Start News Griechenland 2013

Griechenland 2013

17
huefner-wok

Die Märkte wissen nicht, was sie von dem Rettungs­paket für Griechenland halten sollen. Zuerst waren sie etwas optimistischer, weil Athen endlich Geld bekommt und seine Verpflichtungen in diesem Monat erfüllen kann. Dann kam der Umschwung und es wurden alle Negativ-Szenarien diskutiert. Die Aktienmärkte brachen ein. Der Euro fiel unter USD 1,30. Diese Unsicherheit ist angesichts der vielen Imponderabilien verständlich. Sie sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob das Programm am Ende nicht vielleicht doch erfolgreich sein kann.

Es dauert immer eine Zeit, bis sich Vertrauen aufbaut. Zu­dem muss das Rettungspaket selbst noch eine Reihe von Hürden nehmen (Beschlüsse der nationalen Parla­mente, vielleicht auch Verfahren vor Gerichten). Man sollte nicht zu ungeduldig sein.

Andererseits muss man sich natürlich Gedanken ma­chen. Hier sind drei Szenarien für die weitere Entwick­lung. Es sind keine Prognosen sondern Denkmodelle. Sie sollen zeigen, was passieren kann und wie wahr­scheinlich es ist.

Szenario 1

Der „Best-Case“: Es wird alles wieder gut. Griechenland erfüllt alle Vorgaben, die ihm in dem Sanierungsplan ge­macht wurden. Die versprochenen öffentlichen Gelder reichen aus, um die Lücken in diesem und im nächsten Jahr zu überbrücken. Athen kann wieder Anleihen am Markt platzieren. Weil die Finanzierung Griechenlands so elegant in Ordnung gebracht wurde, ergeben sich auch in Portugal, Spanien und Italien keine größeren Probleme. Das wäre das Optimum. Es ist allerdings höchst unwahr­scheinlich. Das Sanierungsprogramm läuft vorerst über drei Jahre. Es ist kaum vorstellbar, dass in dieser Zeit al­le vorgegebenen Punkte eingehalten werden. Das liegt einmal daran, dass es erhebliche politische Widerstände in der griechischen Gesellschaft gibt. Zudem wirkt das Programm negativ auf das Wachstum der hellenischen Wirtschaft. Damit können die Sanierungsziele (in Pro­zent des Bruttoinlandsprodukts) möglicherweise auch deshalb nicht eingehalten werden, weil das Wirtschafts­wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ich gebe diesem Szenario daher nur die Wahrschein­lichkeit von 10 %. Wenn in der Wettervorhersage von einer Regenwahrscheinlichkeit von 10 % gesprochen wird, nehme ich keinen Schirm mit.

Szenario 2

Der „Worst-Case“: Es geht alles schief. Griechenland er­füllt die Vorgaben des Sanierungsprogramms nicht. Ent­weder hat die Regierung nicht die Kraft, die Maßnahmen in der Gesellschaft durchzusetzen. Oder es kommt zu ei­nem Regierungswechsel mit einem Kabinett, das nicht mehr so kooperationsbereit ist. Die Märkte ziehen sich aus der Finanzierung des Landes vollständig zurück. Die eingesetzten Steuermittel und öffentlichen Garantien rei­chen nicht aus, um den Finanzbedarf Athens zu decken. Am Ende muss Griechenland die Zahlungsunfähigkeit erklären. Die bisherigen Gläubiger bekommen nur noch einen Teil ihrer Forderungen zurück. Das Scheitern der Griechenland-Sanierung wirkt sich negativ auf die anderen Länder in Südeuropa aus. Por­tugal kommt als erstes in Schwierigkeiten und muss In­solvenz erklären. In Spanien (vielleicht auch in Italien) gibt es ebenfalls erhebliche Turbulenzen. Das Land kann aber vermutlich an einer Pleite vorbeischrammen. Wenn man ganz pessimistisch ist, muss man auch den Bankrott Spaniens annehmen. Die Diskussion über den Erhalt des Euro eskaliert. Da­bei geht es weniger darum, dass schwache Länder aus­treten. Für sie sind die Nachteile der Rückkehr zu einer nationalen Währung zu groß (stark steigende Zinsen, höhere Inflation). Wohl aber wird bei den stabileren Län­dern eine Diskussion einsetzen, ob sie sich die Lasten des Euro in Form von finanziellen Verpflichtungen und weniger Stabilität noch leisten wollen. Ich gehe freilich davon aus, dass diese Diskussionen nicht zu einem Zerfall des Euro führt – nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch weil der Aufwand für eine Rückkehr zu nationalen Währungen immens wäre. Ich gebe diesem Szenario eine Wahrscheinlichkeit von 30 %. Für Griechenland hätte es den Vorteil, dass es mit einem Mal einen großen Teil seiner Schulden los wäre. Andererseits hätte es einen Makel, der nicht so schnell vergessen wird. Die Steuerzahler der anderen EU-Staaten würden bei einem Bankrott Geld verlieren. Sie würden aber nicht mehr so sehr mit „Fresh-Money“ zur Kasse gebeten.

Szenario 3

„Muddling-Through“. Es kommt zu keinen klaren Lösun­gen und keinem eindeutigen Schnitt. Die Beteiligten wur­steln sich durch. Bei der Umsetzung des Sanierungspro­gramms fällt Griechenland, ein um das andere Mal, hin­ter die Vorgaben zurück. Es bekommt aber immer wie­der Zeit zum Nachbessern. Die Märkte trauen sich zeit­weise, Griechenland Geld zur Verfügung zu stellen. Sie ziehen sich dann aber auch wieder zurück. Die öffent­lichen Hände in der EU klagen über die großen Lasten, stocken dann aber doch ihre Hilfen auf, um es nicht zum Äußersten kommen zu lassen. Auch Portugal braucht ein Hilfsprogramm, gekoppelt an harte Sanierungsmaß­nahmen.