Mimar Kemaleddin auf dem 20 Lira-Schein.
Mimar Kemaleddin auf dem 20 Lira-Schein.

Seit Jahresanfang hat die türkische Landeswährung mehr als vierzig Prozent ihres Wertes eingebüßt. Ein Ende des Abwärtsstrudels ist nicht erkennbar. Was ausländische Touristen in der Türkei freuen dürfte, die mit harten Devisen auf Schnäppchenjagd gehen, sorgt bei den Finanzmärkten für Verunsicherung. Manche fürchten bereits ein zweites Griechenland. Diese Sorge scheint jedoch unbegründet.

Investoren verlieren vertrauen in Türkei

Ausschlaggebend für die negative Entwicklung ist in erster Linie nicht eine kriselnde türkische Wirtschaft, sondern vielmehr das massiv schwindende Vertrauen ausländischer Investoren in das Land und seine Regierung. Befeuert wird die Sorge durch den verbalen Schlagabtausch und Drohszenarien zwischen dem amerikanischen und dem türkischen Präsidenten. In den letzten Tagen gerieten europäische Banken in diesen Sog und mussten deutliche Kursverluste verbuchen. Ebenso wurden die Schwellenländer in pauschale Sippenhaft genommen.

Viele Experten halten die Reaktionen für übertrieben. Zwar liegt der Anteil ausländischer Kredite in der Türkei bei rund 60 Prozent. Allerdings beträgt die gesamte öffentliche Verschuldung nur 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Von dieser Quote können unsere europäischen Nachbarn, vor allem Italien mit einer Verschuldungsquote von 130 Prozent zum BIP, nur träumen.

Aufgrund des schon seit Längerem hohen Zinsniveaus in der Türkei haben sich viele türkische Unternehmen bei europäischen Banken verschuldet, um von deren historisch tiefen Zinsen zu profitieren. Da die laufenden Zins- und Tilgungsraten in Euro zu begleichen sind, trifft der Währungsverfall diese Kreditnehmer natürlich mit voller Wucht. Zahlungsausfälle dürften vorprogrammiert sein.

Dass dieser Aspekt Auslöser für eine neue europäische Bankenkrise sein könnte, sehen Ökonomen nicht. Das Kreditengagement konzentriert sich auf Banken aus Spanien, Frankreich und Italien. Die deutschen Banken, deren Gesamtengagement die Deutsche Bundesbank auf rund 21 Milliarden Euro beziffert, sind hiervon kaum betroffen. Dafür könnten Turbulenzen vor allem im ohnehin maroden italienischen Bankensystem verheerende Folgen haben.

Mit einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von 900 Milliarden Dollar macht die Türkei rund ein Prozent der Weltwirtschaft aus. Die Krise dürfte daher keine großen Auswirkungen auf die globale Ökonomie haben. Doch sie produziert das, was Finanzmärkte nicht mögen: Unsicherheit.

Über den Autor

Markus RichertMarkus Richert, Finanzplaner bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.