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Und wenn die Zinsen niedrig bleiben?

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In den vergangenen Monaten wurde wiederholt ein Ausstieg der US-Notenbank aus der Politik des billigen Geldes proklamiert. Anleihekurse, Fremdwährungskurse und Aktienkurse gaben gleichermaßen nach.

Die demografische Alterung der Gesellschaft in nahezu allen Industrieländern spricht jedoch dafür, dass die Zinsen niedrig bleiben.

Nicht nur, dass die designierte US-Notenbankchefin Janet Yellen als geldpolitische Taube gehandelt wird und daher der Spitzname „Schrecken der Kleinanleger“ durchaus seine Berechtigung hat. Vor allem aber wird von vielen Ökonomen der über zwanzig Jahre währende Zinsverfall mit der demografischen Entwicklung in den Industrieländern erklärt.

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Hubert Thaler 

Das momentane Durchschnittsalter von 44 Jahren in Deutschland wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Damit verändern sich die Prioritäten. Junge Familien tendieren eher dazu ein Haus über einen Immobilienkredit zu finanzieren und so die Nachfrage nach Krediten, dem Pendant des Sparens, hochzuhalten. Je näher die Sparer an den Ruhestand heranrücken, desto stärker steigt häufig das Bedürfnis, den Anteil sicherer Anlagen zu erhöhen. Insgesamt verschiebt sich so die Nachfrage nach festen Zahlungsversprechen nach oben, während die Nachfrage nach Krediten abnimmt, mit entsprechenden Folgen für den Preis, sprich den Zinssatz.

Diese Situation kann letztlich auf globaler Ebene nur aufgebrochen werden, wenn die jungen aufstrebenden Volkswirtschaften, die sogenannten Emerging Markets, für Zinssparer interessant werden. Die Voraussetzungen sind jedoch vielfach nur unzureichend gegeben. Eine unabhängige Notenbank, die auf die Währungsstabilität achtet, klare Eigentumsrechte, eine berechenbare Politik und Justiz sowie freie Währungskonvertibilität sind nur einige Bruchstellen.

Deshalb sollten Anleger weiter den Schwerpunkt auf bewährte Gefilde setzen. Um dem realen Kapitalverlust ein Schnippchen zu schlagen, sollten Aktien und aktiennahe Anlagen stärker in den Fokus genommen werden. Der Sprung erfordert angesichts täglich schwankender Preise Mut. Aus einer Substanzbetrachtung heraus sind Aktienunternehmen aber mit das Werthaltigste, dass der Anlagemarkt zu bieten hat. Kaum ein Anleger, auch Stiftungen und Pensionskassen, müssen eine Aktienquote am Gesamtvermögen von 20 Prozent scheuen.

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