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Anlagechancen in Zeiten der Krise

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Salzer interview

An den Anleihemärkten hat sich infolge des EZB-Beschlusses, Staatspapiere von EU-Verschuldungsstaaten unbegrenzt aufzukaufen, eine Zinstrendwende eingeläutet. Über das Thema Anleihen und mögliche Anlagealternativen im Zuge einer immer lockeren Geldpolitik der Notenbanken sprach das EXtra-Magazin mit Philipp Salzer von der Vermögensanlage AltBayern AG.

Nach der EZB und der US-Notenbank Fed lockert nun auch die Bank of Japan die geldpolitischen Zügel und wirft die Notenpresse an. Wie sollte sich der Anleger Ihrer Meinung abseits vom Trend in Gold und Silber bzw. Immobilien vor einer wachsenden Inflationsgefahr via ETF schützen?

Im Fokus stehen ETF’s, die den Gedanken des Sachwertes widerspiegeln. Dazu gehören ganz klar auch Qualitätsaktien mit solider Bilanzstruktur und starker Marktstellung. In einem inflationären Umfeld finden wir neben dem Rohstoffsektor auch die Branchen Nahrung, Lebensmittel sowie Pharma/Gesundheit aussichtsreich.

Daneben gibt es auch die Möglichkeit in inflationsgeschützte Anleihen via ETF anzulegen. Diese Anleihen stellen insbesondere im derzeitigen Umfeld eines negativen Realzinses und steigenden Inflationserwartungen eine sinnvolle Ergänzung der Asset Allokation dar.

Mit der Ankündigung der EZB, nun unbegrenzt Staatsanleihen von EU-Schuldnerstaaten aufzukaufen, kam es zu einer Trendwende bei den Zinsen. Sollten Anleger jetzt auf steigende Zinsen bei Bundesanleihen setzen oder gar italienische oder spanische Staatsanleihen kaufen, da ja jetzt die EZB für deren Sicherheit garantiert? Und welche Laufzeiten sollte man dabei bevorzugen?

Die Märkte werden die EZB in Zukunft daran messen, ob den Ankündigungen auch Taten folgen und ob es tatsächlich dann zu den erwarteten Zinseffekten kommt. Betrachtet man aktuell die Renditen der italienischen und spanischen Anleihen insbesondere im langfristigen Bereich, dann kann man feststellen, dass weiterhin die ungelöste Schuldenproblematik beider Länder von den Märkten mit unverändert hohen Risikoprämien quittiert wird.

Der Ansatz, Umschichtungen aus dem rettenden Hafen der Bundesanleihen in Anleihen der Schuldnerländer vorwegzunehmen, erscheint aus heutiger Sicht mit sehr viel Unsicherheit verbunden und ist damit spekulativ. Falls man in der Asset Allokation diesem Thema einen Platz geben möchte, dann sind eher die kurzen Laufzeiten, ca. 2 Jahre zu bevorzugen

In den vergangenen Monaten waren insbesondere Unternehmens- und High-Yield-Anleihen der große Verkaufsschlager. Ist dies aus Ihrer Sicht jetzt noch sinnvoll oder hat sich der Trend aufgrund einer zu hohen Nachfrage und immer niedriger Zinsen schon heiß gelaufen?

In der Tat verzeichneten Unternehmensanleihen hoher Bonität als auch Hochzinsanleihen in diesem Jahr eine beeindruckende Wertentwicklung. Wir gehen davon aus, dass sich dieses Tempo in den nächsten Monaten so nicht fortsetzen wird. Von einer generellen Trendwende gehen wir allerdings nicht aus, da sich die positiven Rahmenbedingungen wegen der auf absehbare Zeit weiterhin künstlich niedrig gehaltenen Zinsen, dem Misstrauen gegenüber Staatsanleihen und dem Anlagedruck der institutionellen Anleger kaum ändern werden.

Aus dem Blickwinkel der Bewertung sieht das Segment der Corporate Bonds weiterhin attraktiv aus. So übertreffen die zu erwartenden Ausfallraten noch deutlich ihre historischen Höchststände, die üppige Liquiditätsausstattung und solide Finanzstruktur der Unternehmen sorgen für einen ausreichenden Puffer gegen einen wirtschaftlichen Abschwung. Dennoch ist selektives Vorgehen bei der Auswahl einzelner Anleihen notwendig, um Kurs-, Zins- und Bonitätsrisiken zu minimieren.