Die Dax-Familie ordnet sich neu. Technologiewerte wie die Deutsche Telekom, aber auch SAP können nun auch in den TecDax einziehen.
Die Dax-Familie ordnet sich neu. Technologiewerte wie die Deutsche Telekom, aber auch SAP können nun auch in den TecDax einziehen.

30 Jahre nach Einführung des Deutschen Aktienindexes Dax ordnet die Deutsche Börse die Dax-Familie Ende September neu. Technologiewerte wie Telekom und SAP können nun auch in den TecDax einziehen. Anleger sollten sich rechtzeitig positionieren.

Änderungen in der Dax-Familie

Bisher galt an der Deutschen Börse der Grundsatz, dass ein Unternehmen nur in einem Aktienindex gelistet sein darf. Wer in den Dax und seine kleineren Geschwister MDax und SDax aufgenommen werden wollte, musste sich für einen Index entscheiden. Ab September nähert sich die Deutsche Börse den amerikanischen Gepflogenheiten an, wo Unternehmen gleichzeitig in mehreren Indizes gelistet sein können. So sind etwa Apple, Amazon, Alphabet, Facebook und Microsoft im Index Nasdaq Composite gelistet, der den Schwerpunkt auf den Technologiesektor legt. Apple und Microsoft findet man aber ebenso im Dow Jones Index wieder, der die dreißig wertvollsten börsennotierten Unternehmen der USA beinhaltet, sowie im S&P 500, der die fünfhundert größten Unternehmen der USA abbildet. Hier gesellen sich Facebook, Amazon und Alphabet wieder dazu.

Nach Umsetzung der neuen Regularien wird es ähnliche Konstellationen in der deutschen Indexwelt geben. Aller Voraussicht werden neben der Deutschen Telekom, die Aktien der Dax-Unternehmen SAP und Infineon sowohl im Dax als auch im TecDax gelistet sein.

Im Gegenzug werden einzelne Unternehmen aus dem TecDax gleichzeitig im M- oder SDax gehandelt werden. Damit ist eine Erhöhung der Titelanzahl beim MDax von 50 auf 60 und beim SDax von 50 auf 70 vorgesehen. Nur beim Flaggschiff Dax bleibt, was die Anzahl der Titel angeht, alles beim Alten.

Die Frage ist, welche Vor- oder Nachteile diese Neustrukturierung für Anleger hat. Wer bevorzugt in aktive Fonds investiert, den wird die neue Regelung nicht berühren, da die Fondsmanager eher selten einen gesamten Index kaufen, sondern primär einzelne Titel, die sie für aussichtsreich halten.

Für Liebhaber von ETFs, also den passiven, sich an Indizes orientierenden Fonds, gibt es allerdings deutliche Auswirkungen. Der TecDax wird durch die voraussichtliche Aufnahme der Dax-Werte Deutsche Telekom, SAP und Infineon weniger schwankungsanfällig, könnte aber durch diese Schwergewichte an Dynamik verlieren. Anleger, die den M- oder SDax favorisieren, müssen mit einer höheren Beimischung von Technologieaktien rechnen und hinterfragen, ob das noch zu ihrer gewählten Anlagestrategie passt.

Generell sorgen Neuaufnahmen von Aktien in einen Index dafür, dass professionelle Investoren, die in ihrer Allokation bestimmte Bereiche abdecken wollen, diese Titel zukaufen. Nicht zu vergessen die passiven ETF-Produkte, die einen Index eins zu eins abzubilden und damit verpflichtet sind, die neuen Kandidaten zu erwerben. Das Gegenteil gilt für die Titel, die einen Index verlassen müssen und dann von den Investoren emotionslos verkauft werden. Beides hat in der Regel erhebliche Einflüsse auf die Kursentwicklung dieser Aktien.

Über den Autor

Ralph RickasselRalph Rickassel, Vermögensberater bei der PMP Vermögensmanagment in Düsseldorf.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.