Start Interview „Anforderungen der Investoren werden immer individueller“

„Anforderungen der Investoren werden immer individueller“

56

Möchte man über einen ETF in eine bestimmte Branche investieren, kommt man an den STOXX Europe 600 Supersektor-Indizes kaum vorbei. Die meisten Indexfonds zu einzelnen Sektoren – wie beispielsweise Telekommunikation oder Automobile – beziehen sich auf diese Benchmarks vom Indexanbieter STOXX. Zum 20. September werden die Indizes umgestellt. Konrad Sippel von STOXX Limited erklärt, was genau dahintersteckt. Weshalb ändern Sie die Index-Regeln bei den beliebten Supersektor- Benchmarks?

Wir passen die Indizes an die UCITS III-Richtlinien für Indexfonds an. Um eine bestimmte Diversifizierung sicherzustellen, geben diese Regeln Maximalgewichtungen für die einzelnen Index-Mitglieder vor. In der Vergangenheit kam es bei vielen ETFs, die unsere Indizes eins zu eins abbilden und sich nach UCITS III ausrichten, zu Grenzüberschreitungen. Der Regulator schaut inzwischen stärker auf die Einhaltung dieser Richtlinien. Passen wir die Indizes von vornherein entsprechend an, muss der ETF-Anbieter bei der Abbildung nicht mehr auf die Richtlinien-Konformität achten. Wir kommen damit also den Emittenten entgegen.

Wie genau sehen die Regeländerungen für die STOXX Europe 600 Supersektor-Indizes aus?

Bei allen 19 Indizes aus dieser Familie wird der schwerste Titel auf ein Indexgewicht von 30 Prozent gekappt, alle übrigen enthaltenen Aktien dürfen ein Maximalgewicht von jeweils 15 Prozent aufweisen. Da die Anpassungstermine bei den Indizes vierteljährlich anstehen, haben wir etwas schärfere Grenzen angesetzt als UCITS III erlaubt. Hierin liegen die Kappungen bei 35 bzw. 20 Prozent. So haben die enthaltenen Werte nach der Kappung noch fünf Prozentpunkte Spielraum nach oben und bewegen sich dennoch innerhalb der UCITS III-Spannen.

Halten Sie die Kappung für sinnvoll oder kommen Sie hier eher „wider Willen“ den Richtlinien entgegen?

Die Regelung macht aus Sicht des Investors durchaus Sinn. Gerade ETFs werben ja mit einer breiten Diversifikation. Dies stellt die neue Regelung sicher. Es gibt aber auch Investoren, denen an einer möglichst genauen Abbildung der jeweiligen Industrie gelegen ist. Für diese ist die Kappung nachteilig. Der Investor muss selbst entscheiden, welche Variante er bevorzugt. Deshalb haben wir mit den neuen STOXX Europe 600 NC Supersector Indizes neue Indizes eingeführt, die weiterhin ohne Gewichtungsgrenzen berechnet werden.

Sind auch zu diesen Indizes ETFs zu erwarten?

Bislang liegt uns noch keine Meldung vor, dass ein Anbieter die ungekappte Variante als Indexfonds anbieten möchte. Dennoch kann es sein, dass in Kürze auch hierzu ETFs aufgelegt werden. Die Indizes ohne Cap werden aber auch deshalb in einer neuen Indexfamilie weitergeführt, da sie vielfach als Vergleichsindizes dienen. Für das reine Benchmarking ist es einigen Investoren wichtig, den Sektor möglichst genau abzubilden.

Werden sich die neuen Regeln stark auf die Indizes auswirken?

Bei sieben der insgesamt 19 Indizes aus dieser Familie wird es nach aktuellem Stand zu Veränderungen kommen. Diese fallen aber nicht groß aus. Die meisten Titel liegen nicht viel mehr als fünf Prozent über den Kappungsgrenzen. Beispielsweise kam die Daimler-Aktie im STOXX Europe 600 Automobiles & Parts Index vor wenigen Tagen auf ein Gewicht von 34,8 Prozent. Sie muss auf 30 Prozent herabgesetzt werden.

Mit den neuen Indizes wächst der „Index-Dschungel“ weiter an, was vielfach kritisiert wird. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Der Trend bei den Investoren geht zu immer mehr Individualismus. Trotz konkreter Anforderungen möchten sie nicht auf die Möglichkeit passiver Investments verzichten. Als Anbieter haben wir keine Meinung zur Sinnhaftigkeit einzelner Indizes, sondern wollen Investoren ein größtmögliches Angebot zur Auswahl geben. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Auflage eines Index mit Kosten verbunden ist. Somit regelt sich das Angebot über die Nachfrage. Und von einem „Index-Dschungel“ kann höchstens weit hinter den Hauptindizes die Rede sein. Dieses Terrain sollte auch nur betreten, wer das nötige Equipment dabei hat.

Zu den STOXX Europe 600 Supersektor- Indizes existiert eine hohe Anzahl an ETFs. Wieso gerade hierzu?

Typisch für ETFs sind niedrige Kosten. Das funktioniert aber nur bei liquiden Titeln im abgebildeten Index. Bei den Supersektor-Indizes ist dies gegeben. Dennoch sind sie gut diversifiziert.

Dieser Beitrag stammt aus Scope Indexprodukte Kompakt.