Wein als Kapitalanlage
Christian Fischl, Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH

Anleger schauen sich zunehmend nach Alternativen zu Aktien, Anleihen und Edelmetallen um – das ist in Zeiten nicht vorhandener Zinsen und fragiler Kapitalmärkte kein Wunder. Ein Spezialthema und teilweise richtig lukrative Geldanlage in den vergangenen Jahren war Wein. Was Sie bei Wein als Kapitalanlage wissen müssen.

Immer mehr Investoren investieren in Wein, um von hohen Wertsteigerungsraten zu profitieren. Schließlich können Anleger mit exklusiven Jahrgängen bekannter Weingüter mehr Rendite erzielen als mit dem Sparbuch oder anderen festverzinslichen Anlagen. Und nicht wenige halten edle Rebensäfte für eine interessante Alternative zum Aktienmarkt, da die Renditen sich ähneln, der Preis aber weitaus weniger schwankt.

Wein als Kapitalanlage – Grundsätzlich nur Bordeaux relevant

Vor einer Einkaufstour sollten Neulinge am Markt jedoch unbedingt möglichst viel Wissen über die internationale Weinwelt sammeln. Nur maximal zwei Prozent aller Weine eignen sich überhaupt als Investment, wobei Rebensäfte aus dem Supermarkt komplett ausscheiden. Das Zauberwort für die Auswahl lautet Bordeaux. Denn: Obwohl auch in Australien, Chile, Südafrika und in den USA immer mehr Winzer Auszeichnungen gewinnen und durch innovative Methoden von sich reden machen, haben es bislang nur Weine aus der südwestfranzösischen Stadt in den Anlegerolymp geschafft.

Der Weinmarkt ist sehr transparent und auch für Laien ohne großen Aufwand zu durchschauen. Ähnlich wie beim Whisky gibt es ein etabliertes Bewertungssystem, das jedem Produkt eine Punktzahl zuordnet. Für ein Investment eignen sich grundsätzlich nur Rotweine aus Bordeaux, die eine Mindestbewertung von 80 Punkten aufweisen und sieben bis zehn Jahre gereift sind. Für Privatanleger ist der Kauf von hochwertigem Wein bei autorisierten Fachhändlern und bei renommierten Auktionshäusern wie Christie’s und Sotheby’s am sinnvollsten.

Jedoch steigt nicht jede gute Flasche im Preis – und wie bei anderen Sammlerobjekten gibt es keine Garantie, jederzeit einen Käufer zu finden. Außerdem wird, im Gegensatz zu Auto-Oldtimern oder seltener Kunst, jedes Jahr neuer Wein hergestellt. Sind die neuen Abfüllungen besser als die alten oder entwickelt sich ein Jahrgang in der Lagerung schlechter als erwartet, können die Preise auch fallen. Nicht zu vergessen: Wenn bedeutende Weinkritiker wie Robert Parker ihre Bewertungen anpassen, kann das die Preise spürbar beeinflussen.

Wein als Statussymbol einer wachsenden Mittelschicht

Anleger sollten beachten, dass die starke Nachfrage aus Russland und China in den vergangenen Jahren stark auf die Preise eingewirkt hat, denn in vielen Schwellenländern wird Wein trinken zum Statussymbol einer wachsenden Mittelschicht. Auch wenn der Wert von Weinen sich stetiger und zuverlässiger als Aktien oder andere Wertpapiere entwickelt, ist dies keine Garantie, dass die Preise nur nach oben gehen: Zum einen ist der weltweite Weinverbrauch, ähnlich wie der Tabakkonsum, rückläufig – zum anderen kann die Nachfrage nach dem edlen Getränk bei schweren Wirtschaftskrisen deutlich zurückgehen.

Deshalb gilt bei Wein als Kapitalanlage: Man sollte nur so viel investieren, dass man sich wohlfühlt und Schwankungen kein Kopfweh bzw. keinen Kater verursachen. Wein ist durchaus ein sehr interessantes, aber auch komplexes Thema – und man sollte sich immer überlegen, ob man sein Hobby tatsächlich zum Beruf machen will.

Christian Fischl ist Geschäftsführer der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.