Uwe Zimmer
Uwe Zimmer, Geschäftsführender Gesellschafter bei der z-invest GmbH in Köln.

Rekordhoch und Spaltung, Hype und Ernüchterung: Mit Bitcoins wird es nie langweilig. Trotzdem ist es für die Kryptowährung an der Zeit, erwachsen zu werden. Entweder gelingt das in den kommenden Monaten oder wir sehen das Ende des Bitcoin-Hypes, so Uwe Zimmer.

Uwe Zimmer über die Möglichkeiten des Bitcoin

Mit einem Preis von mehr als 11.000 Dollar je Bitcoin hat die Cyberwährung gezeigt, wie attraktiv sie ist. Denn nur eine enorme Nachfrage kann eine solche Steigerung rechtfertigen. Zur Attraktivität gesellt sich aber hohe Volatilität. Mitte November sackte der Kurs binnen weniger Tage von 7.300 Dollar auf 5.700 Dollar ab. Das Problem beim Bitcoin ist, dass niemand weiß, was er wirklich wert ist. Es steht kein Staat mit einer funktionierenden Volkswirtschaft dahinter. Es steht kein Sachwert dahinter, wie etwa beim Gold. Getragen wird der Bitcoin nur von einer anonymen Community, die das System am Laufen hält. Je mehr mitmachen, desto sicherer ist es.

Wenn sich die handelnden Personen jedoch nicht einig sind, wird es schwierig. Weil die Technologie kaum noch mit den Anforderungen an das Transaktionsvolumen und damit an die Geschwindigkeit mithalten kann, gibt es Streit unter den Bitcoinern. In der Folge spaltete sich die Währung. Ein neuer Zweig entstand mit höherer Kapazität in der Technologie, aber mit geringerer Akzeptanz.

Bitcoin durchläuft also gerade die Phase der Pubertät. Kurz vor dem Erwachsenwerden wird alles an Kapriolen gezeigt, was geht. Wenn man als Investor sicher sein könnte, dass auf die lustvolle Halbstarkenphase das gediegene Alter folgt, wäre alles gut. So sicher ist das aber nicht. Zum einen gibt es keinen eingefahrenen Lebenszyklus für Kryptowährungen. Zum anderen ist Streit nie gut fürs Geschäft.

Geschäfte mit Bitcoins wollen viele machen. Banken und Vermögensverwalter springen auf den Zug auf. Es wird abgeleitete Produkte wie Futures geben und irgendwann kommt ein ETF auf Bitcoins. Das wäre ein Schritt in Richtung Solidität, denn dann wäre mit der Währung auch eine Verantwortung verbunden.

Es besteht aber die Gefahr, dass die Community diese Verantwortung nicht tragen möchte. Dass sie nicht im Mainstream ankommen und eine normale Finanzinstitution werden will. Die Frage ist, ob die Entscheidung noch bei der ursprünglichen Community liegt. Lange schon handelt es sich nicht mehr nur um Nerds, die an ihren Rechnern Bitcoin schürfen. Die starken Kurssteigerungen sind ein Zeichen dafür, dass die großen Akteure das Spielfeld betreten haben.

Je mehr der etablierten Spieler aber einsteigen, desto normaler wird das Bitcoin-Geschehen. Für die Bitcoins heißt das: mehr Stabilität, weniger Volatilität. Das sollte der Sache dienlich sein.

Über den Autor

Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Fundamental Capital GmbH in Willich.
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