Warum Anleger auf Gold und Staatsanleihen setzen sollten
Es mehren sich die Zeichen, dass die Aktienhausse vor einer Verschnaufpause steht.

Es mehren sich die Zeichen, dass die Aktienhausse in den USA vor einer Verschnaufpause steht, die mehrere Monate dauern könnte. Ob die Investoren stattdessen auf europäische Aktien setzen, ist fraglich. Zumindest bis zur Wahl in Frankreich dürften Gold sowie deutsche und US-Staatsanleihen die besseren Karten haben.

Es gibt an der Börse wenige Anlagestrategien, die den Test der Zeit bestehen. Dazu gehören zwei Zyklenmodelle, die in den 1980er-Jahren entdeckt wurden: die saisonale Strategie und der US-Präsidentschaftszyklus. Der erste Zyklus besagt, dass Aktien, je nach Index, ab Oktober/November bis Mai/Juni in aller Regel ihre beste Zeit haben – der zweite Zyklus, dass die US-Börse in Vorwahl- und in Wahljahren in der Regel die größten Zuwächse erzielt. Im Umkehrschluss heißt das: Von Mai/Juni bis September/Oktober schwächeln US-Aktien, ebenso in Nachwahljahren.

Interessanterweise nähern wir uns nun dem Schnittpunkt dieser recht zuverlässigen Zyklen, womit sich das Risiko von Gegenwind an der US-Börse erhöht. Dazu tragen auch die relativ hohe Bewertung des dortigen Aktienmarkts sowie mögliche Enttäuschungen bei, falls Trumps unternehmerfreundliche Pläne scheitern. Last, but not least ist zu bedenken, dass der S&P 500 als Maßstab für den breiten US-Aktienmarkt seit November sehr gut gelaufen ist. Letzteres spricht zwar für die Fortsetzung des Aufwärtstrends, doch falls nicht neue positive Überraschungen nachkommen, besteht die Gefahr, dass langsam der Brennstoff für weitere Käufe ausgeht.

Eine solche positive Nachricht könnte die Niederlage des Front National bei den Präsidentschaftswahlen im April/Mai sein – gefolgt von einem klaren Bekenntnis zentraler EU-Staaten zum Projekt Europa. Gut möglich, dass dann internationale Anleger, die in Europa unterinvestiert sind, eine Kaufwelle bei europäischen Aktien starten und so die Performancelücke zu den US-Märkten verkleinern. Zu wünschen wäre es! Möglich ist aber auch, dass Le Pen gewinnt, die Unsicherheit nach Europa zurückkehrt und wir eine neue Eurokrise erleben. Dann könnte es ungemütlich werden. Zur Erinnerung: In der ersten Krise im Jahr 2011 verlor der Euro Stoxx 50 zeitweise bis zu 30 Prozent.

Gold und Staatsanleihen zur Diversifikation

Es wäre schlicht verantwortungslos, auf den einen oder den anderen Ausgang der Wahlen zu wetten und sich demgemäß zu positionieren. Vielmehr ist es 2017 wichtiger denn je, den Großteil des Vermögens strategisch zu diversifizieren. Dazu gehören aus unserer Sicht neben Aktien aus allen Weltregionen das kaum noch beachtete Gold sowie die viel gescholtenen Staatsanleihen. Die Kurse für langfristige Anleihen werden in den kommenden Wochen und Monaten aller Voraussicht nach steigen und im Gegenzug die Zinsen dieser Papiere sinken – nicht umgekehrt, wie oft behauptet.

Gleiches gilt für Gold, das von einem sinkenden Realzins profitiert. Auch hier zeigt der Blick auf den Chart, dass das Edelmetall in näherer Zukunft wahrscheinlich weiter zulegen wird. Da beide Anlageklassen von Juli bis Dezember 2016 einen satten Ausverkauf erlebt haben, ist klar, dass sie im längerfristigen Kontext eher unter- als überbewertet sind. Wir rechnen bis in den Spätsommer mit (stärker) schwankenden Aktienmärkten auf der einen und Zugewinnen bei Gold sowie Anleihen auf der anderen Seite.

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Zum Autor: Stephan Albrecht

Goldminenaktien: Schon 30 Prozent Plus seit JahresbeginnStephan Albrecht ist Vorstand der Albrecht & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln. Seit 1996 betreut Stephan Albrecht als unabhängiger Vermögensverwalter überwiegend private und institutionelle Kunden in Deutschland und im europäischen Ausland. Zuvor absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Kölner Bank von 1867 und war mehrere Jahre als Vermögensberater aktiv.

 

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Markus Kubesch absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studiert Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2017 ist er im Redaktionsteam des EXtra-Magazins beschäftigt.