10 Euro pro Aktie. Dieses Geld hat er auf jeden Fall sicher. Um für die Andienung der 100 BASF-Aktien bei 60 Euro gewappnet zu sein, muss er für die Dauer Laufzeit der Option 6.000 Euro liquide halten, denn nur dann handelt es sich um eine gedeckte Option.

Das bedeutet: Anleger A bekommt umgehend 310 Euro vor Kosten und damit 5,2 Prozent auf das bereit zu haltende Kapital. Da die Option kein ganzes Jahr, sondern in diesem Beispiel sieben Monate läuft, beträgt die annualisierte Rendite sogar knapp neun Prozent. Diese Rendite verbucht A, wenn die Aktie nicht unter 60 Euro fällt. Tritt dieser Fall jedoch ein, wird B ihm die 100 Aktien andienen. Damit erhält A die Papiere faktisch aber zum Preis von 56,90 Euro, denn er kann die Stillhalter-Prämie von seinem Einkaufspreis bei 60 Euro abziehen.

Der Stillhalter profitiert

Wie auch immer sich die Kurse nach dem Verkauf der Put-Option entwickeln: Der Anleger, der vom fundamentalen Wert eines Unternehmens überzeugt ist, profitiert in beiden Szenarien. Entweder kassiert er eine Prämie, die der Rendite von Hochzinsanleihen entspricht, aber im Gegensatz dazu nicht dieses Risiko mit sich bringt, oder er kauft die Unternehmensbeteiligung mit einem erheblichen Abschlag auf den aktuellen Kurs. Banken bieten den hier beschriebenen Effekt in Form von Discountzertifikaten an. Doch anders als beim eigenhändigen Verkauf der Put-Option über die Terminbörse trägt der Anleger in diesem Fall zusätzlich das Emittentenrisiko und profitiert (in aller Regel) hier auch nicht von den Dividenden.

Um sich als Stillhalter günstig in Aktien einzukaufen, bedarf es zweierlei: Einerseits einer klaren Meinung zum Unternehmen, die auf fundamentalen Fakten gründet, andererseits der sogenannten Termingeschäftsfähigkeit. Diese Einstufung können Anleger bei ihrer Depotbank beantragen. Wer sich entschließt, zum Stillhalter zu werden, sollte unbedingt dafür sorgen, dass alle Put-Optionen gedeckt sind. In anderen Worten: Anleger, die sich mit dem Verkauf von Put-Optionen auf die Lauer legen, müssen stets so viel Geld liquide halten, dass sie alle Verpflichtungen aus den Stillhaltergeschäften erfüllen könnten. Alles andere ist in hohem Maße fahrlässig.

Stephan Albrech
Stephan Albrech

 

 

 

 

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