Wein
Rainer Beckmann ist Geschäftsführer der ficon Börsebius Invest GmbH in Düsseldorf. / © ficon

Spitzenweine erreichen mittlerweile Spitzenpreise. Wer Zeit hat, die Wertentwicklung abzuwarten, kann traumhafte Renditen erzielen.

Ich kann mich sehr gut an meinen ersten Kauf von roten Bordeaux-Weinen im Jahr 1983 erinnern. Der zur Subskription anstehende Jahrgang 1982 war als Jahrhundertwein beschrieben. Wie mir mein damaliger Ratgeber empfahl, kauft man am besten nur die erste Reihe, sprich: Premier Gran Cru. Ich breche meine diversen Käufe auf ein Beispiel herunter: Chateau Lafite Premier Gran Cru Classé. Der Preis lag bei Subskription, die Lieferung erfolgte etwa zwei Jahre später, die Bezahlung erfolgte sofort, bei 84 D-Mark oder umgerechnet etwa 42 Euro. Dieser Wein wird heute im Handel für gut 4.000 Euro die Flasche angeboten. Das ist eine stattliche Rendite von rund 10.000 Prozent. Aber man musste auch 34 Jahre warten können. Ich hatte Ende der 90er Jahre genug verdient und verkaufte die Kiste Wein für einen Preis von etwa 800 Euro pro Flasche.

Solche Preissteigerungen sind meiner Erfahrung nach heute kaum noch realisierbar. Die Preise haben so stark angezogen, dass bei sehr guten Jahrgängen schon im Vorfeld Preise von über 1.000 Euro aufgerufen werden.

Solche Blue Chip Weine sind immer die großen Franzosen gewesen. Hierbei sind es die Bordeaux Rotweine der Premier Grand Cru Lagen von Chateau Lafite Rothschild sowie der Mouton Rothschild, Chateau Margaux, Chateau Petrus, Le Pin, Latour, Haut Brion.

Im Burgund stechen die ganz großen Namen der Domaine Romanee Conti mit ihren diversen Spitzenweinen wie der Romanée Conti, der La Tache sowie der Richebourg hervor. Die muss man einfach besitzen, wenn es darum geht, an den großen Preissteigerungen teilhaben zu dürfen.

Viele Weinliebhaber sind inzwischen aber weg von den viel zu teuren Bordeaux- und Burgunderweinen mit Subskriptionspreisen von teilweise weit über 1.000 Euro und haben sich interessanten Alternativen in Italien und Spanien sowie in den USA und Australien zugewandt.

Denn auch Weine anderer Länder gehören seit Jahren zu den Outperformern. Hier sind die Australier mit dem Pernfolds Grange vertreten, die Italiener mit den Topweinen Sassicaia, Ornellaia, Tignanello, Solaia oder Masseto. Auf der anderen Seite sind es die international sehr anerkannten Lagen der Brunelli di Montalcino.

Gerade auch die spanischen Rotweine sind sehr stark auf dem Vormarsch. Hier lauten die Spitzenprodukte Terreus, Pingus und Flor de Pingus, Alion, Mauro, Vega Sicilia Unico und der Valbueno sowie Spitzenweine wie der L´Ermitage, der Toro Wein Alabaster oder der Ribera de Duero Clos Erasmus.

Der Kultwein aus Kalifornien ist der Opus No 1, ein Joint Venture von Robert Mondavi und der Familie Rothschild im Napa Valley.

Wer auf eine überproportionale Preisentwicklung setzt, muss auf zwei Dinge achten: Zum einen auf den Jahrgang und die speziellen Einzellagen, die sich als besonders gute Weine in ihrer Lage in einem Einzeljahrgang herausgestellt haben. Zum anderen auf das Urteil des Weinpapstes Robert Parker. Seine 100 Punkte sind die Krönung eines absoluten Spitzenweines. Ohne das Urteil dieses Kritikers verläuft die spätere Entwicklung eines besonderen Weines in der Regel schlechter. Neben Parker haben sich je nach Land aber auch andere Weinkritiker einen exzellenten Ruf erworben. Die Preise laufen halt besser, wenn die entsprechenden Punktzahlen von den Auguren verteilt worden sind.

Dennoch kommt natürlich auch vor, dass ein zuvor hochgelobter Jahrgang zu schnell seinen Höhepunkt überschreitet und qualitativ abbaut. Das führt dann nicht mehr zu weiteren Preissteigerungen.

Zudem muss man Zeit haben. Preisentwicklungen ziehen sich teilweise über 30 Jahre. Absoluten Raritäten sind auch schon mal 50 Jahre und länger im Besitz eines Weinkenners, bevor sie verkauft werden. Dafür können die ganz großen Lagen Kurse von über 10.000 Euro erreichen. Beispiele sind die berühmten Jahrgänge von 1945, 1947 oder die Jahrgänge 1961 und 1982. Zuletzt wurde der Bordeauxjahrgang 2009 als neuer Jahrhundert-, gar als Jahrtausendjahrgang beschrieben. Mal sehen, was daraus wird.

Wer mit etwas mehr Sicherheit spekulieren möchte, sollte sich in die Hände eines Weinfonds begeben. Damit ist zumindest das Problem der perfekten Lagerung gelöst. Alle Spitzenweine benötigen erstklassige Bedingungen, wie die richtigen Böden, die optimalen Temperaturen und Feuchtigkeit.

Gute Weine, ob rote oder weiße, als Kapitalanlage zu erwerben, ist also generell möglich. Zuallererst sollte jedoch der eigene Trinkgenuss im Vordergrund stehen. Wer macht schon mal eben zum Abendessen oder zum Freundesbesuch eine Flasche Chateau Lafite oder Petrus Jahrgang 1982 im Wert von über 3.000 Euro auf.

Den meisten Spaß macht es, Weine zu erschwinglichen Preisen im Bereich von 20 bis 50 Euro zu erwerben und diese selbst zu trinken. Hier haben sich die Qualitäten sukzessive deutlich nach oben geschoben. Dann sollte man noch den unentdeckten Wein dabei haben, der sich preislich überproportional nach oben entwickelt.

Interessieren könnte Sie auch unser Artikel Wein als Kapitalanlage: Das Zauberwort lautet Bordeaux.

WeinRainer Beckmann ist Geschäftsführer der ficon Börsebius Invest GmbH in Düsseldorf.

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.