Vereinzelt akzeptieren Online-Händler bereits heute Kryptowährungen.
Vereinzelt akzeptieren Online-Händler bereits heute Kryptowährungen.

Als Währungen der Zukunft sind vor allem Kryptowährungen im Gespräch. Sie werden heute vor allem als eine Option wahrgenommen, sein Geld zu investieren und auf Wertgewinne zu hoffen. Doch die Idee hinter Währungen wie Bitcoin oder Litecoin war zunächst, diese als digitale Zahlungsmittel zu nutzen. Dafür ist jedoch ein gewisses Maß an Vertrauen aller Marktteilnehmer erforderlich. Nur wenn alle Beteiligten die neuen Währungen als solche akzeptieren, kann sich daraus auch ein neues Zahlungsmittel entwickeln. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, was Kryptowährungen heute bereits können und welche Möglichkeiten sich in Zukunft noch ergeben könnten.

Die Art zu bezahlen hat sich bereits in den letzten Jahren erheblich verändert – doch wie könnte sich dieser Markt weiterentwickeln? Quelle: ra2 studio – 206655165 / Fotolia.com
Die Art zu bezahlen hat sich bereits in den letzten Jahren erheblich verändert – doch wie könnte sich dieser Markt weiterentwickeln? Quelle: ra2 studio – 206655165 / Fotolia.com

Kryptowährungen – Hype oder Zahlungsmittel?

In Zukunft zirkuliert Geld nur noch virtuell. Diese Vorstellung haben zumindest einige Enthusiasten und setzen auf die Verbreitung digitaler Währungen. Im Jahr 2017 dürften viele Verbraucher zum ersten Mal so richtig auf Kryptowährungen aufmerksam geworden sein. Sie sind quasi über Nacht zu Stars geworden – allen voran der Bitcoin (BTC). Dessen Konzept basiert auf einer Idee, Geld von der Macht der Zentralbanken zu lösen, Inflation (also die Geldentwertung) zu vermeiden und die Währung fälschungssicher werden zu lassen.

Kryptowährungen haben zwar einen Hype ausgelöst, viele Verbraucher verstehen aber nicht, was konkret dahintersteckt. Im Kern geht es bei der Idee um eine neue Währung, die losgelöst von den Zwängen der bisher bekannten Währungssysteme existiert.

Wesentliche Komponenten des Konzepts sind:

  • Dezentralität
  • Fälschungssicherheit
  • Endlichkeit

Nachdem die Kryptowährungen 2017 ins Schlaglicht getreten sind haben sie sich explosionsartig vermehrt. Insiderportale beziffern deren Zahl inzwischen auf über 1.400 Stück – Tendenz steigend. Entstanden ist das breite Interesse an den Digitalwährung vor allem aufgrund des rapiden Kurszuwachses. Innerhalb weniger Monate hat sich der Wert vertausendfacht. Das beste Beispiel hierfür ist der Bitcoin. Die Kursschwankungen innerhalb kurzer Zeiten sind riesig. Bislang sind die digitalen Währungen deshalb eher im Fokus als Anlageobjekt, denn als Zahlungsmittel.

Kryptowährungen sind kein reguläres Zahlungsmittel

Die Entwicklung zum Jahreswechsel 2017/2018 offenbart auch eine Schwäche der Kryptowährungen. Ihnen fehlt der intrinsische Wert. Wie viel Kryptowährungen kosten, hängt allein vom Vertrauen ab, das „Investoren“ in die Währungen haben. Mitte Juli 2018 steht der BTC wieder bei etwas über 6.000 Euro – etwa die Hälfte des Werts wie zu Jahresbeginn.

Um sich auf lange Sicht durchzusetzen und vielleicht irgendwann doch einmal zu einem Zahlungsmittel zu werden, müssen die digitalen Währungen eine wichtige Hürde meistern. Bisher sind sie kein reguläres Zahlungsmittel. Lediglich durch das Vertrauen, welches den einzelnen Coins entgegengebracht wird, ist ein „Tausch“ über spezielle Handelsplätze in echte Währungen möglich. Zu den Herausforderungen gehört auch die Art und Weise, wie die Kryptowährungen in der Praxis entstehen.

Das Problem: Die Anerkennung durch die Marktteilnehmer

Die ursprüngliche Idee, die digitalen Währungen für Bezahlvorgänge im Internet zu nutzen, ist bis heute nur in geringem Maßstab umgesetzt worden. Nur wenige Dienstleister und Händler akzeptieren die Kryptowährungen als virtuelles Zahlungsmittel. Solang nur wenige mit dem elektronischen Geld arbeiten, fällt eine weitere Verbreitung schwer.

Auch wenn sich die Lage in Bezug auf die Akzeptanz von Kryptowährungen wie Bitcoin schon deutlich verbessert hat, erkennen immer noch zu wenige Marktteilnehmer diese als Zahlungsmittel an. Dazu kommt, dass auch Verbraucher den neuen Währungen noch skeptisch gegenüberstehen. Laut einer Civey-Umfrage aus dem Jahr 2017 gehen immer noch drei Viertel aller Verbraucher davon aus, künftig eher nicht auf Kryptowährungen zu setzen.

Bezahlen mit Kryptowährungen – in Zukunft Wallet statt Girocard?

Dabei ist das Bezahlen mit Kryptowährungen von der Konstruktion her denkbar einfach. Im Normalfall befinden sich die Coins (Bitcoins oder andere Kryptowährungen) in einer digitalen Brieftasche (Wallet), die das Guthaben anzeigt. Akzeptiert nun ein Händler die entsprechende Kryptowährung als Zahlungsmittel, veranlasst der Käufer eines Produkts oder einer Dienstleistung eine Überweisung von seinem Wallet zum Wallet des Händlers.

Gerade bei Blockchain-basierten Kryptowährungen kann eine Übertragung etwas Zeit in Anspruch nehmen, da aus Gründen der Sicherheit immer die komplette Blockchain übertragen wird. Mittlerweile soll es zudem bereits Plastikkarten mit Mikrochip geben, auf die sich wie bei einer Kreditkarte oder EC-Karte ein Krypto-Guthaben aufladen und entsprechend ausgeben lässt.

Doch vor allem Zahlungen im internationalen Raum können durch die Kryptowährungen beschleunigt werden. Statt mehrerer Tage, bis das Geld auf einer Bank im Ausland gutgeschrieben ist, kann der Empfänger dann schon innerhalb weniger Stunden über den Betrag verfügen.

Weitere Entwicklungen im Bereich der Bezahlung mit Kryptowährungen

Bezahlen in der Zukunft wird sehr stark vom bargeldlosen Zahlungsverkehr beeinflusst. Ein Aspekt, der heute in einigen wenigen Ländern bereits zur klar definierten Agenda führt, Bargeld in der bestehenden Form abzuschaffen. Ein Paradebeispiel hierfür ist – auf europäischer Ebene – Schweden. In dem skandinavischen Land ist die Förderung des bargeldlosen Zahlens erklärtes Ziel. Aber: Die Probleme, welche damit im Zusammenhang stehen, werden auch in Schweden allmählich offensichtlich. Es droht die Gefahr, nichttechnisierte Gruppen an den Rand zu drängen.

Beeinflusst wird die Entwicklung sicher auch durch die zunehmende Verbreitung der Maschine zu Maschine Kommunikation. Im IOT (Internet of Things) kommt es auf einen schnellen Befehls- und Ressourcenaustausch an. Hier ist der Transfer bzw. die Bestätigung mit Tokens (in Form einer Kryptowährung) mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zukunft. Mit der Kryptowährung IOTA existiert bereits ein entsprechendes Beispiel.

E-Wallets und Kryptowährungen könnten ein Ansatz für die Zukunft des Bezahlens sein – doch noch ist nicht klar, ob sich solche Ersatzwährungen durchsetzen.
E-Wallets und Kryptowährungen könnten ein Ansatz für die Zukunft des Bezahlens sein – doch noch ist nicht klar, ob sich solche Ersatzwährungen durchsetzen. Quelle: elenabsl – 184344043 / Fotolia.com

Investieren in Kryptowährungen – auch mit ETF’s möglich?

Mittlerweile gibt es zudem verschiedene Möglichkeiten, in Kryptowährungen zu investieren:

  • Direkter Währungskauf: Sehr häufig wird heute nach wie vor der direkte Kauf der jeweiligen Währung vollzogen. Dies funktioniert über unterschiedliche Krypto-Marktplätze, die wie Börsen die jeweiligen Währungen zum Tageskurs anbieten. Mitunter lassen sich ausgefallenere Währungen jedoch nicht direkt mit Euro oder Dollar kaufen, sondern der Anleger muss zunächst Euro in Bitcoin tauschen und kann erst über diesen Umweg eine andere Kryptowährung kaufen.
  • CFDs:  CFDs haben sich zusätzlich als interessante Anlagemöglichkeit etabliert. Die Finanzderivate lassen sich per Hebel mit sehr lukrativen Renditen ausstatten, bringen jedoch auch ein enormes Verlustrisiko mit sich.
  • Futures: Seit Dezember 2017 können an der Chicagoer Börse auch Bitcoin Futures gehandelt werden. Diese sollen laut Expertenmeinung jedoch nicht unwesentlich zum Kurscrash beigetragen haben, weil viele Profi-Anleger auf fallende Kurse gesetzt haben.

Natürlich stellt sich die Frage, ob es nicht eventuell auch börsengehandelte Fonds (ETFs) für den Bereich der Kryptowährungen geben können. Ein entsprechender Index wurde zum Beispiel von LIMEYARD ins Leben gerufen. Der LIMEYARD Crypto Asset Index (LYCAI) enthält dabei 20 verschiedene Kryptowährungen in unterschiedlicher Gewichtung. Mit dabei sind alle Schwergewichte aus diesem Bereich wie zum Beispiel:

  • Bitcoin
  • Ethereum
  • Ripple
  • Bitcoin-Cash
  • EOS
  • Litecoin
  • IOTA

Diesbezüglich wären künftig sicher entsprechende Fondsprodukte denkbar. Um reine Bitcoin-ETFs wird in den USA hingegen noch gerungen. In einem ersten Anlauf wurden diese nicht genehmigt. Doch am 10. August 2018 erfolgt ein neuer Anlauf, denn dann entscheidet die SEC erneut über die Zulassung von Bitcoin-ETF. Es dürfte in diesem Bereich also nach wie vor spannend bleiben.

Fazit: Bezahlen löst sich vom Bargeld

Wie lange wird es noch Bargeld geben? Diese Frage stellen sich inzwischen nicht nur IT-Insider oder Notenbanker. Die Debatte ums Bargeld und den Zahlungsverkehr ohne Banknoten oder Münzen ist inzwischen auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Während einige Stimmen die Vorteile in den Vordergrund rücken, weisen Kritiker auf die Hürden und Nachteile hin. Niemand möchte letztlich eine komplette staatliche Überwachung über alle getätigten Zahlungen.

Kryptowährungen könnten hier einige Probleme lösen, die herkömmliche Währungen bisher mit sich bringen. Durch Verschlüsselungen ist es hier durchaus möglich, eigene Zahlungen vor unerwünschten Blicken zu verschleiern. Mit der richtigen technischen Umsetzung bieten Kryptowährungen zudem weitere Vorteile, denn sie sind verhältnismäßig fälschungssicher und sie werden dezentral gesteuert, was Manipulationen vorbeugt.

Aktuell ist es jedoch noch nicht so weit, dass Kryptowährungen tatsächlich als vollwertiges Zahlungsmittel akzeptiert werden. Dafür setzen noch zu wenig Marktteilnehmer ihr Vertrauen in diese Art des Bezahlens. Als Geldanlage haben Kryptowährungen hingegen jetzt schon Geschichte geschrieben. Das Aufkommen von ETFs in diesem Bereich könnte dem Ganzen noch einmal eine deutlich stärkere Dynamik geben.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.