Uwe Eilers
Uwe Eilers ist Vorstand der Geneon Vermögensmanagment AG in Königstein im Taunus. © geneon-vermoegen.de

Mittelständischen Aktiengesellschaften wachsen langfristig deutlich schneller als die DAX-Konzerne. Sie sind häufiger Ziel von strategischen und Private Equity Investoren, was meist mit steigenden Kursen verbunden ist. Zudem gibt es viele unentdeckte Perlen. Darum ist das Segment für Privatanleger so interessant.

Uwe Eilers beleuchtet die Attraktivität mittelständischer Unternehmen

Der deutsche Mittelstand besteht oft aus hoch spezialisierten Unternehmen, die globale Marktführer sind. Viele sind an der Börse attraktiv bewertet – teilweise mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis zwischen zehn und 15. Oft sind diese sogenannten Small Caps auch noch verlässliche Dividendenzahler mit einer guten Dividendenrendite. Das ist gerade in der aktuellen Zeit extrem niedriger Anleiherenditen attraktiv. So wirft zum Beispiel eine Dürr-Anleihe mit Laufzeit bis 2021 gerade einmal 0,6 Prozent Rendite ab. Die Dividendenrendite beträgt dagegen 2,1 Prozent. Ähnlich bei Hornbach Baumarkt: Die Anleihe mit Laufzeit bis 2020 bietet 0,7 Prozent, die Dividendenrendite beträgt 2,3 Prozent.

Unternehmen in einer Restrukturierungsphase sind ebenfalls für langfristig agierende Investoren überaus interessant. Im Vergleich zu Großkonzernen lassen sich Strategieänderungen wesentlich schneller realisieren. Nicht selten wird die komplette Führungsriege ausgetauscht, um die Gesellschaft neu aufzustellen. In solchen Restrukturierungsphasen werden die Weichen für die Zukunft eines angeschlagenen Unternehmens neu gestellt. Ein Beispiel für eine nachhaltige und gelungene Restrukturierung könnte SGL Carbon werden.

Einige Mittelständler sind über die Jahre in unterschiedlichste Richtungen gewachsen. So bildeten sich vereinzelt Gemischtwarenläden, die Geschäftsbereiche wenig fokussiert unter einem Dach vereinen. Aufgrund der breiten Diversifikation ist es für das Management schwierig, alle Geschäftsfelder erfolgreich voranzubringen. Solche Unternehmen sind das Ziel sogenannter aktivistischer Investoren. Die GEA AG hat aktuell beispielsweise einen Investor, der die Gesellschaft aufsplitten und dadurch einen deutlichen Mehrwert heben möchte. Ob dies von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten.

Ein Aspekt, der gerade den kleinen Aktiengesellschaften einen besonderen Renditehebel verschafft, ist der Fakt, dass mittelständische Unternehmen deutlich weniger von Analysten beobachtet werden. Die meisten bewerten die größeren Unternehmen. Dabei lassen sie sich schlicht von wirtschaftlichen Überlegungen leiten. Denn in diesem Segment gibt es viel mehr Nachfrage nach Unternehmensbewertungen.

Dagegen führen Werte aus dem SDAX und TECDAX oftmals ein Schattendasein. Nur wenige Analysten und eine überschaubare Anzahl von Fondsmanagern beschäftigten sich überhaupt mit diesen Mittelständlern. Aus diesem Grund können relevante Entwicklungen schnell übersehen werden. Das führt manchmal zu Unterbewertungen. Die Kursabschläge auf den fairen Wert liegen nicht selten bei 30 bis 40 Prozent. Bei Aktiengesellschaften, die gar nicht in den genannten Indizes enthalten sind, können diese noch gravierender sein.

Über den Autor

uweeilersetfUwe Eilers, Geschäftsführer der FV Frankfurter Vermögen GmbH in Königstein im Taunus.