Uwe Eilers
Uwe Eilers ist Vorstand der Geneon Vermögensmanagment AG in Königstein im Taunus. © geneon-vermoegen.de

Immobilien werden als Betongold bezeichnet. Schließlich wird davon ausgegangen, dass der Wert dauerhaft stabil bleibt oder langfristig sogar steigt. Das gilt seit Jahrzehnten und Jahrhunderten. Doch es muss nicht so bleiben.

Uwe Eilers über Immobilien

Die Entwicklung der Bevölkerung hat die Nachfrage nach Wohnraum immer weiter steigen lassen. Diese steigende Nachfrage sorgte bis heute in vielen Gegenden Deutschlands für steigende Preise. Dabei sind bereits Entwicklungen erkennbar, die Warnsignale geben und bemerkt werden sollten.

Die Immobilienmärkte, allen voran Wohnimmobilien, sind in Deutschland bereits seit der Wiedervereinigung stark in Bewegung. Die demografische Entwicklung wird seit einigen Jahren immer spürbarer in ländlichen Regionen, beispielsweise in Nordhessen, in der Eifel, im Westerwald. Dort sind Immobilien kaum noch zu verkaufen. Was nützt ein billiges Haus, wenn man keine Arbeit findet.

In Ostdeutschland werden ganze ländliche Landstriche entvölkert, da gerade die jüngeren Bewohner in die Städte und nach Westdeutschland ziehen, um Arbeit zu suchen. In vielen ostdeutschen Städten mussten ganze Plattenbau-Siedlungen abgerissen werden, um eine Bildung von Elendsquartieren mit immensen Leerständen zu verhindern.

Aufgrund der Zuwanderung durch die Flüchtlingswelle wurde der Trend vor zwei Jahren zunächst gestoppt. Allerdings müssten nach Schätzungen etwa 400.000 bis 500.000 Menschen pro Jahr zuwandern, um die demografische Lücke zu schließen. Dies scheint, auch aufgrund der veränderten politischen Lage, in nächster Zeit unrealistisch. Somit ist zu erwarten, dass im Laufe der Zeit die Leerstandsraten wieder ansteigen werden. Großstädte sind davon zunächst nicht betroffen, da deren Anziehungskraft nach wie vor groß ist.

Dennoch wird es auch in den Ballungsräumen Anzeichen der Sättigung geben. Schließlich werden ganze Stadtteile aus dem Boden gestampft, weitere sind in Planung. Das Angebot, vor allem an hochwertigem Wohnraum steigt stetig. Wie lange der Nachfrageüberhang anhält, ist schwer abzuschätzen.

Der wesentliche kurzfristige Risikofaktor ist allerdings nicht die Demografie, sondern der Zins, der von Draghis Gnaden bislang auf Tiefstständen gehalten wird. Nur läuft die Wirtschaft immer besser und auch die Inflationsraten nähern sich der Zielgröße der EZB von zwei Prozent. Es ist also gut möglich, dass die Zinsen langsam nach oben gehen.

Zinssteigerungen sind allerdings Gift für jeden Haus- und Wohnungskäufer. Schließlich wird die Finanzierung damit deutlich teurer. Teurere Finanzierungen werden zwangsläufig zu niedrigeren Gebäudepreisen führen, damit diese weiterhin erschwinglich sind.

Immobilien eignen sich aus vorgenannten Gründen aktuell nur sehr bedingt für die Kapitalanlage. Haus- und Wohnungspreise sind auf Höchstniveau und das langfristige Risiko ist die Demografie, das kurz- bis mittelfristige Risiko sind spürbare Zinssteigerungen. Beide Gefahren werden aktuell wesentlich unterschätzt, da auch wenig alternative Anlagemöglichkeiten gesehen werden. Aus dem Grund rate ich von Käufen von Immobilien zur Kapitalanlage ab.

Über den Autor

Uwe Eilers ist Geschäftsführer der FV Frankfurter Vermögen GmbH in Königstein im Taunus.
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