Start Interview „Es gibt noch einige unbesetzte Segmente im Smart Beta-Bereich“

„Es gibt noch einige unbesetzte Segmente im Smart Beta-Bereich“

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Ossiam legte vor wenigen Tagen einen zweiten ETF auf, der Investoren Zugang zu unterbewerteten Sektoren des S&P 500 Index bietet.

Das EXtra–Magazin sprach dazu mit Isabelle BourcieHead of Business Development bei Ossiam.

Vor wenigen Tagen legten sie mit dem Ossiam Shiller Barclays CAPE® US Sector Value TR UCITS ETF nunmehr den zweiten ETF aus dieser Produktfamilie auf. Was hat Sie zur Auflage dieses ETFs bewogen?

Ossiam möchte Investoren unterschiedliche Ansätze anbieten, mit denen sich das Rendite-Risiko-Profil verbessern lässt. Die Erweiterung der Shiller Barclays CAPE® Sector Value Produktfamilie um den Shiller Barclays CAPE® US Sector Value TR UCITS ETF bietet ab sofort den Investoren einen einfachen Zugang zu unterbewerteten Sektoren des S&P 500 Index. Anhand der relativen CAPE® Ratio isoliert der Shiller Barclays CAPE® US Sector Value Index zunächst die fünf am stärksten unterbewerteten aus neun Sektoren des S&P 500 Index. Sodann wird von den verbleibenden fünf jener Sektor aussortiert, der das schwächste Momentum über die vorangegangenen zwölf Monate aufweist. Dieser zusätzliche Schritt in der Index-Methodologie dient dazu, sogenannte Value Traps zu vermeiden, das heißt den Sektor mit dem in der jüngeren Vergangenheit schwächsten Marktsentiment. Durch die Erweiterung der Produktfamilie setzt Ossiam die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Barclays und Professor Robert Shiller fort und arbeitet kontinuierlich an innovativen Strategien.

Wie wurde bisher der Ossiam Shiller Barclays CAPE® Europe Sector Value TR ETF, der im Februar 2015 lanciert wurde, von den Anlegern aufgenommen und inwieweit hat sich die Strategie bisher für den Anleger bezahlt gemacht?

Seit der Auflegung im deutschen Markt ist der ETF auf ein breites Interesse gestoßen. Bis Ende Juni stiegen die Assets under Management des Ossiam Shiller Barclays CAPE® Europe Sector Value TR ETF auf über 58 Millionen Euro. Natürlich hat sich die Strategie auch für Anleger bezahlt gemacht, da sie mit einem Fokus auf Value-Werte Sektoren in Zeiten überdurchschnittlicher Performance auswählt und so darauf abzielt, langfristig konsistente Outperformance zu generieren. Die Performance einzelner Sektoren am Aktienmarkt kann stark schwanken. Jedes Jahr gibt es signifikante Unterschiede in der Performance des besten und des schlechtesten Sektors. So verlor beispielsweise der Energie-Sektor 2014 in Folge des Ölpreiskollapses rund 10 Prozent, während der defensive Gesundheits-Sektor 17 Prozent zulegte. Die Differenz von immerhin 27 Prozentpunkten fällt dabei im historischen Vergleich noch milde aus; in volatilen Krisenjahren ist sie häufig deutlich höher. Lassen sich die besten Sektoren im Voraus bestimmen, kann konsequent in diese investiert werden, während schwache Sektoren unberücksichtigt bleiben.

Grundlage für die Gewichtung ist nicht wie häufig sonst das herkömmliche Kurs-Gewinn-Verhältnis sondern das Shiller-KGV. Was unterscheidet diese beiden und warum ist das Shiller-KGV aus Ihrer Sicht das geeignetere Kriterium zur Auswahl?

Das KGV, das die Gewinne eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Aktienkurs setzt, ist eine der am weitesten verbreiteten Kennzahlen für die Bewertung von Aktien, hat aber in den Augen von Professor Robert Shiller gerade für langfristig orientierte Investoren Nachteile. Die CAPE® Ratio, hier zu Lande auch als Shiller-KGV bekannt, basiert daher anders als das klassische KGV nicht nur auf dem Gewinn eines Jahres, sondern auf dem inflationsbereinigten gleitenden Durchschnitt der Gewinne der vorangegangenen zehn Jahre.

Um die jeweils attraktivsten Sektoren mittels CAPE® Ratio zu identifizieren, reicht es jedoch nicht aus, schlicht die Werte der einzelnen Sektoren miteinander zu vergleichen. Da sich der Reifegrad und damit die Gewinndynamik sowie weitere Einflussgrößen wie die Regulierung einzelner Sektoren voneinander unterscheiden, variieren zum einen die Schwankungen, zum anderen aber auch die Durchschnittswerte des CAPE® der einzelnen Industrien. So ist ein Wert von 25 nah am historischen Maximum für Versorger und deutet auf eine deutliche Überbewertung des Sektors hin. Für Industrietitel hingegen ist ein CAPE® von 25 gerade in der Mitte der historischen Bandbreite und steht damit für eine in etwa faire Bewertung. Noch höher fällt die Kennzahl häufig bei Technologie-Titeln aus. Die Betrachtung des absoluten Werts liefert daher kaum verwertbare Signale für eine Sektor-Strategie.

Die Zusammenarbeit von Professor Shiller und Barclays führte daher zu einer standardisierten Kennzahl, der so genannten Relative CAPE® Ratio. Sie erlaubt, zwei Sektoren zu einem bestimmten Zeitpunkt zu vergleichen. Der neue Indikator ist dabei einfach die CAPE® Ratio dividiert durch ihren Durchschnittswert der vergangenen Jahre. Das führt zu einem Bewertungsmaß, dessen Größe sich über Sektoren hinweg vergleichen lässt: Eine Relative CAPE® Ratio von 1 zeigt, dass die aktuelle Bewertung auf dem langfristigen Durchschnitt liegt, während Werte unter 1 auf eine Unterbewertung des Sektors deuten.

Die Shiller Barclays CAPE® Indizes beziehen sich daher auf den Relative CAPE® Indikator. Für den US-Aktienmarkt setzt er den aktuellen Wert ins Verhältnis zum 20-jährigen Durchschnitt – bereinigt um extreme Ausschläge, die das Bild verzerren.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.