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Aktives Management spielt eine entscheidende Rolle

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Die Vermögensklasse Covered Bonds kann in Europa auf eine lange Historie zurückblicken. Im Gespräch mit Kristion Mierau und Howard Chan stellen wir Fragen zu der PIMCOs Covered-Bond-Strategie die dem neu aufgelegtem ETF zugrunde liegt.

Kristion T. Mierau

Senior Vice President, Leiter des
europäischen Portfoliomanagements
für Covered Bonds

Die Covered-Bond-Strategie von PIMCO bietet Anlegern ein aktiv gemanagtes Engagement in einem diversifizierten Portfolio aus globalen besicherten Anleihen. Im folgenden Interview beschreiben Kristion Mierau, Leiter des Portfoliomanagement-Teams für europäische Covered Bonds, und Produktmanager Howard Chan die Anlagestrategie und gehen auf die Expertise von PIMCO bei der Anlage in Covered Bonds ein sowie auf die potenziellen Vorteile einer entsprechenden Allokation.

Was ist die Covered-Bond-Strategie von PIMCO?

Mierau: Die Strategie versetzt Anleger in die Lage, Engagements am Markt für Covered Bonds einzugehen und dabei auf die Anlageexpertise von PIMCO im Segment der besicherten Anleihen zurückzugreifen. PIMCOs Ansatz bei Covered Bonds wurde im Laufe der vergangenen 15 Jahre kontinuierlich weiterentwickelt, um Anlagechancen in der Vermögensklasse zu identifizieren; dabei kommt der umfassende Investmentprozess von PIMCO zum Einsatz, von unseren top-downorientierten makroökonomischen Prognosen bis hin zur bottom-up-orientierten Titelauswahl; von der Analyse einzelner Staaten auf Länderebene über Finanzanalysen auf Unternehmensebene bis hin zu Analysen der unterlegten Sicherheiten auf Einzeltitelebene. Die Covered-Bond-Strategie ist für eine Vielzahl unterschiedlicher Anleger konzipiert – von Privatanlegern über regulierte institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungsgesellschaften.

Welches sind die zentralen Eigenschaften von Covered Bonds?

Mierau: Covered Bonds sind vorrangige Anleihen, die durch Finanzinstitute begeben werden; sie sind durch einen spezifischen Sicherheitenpool auf der Bilanz des Emittenten gedeckt. Diese so genannte Deckungsmasse setzt sich in der Regel aus Hypotheken und aus Krediten an die öffentliche Hand zusammen. Covered Bonds sind derart strukturiert, dass sie einem Zahlungsverzug des Emittenten standhalten können; somit kommt es nicht automatisch zu einem Ausfall einer besicherten Anleihe, wenn ihr Emittent Konkurs geht. Investoren, die im Besitz von Covered Bonds eines insolventen Emittenten sind, haben einen Anspruch auf Zahlung über zwei Rückgriffsmechanismen: Erstens werden die Deckungswerte aus dem Sicherheitenpool eingesetzt, um den Zahlungsverpflichtungen der Papiere nachzukommen. Zweitens haben die Anleger einen Anspruch auf das Vermögen des Emittenten, da es sich bei Covered Bonds um unbedingte Verpflichtungen des ausgebenden Finanzinstituts handelt, die gleichrangig mit besicherten Anleihen ersten Ranges sind. Die Eigenschaft des doppelten Rückgriffmechanismus, die den meisten besicherten Anleihen innewohnt, stärkt die Wahrnehmung, dass es sich dabei um eine „sichere“ Anlageklasse handelt. So werden Covered Bonds unter dem aktuellen Vorschlag der Europäischen Kommission für einen Bankenabwicklungsmechanismus, der erwartungsgemäß 2018 in Kraft treten soll, beispielsweise nicht für die Bankenrettung herangezogen. In der Tat könnte man sie als erstrangig in der Kapitalstruktur beschreiben – von noch höherem Rang als Kundeneinlagen über 100.000 Euro und vorrangige, besicherte Anleihen.

Chan: Covered Bonds bilden den zweitgrößten privaten Anleihenmarkt in Europa nach vorrangigen, unbesicherten Bankanleihen. Die Wurzeln der Vermögensklasse reichen mehr als 200 Jahren zurück, als der erste Pfandbrief in Deutschland begeben wurde. Seitdem verbreiteten sich Covered Bonds in Europa und letztlich rund um die Welt, wobei sie auch Nordamerika und den Raum Asien/Pazifik erreichten. Aktuell beläuft sich der Gesamtwert aller ausstehenden besicherten benchmark-relevanten Anleihen weltweit auf knapp 1,1 Billionen Euro. Der Covered-Bond- Markt ist stark diversifiziert und liquide und umfasst über 150 Emittenten. Seit dem Aufkommen der Anlageklasse ist keine besicherte Anleihe in Zahlungsverzug geraten. Auch wenn mehrere Covered-Bond-Emittenten Konkurs gingen, blieben die entsprechenden Anleiheprogramme stets zahlungsfähig und wurden entweder im Rahmen der Unternehmensfortführung nach und nach aufgekauft oder gingen in den Staatsbesitz über.

Frage: Was kennzeichnet typische Inhaber von Covered Bonds und wie gehen sie bei der Anlage vor?

Mierau: Da Covered Bonds über ein vorteilhaftes Risiko- Rendite-Profil verfügen, ist die Vermögensklasse für eine Vielzahl unterschiedlicher Marktteilnehmer interessant. Historisch betrachtet weisen besicherte Anleihen höhere Erträge und eine geringere Volatilität auf als europäische Staatsanleihen, ebenso wie ein geringeres Durations- oder Zinsrisiko. Aus diesem Grund werden Covered Bonds von zahlreichen Anlegern als Ersatz für eine Allokation in europäischen Staatsanleihen genutzt, um die Effizienzkurve ihres Gesamtportfolios zu verbessern. Angesichts des gegenwärtigen Renditeniveaus und der Eigenschaft der zweifachen Sicherheit – des „dualrecourse“ – könnten sie zudem eine gute Alternative zu vorrangigen, unbesicherten Anleihen darstellen.

Chan: Da Covered Bonds unter diversen Regulierungsvorschriften eine begünstigte Behandlung erfahren, scheinen sie auch für Banken und Versicherungsgesellschaften durchaus attraktiv. Bei Banken haben Covered Bonds nach Basel III ein geringeres Risikogewicht, während sie im Sinne der Mindestliquiditätsquote (LCR) als „qualitativ hochwertige, liquide Vermögenswerte“ eingestuft werden. Bei Versicherungsgesellschaften profitieren Covered Bonds von einer Präferenzbehandlung unter Solvency II und bieten ein attraktives Renditepotenzial, ohne an hohe Eigenkapitalanforderungen geknüpft zu sein. Anleger können Covered Bonds auf mehrere Arten in ihr Portfolio integrieren: Während institutionelle Investoren für gewöhnlich einen „Buy-and-Hold“-Ansatz verfolgen, im Zuge dessen sie einzelne Papiere kaufen und halten, greifen andere mittels aktiv gemanagter Fonds auf Covered Bonds zu. Anleger, die Wert auf Portfoliotransparenz und Intraday-Liquidität legen oder regulatorische Vorschriften erfüllen müssen, können ferner über börsengehandelte Fonds (ETFs) in Covered Bonds investieren.

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