Anlagebetrug
Anlagebetrug ist aktuell leider immer noch ein Problem - Was können Anleger tun?

Gerade technische Unternehmen kennen die Probleme. Sie entwickeln etwas, doch schon bevor sie den Prototyp vorzeigen können, hat die Konkurrenz einen solchen vorgestellt. Natürlich einen, der rein zufällig dem eigenen Modell sehr ähnlich ist. Private – aber auch professionelle – Anleger kennen zwar nicht dieses Problem, doch auch sie verlieren häufig Geld, indem sie in Projekte investieren, die allerhöchstens auf dem Papier bestehen. Bei beiden Fällen handelt es sich um eine Betrugsform und Diebstahl. Die Wirtschaftsspionage ist für Unternehmen eine große Gefahr, während der Anlagebetrug in der Vergangenheit viele Privatleute um ihr Vermögen gebracht hat. Nur, wie können diese Delikte überhaupt aufgeklärt oder, noch besser, vermieden werden? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Wirtschaftsspionage – Ablauf und Gegenmaßnahmen

Die Wirtschaftsspionage ist ein heikles Thema. Allein in Baden-Württemberg entsteht jährlich ein Schaden von über acht Milliarden Euro, weil Daten, Baupläne und wichtige Unternehmensdaten gestohlen werden. Waren hierfür früher noch Spione direkt im Unternehmen tätig und haben Baupläne kopiert, geht die Wirtschaftsspionage heute ganz anders vonstatten:

  • Hacker – ein kleines Programm genügt, um die wichtigsten Firmendaten und Projekte zu erhalten. Professionelle Hackergruppen aus Asien oder auch Russland haben sich hierauf spezialisiert und greifen Unternehmen gezielt an. Oft genügt schon ein einziger Mitarbeiter, der unbedarft einen E-Mail-Anhang öffnet, um den Angriff in die Wege zu leiten.
  • Clouds – viele Unternehmen arbeiten mit Clouddiensten. Hier achten sie aber nicht immer auf die Sicherheit des Anbieters, ebenso sichern sie die eingestellten Daten nicht ausreichend ab. Hackern kann es so mühelos gelingen, die Daten einfach von dem Server zu kopieren und zu verkaufen.
  • Meetings – Meetings finden vermehrt virtuell statt. Da aus der reinen Telefonkonferenz heute ein Multimediaprojekt geworden ist, haben Angreifer auch hier die Chance, während der Konferenz vorgestellte Projekte und Daten zu kopieren.

Sind Daten erst einmal gestohlen worden oder ist ein Konkurrent zufällig tätig geworden, muss ein Unternehmer natürlich beweisen, dass es sich um Wirtschaftsspionage handelt. An dieser Stelle geht es nicht mehr um die bloße Vermeidung der Spionage, sondern um Kostenausgleich und Schadenersatz. Sämtliche weiteren Schritte beschäftigen sich dann mit der tatsächlichen Vermeidung zukünftiger Probleme:

  • Detektei – hier geht es um die hochdiskrete Beweisführung und das lückenlose aufklären, wie die Daten überhaupt in die falschen Hände gelangen konnten. Waren Hacker am Werk oder arbeitet ein Angestellter gleichzeitig für die Konkurrenz? Das ganze erfolgt natürlich so, dass zunächst niemand davon etwas mitbekommt.
  • Rechtsanwalt – hat das Unternehmen den Verdacht, dass der Konkurrent ein Produkt aufgrund eines gestohlenen Bauplans entwickelt hat, sollte immer ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden.
  • Polizei – in Absprache mit dem Rechtsbeistand wird dann Anzeige erstattet, sofern die Reputation des geschädigten Unternehmens dies zulässt.
  • IT-Sicherheit – das gesamte IT-System muss geprüft und verbessert werden. Manchmal beschäftigen sich die Technischen Abschirmdienste von Detekteien gleichfalls mit der IT-Sicherheit. Die Sicherheitsmaßnahmen dürfen nichts unberücksichtigt lassen.

Natürlich ist auch eine Schulung der Mitarbeiter notwendig. Oftmals geraten Daten aus Versehen in die falschen Hände, weil den Mitarbeitern überhaupt nicht bewusst ist, wie angreifbar sie sich machen. Gerade die Nutzung von öffentlichen WLAN-Spots mit dem Unternehmenslaptop oder Telefonkonferenzen über ungesicherte Internetleitungen sind eine große Gefahr.

Anlagebetrug – Ablauf und Gegenmaßnahmen

Während die Wirtschaftsspionage Unternehmer belastet, geht vom Anlagebetrug eine direkte Gefahr für Privatpersonen aus. Und zwar von zwei Seiten: Investieren sie selbst in ein Betrugsprojekt, verlieren sie direkt Geld. Investiert jedoch eine öffentliche Versicherung oder auch ein Kreditinstitut in ein Betrugsprojekt, verlieren Privatpersonen indirekt Geld, indem sie über Beiträge oder auch über Steuern für den Schaden aufkommen müssen. Der Anlagebetrug ist daher ebenso gefährlich, wie die Wirtschaftsspionage. Nur, was kann Anlagebetrug sein? Ein Überblick:

  • Immobilienprojekte – viele Anleger investieren in Immobilienprojekte. Beim Anlagebetrug handelt es sich jedoch um ein rein fiktives Projekt, das natürlich niemals umgesetzt werden wird. Oft befinden sich die angeblich geplanten Immobilien im Ausland oder auch in deutschen Metropolen.
  • Fonds – das können die unterschiedlichsten Angebote sein. Sie haben jedoch eines gemeinsam: Die Rendite geht einzig und allein aufs Konto des Betrügers.

Oftmals wird beim Anlagebetrug mit dem Schneeballsystem gearbeitet. In diesem Fall kann sich sogar der Anleger an sich strafbar machen, wenn auch er an dem System teilnimmt und wieder neue Anleger findet.

Und was kann ein Anleger unternehmen, wenn er einen Anlagebetrug vermutet? Ganz einfach:

  • Polizei – im ersten Schritt sollte immer Anzeige erstattet werden. Dazu benötigt der Anleger sämtliche Unterlagen, die er über das Projekt hat.
  • Geld zurückfordern – manchmal hat ein Anleger noch Glück und kann das Geld zurückfordern. Das geht insbesondere bei Lastschriften und Bankeinzügen. Ansonsten sollte das eigene Konto für Abbuchungen des Anlagebetrügers gesperrt werden.
  • Detektive – gerade bei Anlageprojekten, die im Schneeballsystem betrügen, ist es schwer, die wirklichen Hintermänner ausfindig zu machen. Hierbei kann eine Detektei helfen. Gleichfalls ist ein Detektiv hilfreich, wenn es noch darum geht, herauszufinden, ob es sich bei der Anlage um Betrug handelt.

Worauf Anleger achten sollten

Gerade für Kleinanleger ist es oft zu spät, sobald sie auf den Betrug hereingefallen sind. Es sollte daher verhindert werden, überhaupt auf solche Angebote hineinzufallen. Oftmals lassen sie sich sogar erkennen:

  • Hohe Rendite – ist die versprochene Rendite extrem hoch und bietet kein anderes, bekanntes Unternehmen diese Rendite, ist Vorsicht geboten.
  • Druck – gerade Anlageprodukte, deren Betrugsmasche auf dem Schneeballsystem basiert, werden mit Druck an den Kunden gebracht. Sobald ein Anbieter hartnäckig versucht, neue Anleger zu gewinnen, sie gar am Telefon oder in Form eines Mittelsmanns bedroht, darf der nächste Weg nur noch zur Polizei führen.
  • Teilnahme – ein Anleger wird direkt mit ins Boot geholt oder ihm wird gleich erklärt, was seine Aufgabe ist? Auch hier gilt: Finger weg. Bei diesen Produkten handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Schneeballsysteme.
  • Immobilien – bei Immobilienanlagen sollte geprüft werden, was es eigentlich für ein Bauprojekt ist – und ob es möglich ist. Oft genügt schon ein Anruf beim zuständigen Bauamt um festzustellen, dass dieses Projekt gar nicht geplant ist.

Fazit – Augen auf und handeln

Auch Wirtschaftsspionage und Anlagebetrug steht niemand hilflos gegenüber. Es gibt etliche Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen und den Betrug zu beweisen. Private Anleger sollten jedoch auch mit offenen Augen Anlageprodukte prüfen und lieber verneinen, wenn das Produkt zu gut klingt, um wahr zu sein.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.