Weltrekord in Venezuela
Unsere Einschätzung: Venezuela ist ein Extrembeispiel für einen Börsen-Underdog, der wider aller wirtschaftlichen Prognosen glänzt.

Über 300 Prozent Plus in einem Jahr! Unglaublich aber wahr: Der Börsenindex in Caracas hat letztes Jahr alle anderen Aktienmärkte weit überflügelt. Umso erstaunlicher ist das, weil eigentlich gibt es über Venezuela nichts Positives zu berichten.

Die Wirtschaft in dem südamerikanischen Land steckt das dritte Jahr in Folge in einer Rezession. Um ganze zehn Prozent könnte die Wirtschaft dieses Jahr schrumpfen. In den Supermärkten fehlen Alltagsartikel. Haupteinnahmequelle Venezuelas ist der Ölexport, aber Öl bringt immer weniger ein pro Fass. Der Dollar ist auf dem Schwarzmarkt 140-mal so viel wert wie zum offiziellen Wechselkurs. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die Inflation dieses Jahr 160 Prozent betragen könnte.

Doch gerade das Chaos, das nach 16 Jahren linkspopulistischer Regierungen in der Wirtschaftspolitik herrscht, ist der Grund für den fulminanten Börsenboom: Wegen der Flucht in Sachwerte ist der Immobilienmarkt völlig überhitzt. Der Aktienmarkt in Caracas ist für viele Investoren und Unternehmen eine der wenigen Möglichkeiten, ihre Ersparnisse vor dem Wertverfall zu retten.

An der Börse haben die Investoren keine große Auswahl: Nur noch 15 Unternehmen sind gelistet, nachdem die linken Regierungen fast alle börsennotierten Unternehmen verstaatlicht haben. Wegen der geringen Marktkapitalisierung kann die venezuelische Börse deshalb schon bei geringem Kaufvolumen rekordverdächtig zulegen.

Ausländische Anleger müssen sich keine Sorgen machen, etwas zu verpassen, denn es gibt schlichtweg keine Möglichkeit, in venezuelische Aktien zu investieren. Keines der Unternehmen hat seine Aktien als American Depositary Receipt (ADR) an der Börse in New York gelistet. Die Regierung hat das verboten, um die Umgehung von Devisenkontrollen zu vermeiden.

Unsere Einschätzung: Venezuela ist ein Extrembeispiel für einen Börsen-Underdog, der wider aller wirtschaftlichen Prognosen glänzt. Ähnliche Fälle gab es in Argentinien und in der Ukraine. Auch wenn diese Länder für Ausländer nicht investierbar sind, zeigt es doch, dass antizyklisches Investieren belohnt werden kann.

Dr. Marc-Oliver Lux ist Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner GmbH in München.

 

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