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Versorger oder Versager?

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Lange haftete den großen Versorgern das Etikett „langweilig“ an. Diese Zeiten sind vorbei.

Kaum eine Branche fuhr in den vergangenen Monaten stärker Achterbahn, kaum eine kam stärker unter die Räder. Abschreiben sollte man die Versorger trotzdem nicht.

Für die Versorger gab es eine heile Welt. Sie betrieben Kraftwerke und Leitungen, verkauften Strom, Gas, Wasser oder Telefon und ließen es sich als gefühlt halbstaatliche Unternehmen gut gehen. Die Zeiten sind natürlich lange vorbei. Gemerkt haben es die Unternehmen und ihre Aktionäre aber wieder einmal in aller Heftigkeit in den vergangenen Wochen und Monaten.

Vor allem RWE und Eon hat es gebeutelt, die Kurse wurden so nach unten geprügelt, dass jeder kommunale

uwezimmerneu 

Uwe Zimmer

Merido Vermögens-

verwaltung AG

 

Kämmerer froh ist, der sein RWE-Paket beizeiten zur Schuldentilgung verkauft hat. Denn die alten Kurse sehen wir so schnell nicht wieder.

Nun war die Branche ja vor allem dafür bekannt, in Berlin und Brüssel solide Lobbyarbeit zu betreiben, welche die eigenen Pfründe auf Dauer sichern sollte. Das gelang zum letzten Mal bei der Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke. Danach hagelte es Kaufempfehlungen, denn das war Geld ohne Gegenleistung, also reiner Gewinn. Dann kamen Fukushima, die Energiewende und ein paar hausgemachte Probleme und schon sieht die Welt ganz anders aus.

Das heißt aber nicht, dass man die Branche abschreiben sollte. Vielleicht sogar im Gegenteil. Denn unter Druck fangen manche Manager erst an, kreativ zu werden, Neues zu wagen und ein paar lieb gewonnene Gewohnheiten abzulegen. Die Energiewende bietet neben den bekannten – und eingepreisten – Risiken auch Chancen. Hier ist den großen Konzernen durchaus zuzutrauen, dass sie sich so positionieren, dass sie in einigen Jahren wieder zu den Gewinnern zählen. Es wird ihnen dabei der stetige Cashflow zugutekommen, den sie weiterhin mit ihrem Geschäft erzielen und der in fast keiner anderen Branche so zu haben ist.

Zudem sind die Kurse so nach unten gerauscht, dass ausländische Investoren aufmerksam werden. Entweder strategische, die sich jetzt billig Zugang zum deutschen Markt kaufen können. Oder einfach Finanzinvestoren, die von einer gegenläufigen Bewegung ausgehen. Insgesamt sind deutsche Versorger also durchaus eine Problemposition im Depot, zumindest für denjenigen, der sie schon länger hat. Ein Neueinstieg jetzt könnte allerdings lohnen.

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