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Aktives Management in einen regelbasierten Index überführt

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Robotik und Automatisierung ist ein äußerst dynamischer Wirtschaftszweig
Bernhard Wenger Vertriebsleiter Europa, ETF Securities

Vor einigen Tagen emittierte ETF Securities zusammen mit der Lombard Odier IM einen Smart-Beta-ETF auf lokale Staatsanleihen aus den Schwellenstaaten. Das EXtra-Magazin sprach dazu mit Bernhard Wenger, Head of European Distribution bei ETF Securities.

Herr Wenger, ETF Securities und Lombard Odier haben gerade einen ETF auf lokale Staatsanleihen von Entwicklungsländern an der Londoner Börse gelistet. Was können Sie uns über die Hintergründe dazu erzählen?

Mit dem ETFS Lombard Odier IM Emerging Market Local Government Bond Fundamental GO UCITS ETF erweitern wir unsere Serie an fundamental gewichteten Anleihen-ETFs um einen vierten Fonds. Gemeinsam mit unserem Partner Lombard Odier Investment Managers haben wir bereits im April dieses Jahres drei ETFs auf globale sowie europäische Staats- und Unternehmensanleihen aufgelegt. Nun ermöglichen wir Anlegern auch einen Zugang zu Staatsanleihen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Auch hier setzen wir auf die bewährte Strategie von Lombard Odier IM, die Einzeltitel nach Fundamentaldaten zu gewichten.

Wie unterscheidet sich diese Strategie genau von traditionellen Anleihenindizes?

Das Besondere an der Strategie von Lombard Odier IM ist, dass Herangehensweisen aus dem aktiven Management in einen regelbasierten Index überführt wurden. Mittels Fundamentaldaten wie dem Verhältnis des BIP zur Staatsverschuldung und der finanzwirtschaftlichen und politischen Stabilität eines Landes werden diejenigen Anleiheemittenten – in diesem Fall Staaten – identifiziert, die ihre Schulden mit höherer Wahrscheinlichkeit zurückzahlen können. Auf Basis dieser Analyse wird die Gewichtung innerhalb des Wertpapierkorbs im Vergleich zu dem jeweils zugrundeliegenden Standardindex angepasst. Wir nennen diese Strategie einen ‚Common-Sense‘-Ansatz. Das heißt: Die Einzeltitel werden nach dem gesunden Menschenverstand gewichtet und nicht, wie bei den traditionellen Indizes, nach dem Emissionsvolumen, wodurch die größten Schuldner pauschal bevorzugt werden.

Was ist darüber hinaus noch besonders an dem neuen ETF?

Der ETF bietet Anlegern nicht nur einen Zugang zu Staatsanleihen aus den Emerging Markets, sondern auch aus Entwicklungsländern. Grundlage für die Auswahl der Staaten ist die Einstufung des Internationalen Währungsfonds als ‚Emerging Market and Developing Countries‘ im World Economic Outlook. Dadurch sind mehr Titel enthalten, die auch geografische Diversität widerspiegeln. Zu diesen Titeln gehören auch chinesische und indische Staatsanleihen, die von den meisten Indizes, die dem traditionellen Marktkapitalisierungsansatz folgen, nicht berücksichtigt werden. Wir glauben, dass wir Anlegern durch die breite Streuung und die Gewichtung der Anleihen nach fundamentalen Daten ein attraktives Produkt bieten, um ihr Portfolio intelligent zu diversifizieren. Außerdem zeichnet sich der ETF dadurch aus, dass die Schuldtitel in der jeweiligen lokalen Währung der Emittenten denominiert sind.

Wie schätzen Sie die Perspektiven für ein Investment in diese Märkte ein?

Das historisch niedrige Zinsniveau in den meisten entwickelten Ländern lässt Anleger verstärkt nach Alternativen suchen, um im festverzinslichen Bereich noch attraktive Erträge zu erzielen. Hier haben sich Schwellenländeranleihen in letzter Zeit als immer beliebtere Beimischung etabliert. Indem wir auch Anleihen aus Entwicklungsländern einbeziehen, erhöhen wir die Diversifikation und ermöglichen Anlegern gleichzeitig einen Zugang zu weiteren attraktiven Renditequellen. In der Vergangenheit haben sich Anleihen von Schwellen- und Entwicklungsländern dynamischer entwickelt als die Schuldtitel von Industrieländern. Hinzu kommt, dass Emerging Markets- und Schwellenländeranleihen eine geringe bis negative Korrelation zu anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen von entwickelten Ländern aufweisen.“

 

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.
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