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Inflationsschutz: Mythen und Wirklichkeit

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Gordon Rose

Seitdem die Zentralbanken im Zuge der Finanzkrise die Märkte mit Geld fluten und die Zinsen auf einem Rekordtief angekommen sind, geht bei Investoren das Inflationsgespenst um. Doch so mancher Experte weiß: Noch ist keine Geisterstunde.

 
Gordon Rose 

Der renommierte Volkswirt Peter Bofinger und der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, stimmten während ihren Präsentationen bei unserer letzten Morningstar Investment Conference in puncto Inflation überein: Solange die sogenannte financialrepression weitergehe, sei nicht mit einem Anstieg der Zinsen und damit der so panisch gefürchteten Inflation zu rechnen. Während der Investor Heise für das fortdauernde Renditetief bei sicheren Bundesanleihen auch „strukturelle Gründe“ ausmachte, wie etwa die Verknappung des Angebots an sicheren Assets, argumentierte Bofinger aus der Makrosicht. Auch wenn die Geldbasis durch die Bankenstützungsaktionen der EZB gestiegen ist, gelange das Geld nicht in den Wirtschaftskreislauf.

Inflationierung des Systems steht nicht kurz bevor

Eine Inflation sei erst dann wahrscheinlich, wenn die expansive Linie der Notenbank auch auf den Wirtschaftskreislauf überschwappt. „Wenn die Preise in der Breite steigen, setzen Unternehmen ihrerseits Preiserhöhungen durch, die Löhne steigen, und dann steigt die Inflation: Einen Trend zu fulminanten Lohnerhöhungen sehe ich aber nicht“, so Bofinger. Ob wir letztendlich eine Inflation erleben, da unterscheiden sich die Meinungen.

Das Portfolio fit machen für mittelfristige Gefahren

Stellt sich nun für den Investor die Frage, ob er die zukünftige Inflation bei seinen Anlageüberlegungen überhaupt berück sichtigen sollte. Und die Frage ist berechtigt. Eine Inflationsabsicherung des Portfolios kann man – einfach ausgedrückt – mit einer Versicherung vergleichen. Und die kostet Geld bzw. eine Prämie. Wenn Sie zu den eher risikoaversen Anlegern gehören, sollten Sie aber über den Inflationsschutz nachdenken. Er hat gegenüber einer Versicherung einen Vorteil: Man bekommt auch ohne den Versicherungsfall – in diesem Fall eine hohe Inflation – generell Geld zurück und hat sogar die Möglichkeit, eine Rendite zu erzielen.

Diverse Anlageberater oder Journalisten heben immer wieder Rohstoffe, insbesondere Gold, als Inflationsschutz hervor. Leider ist jedoch das Gegenteil der Fall. Gold korreliert nämlich negativ mit der Inflation, und zwar sowohl mit der erwarteten als auch der unerwarteten. Heißt im Klartext: Wenn die Inflation steigt, sinkt der Goldpreis. Also genau das Gegenteil von dem, was der Investor sich erhofft. Wenn also nicht Gold, was dann?

Das sagen die Akademiker

Die meisten Forschungen zu diesem Thema basieren auf US-Studien, die die Korrelation von Rohstoffen mit der Inflation in den USA untersucht haben. Da Rohstoffe in den USA als Inflationsschutz dienen, entsteht der Eindruck, dass Rohstoffe generell eine gute Inflationsabsicherung darstellen. Folgende Tabelle verdeutlicht jedoch, dass sich die Korrelation zwischen Rohstoffen und der Inflation in verschiedenen Regionen unterscheidet. In Europa dienten in der Vergangenheit lediglich Agrarprodukte über 3 und 5 Jahre bzw. Vieh über 5 Jahre als Inflationsschutz. Obwohl Gold von vielen als Inflationsschutz gehandelt wird, korrelierten Edelmetalle in allen Zeiträumen und Regionen negativ mit der Inflation. Bei Europa und Asien sollte man jedoch bedenken, dass die Korrelation auf der durchschnittlichen Inflation mehrerer Länder basiert. Daher sind die Ergebnisse nicht so eindeutig wie in den USA und mit Vorsicht zu genießen. Auch können die Währungseffekte eine Rolle spielen.

Zudem ist anzumerken, dass die Korrelation zwischen Rohstoffen und Inflation sehr stark schwankt. Von 1983 bis 2007 schwankte die rollende 1-Jahres-Korrelation in den USA von -0,8 bis +0,8; über einen längeren Zeitraum ist die Korrelation jedoch stabiler. Der Inflationsschutz durch Rohstoffe in den USA kann also kurzfristig sehr stark sein, aber eben auch negativ. In Europa und Asien bedarf es hingegen noch weiterer Untersuchungen, um handfeste Schlüsse ziehen zu können.

Erwartete vs. unerwartete Inflation

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Bevor wir untersuchen, wie sich Investoren gegen die Inflation absichern können, sollten wir zwischen erwarteter und unerwarteter Inflation unterscheiden. Die unerwartete Inflation ist die Differenz zwischen der er- warteten und der tatsächlichen Inflation und kann z. B. durch einen Preisschock des Öls entstehen. Da die erwartete Inflation bereits zum Teil in Aktien und Anleihen eingepreist ist, spielt die unerwartete Inflation in unserem Fall die entscheidendere Rolle. Jedoch zeigen Studien, dass nur wenige Rohstoffe europäischen Investoren einen statistisch signifikanten Inflationsschutz bieten können. Nur breit aufgestellte Rohstoffkörbe und Energiewerte bieten eine solche Absicherung. Edelmetalle zeigen hingegen einen statistisch signifikanten negativen Zusammenhang mit der erwarteten Inflation. In den USA haben Investoren eine Vielzahl an Möglichkeiten, ihr Portfolio gegen die unerwartete Inflation abzusichern. Asiatische Investoren haben es dagegen schwer. Wie aus obiger Tabelle ersichtlich ist, bietet in Asien kein Rohstoff einen signifikanten positiven Zusammenhang weder mit der erwarteten noch mit der unerwarteten Inflation an.

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Schaut man sich jedoch in Europa das Hedging-Potenzial von Rohstoffen gegen unerwartete Inflation an, stellt man fest, dass sich ausschließlich Energiewerte dafür eignen. Der statistisch signifikante Zusammenhang mit breit aufgestellten Rohstoffkörben basiert lediglich auf dem Zusammenhang der Inflation mit Energiewerten, wie obige Tabelle verdeutlicht. Basierend auf den obigen Untersuchungen bieten sich daher folgende ETFs als Inflationshedge für das Portfolio an:

 

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