Wir fragen bei Dag Rodewald, Leiter der ETF-Sparte von UBS in Deutschland und Österreich, wie sich vorsichtige Anbieter jetzt am besten absichern.
Dag Rodewald, Leiter der ETF-Sparte von UBS in Deutschland und Österreich.

Dem mittlerweile dreißigjährigen Dax scheint die jugendliche Leichtigkeit abhandengekommen zu sein. Das angespannte Weltgeschehen lässt daran zweifeln, dass sich das demnächst ändert. Wir fragen bei Dag Rodewald, Leiter der ETF-Sparte von UBS in Deutschland und Österreich, wie sich vorsichtige Anleger jetzt am besten absichern.

Herr Rodewald, Diskussionen über Handelskriege, eine neue Regierung in Italien mit umstrittenen fiskalpolitischen Plänen, Sorgen um die globale Konjunktur – und als Folge eine deutlich gestiegene Volatilität an den Finanzmärkten. Wie können sich Anleger in diesem Umfeld positionieren?

Grundsätzlich ist gerade in einem solchen Umfeld, in dem sowohl Aktien als auch Anleihen immer wieder unter Druck stehen, eine gute Risikostreuung wichtig. Dazu ist eine Reihe von Maßnahmen denkbar beziehungsweise sinnvoll. Zum einen gilt es, das individuell richtige Verhältnis zwischen riskanten, renditeträchtigen und so genannten Safe-Haven-Assets, also etwa deutschen Bundesanleihen, zu finden. Zum anderen können gerade bei Anleiheninvestments ETFs helfen, bei denen das Gewicht einzelner Emittenten begrenzt ist. Damit wird dem häufigen Problem begegnet, dass in Anleihenindizes gerade diejenigen Akteure hoch gewichtet sind, die besonders viele Schulden aufnehmen. Und schließlich stehen auch rein taktische Mittel zur Verfügung – etwa die Absicherung gegen Währungsschwankungen oder Zinsrisiken mittels ETFs.

Gehen wir auf die verschiedenen Möglichkeiten ein, wie sich Anleger taktisch absichern können. Neben dem klassischen Stopp-Loss-Limit sind auch verschiedene Absicherungsmöglichkeiten direkt über ETFs verfügbar. Wie sollten Anleger damit umgehen?

Zunächst einmal sollten Anleger im Idealfall die Werkzeuge kennen, die ihnen über Stopp-Loss-Limits oder Short-ETFs hinaus zur Verfügung stehen. Dazu gehören zum Beispiel ETF-basierte Investments in inflationsindexierte Anleihen, die Schutz gegen einen plötzlichen Anstieg der Teuerung bieten. Auch Rohstoff-ETFs haben sich in der Vergangenheit als gute Absicherung gegen Inflationsüberraschungen erwiesen. Gerade die jüngsten wirtschafts- und finanzpolitischen Achterbahnfahrten mit teils deutlichen Schwankungen des Dollarkurses und von Anleiherenditen haben jedoch auch Währungs- und Zinsrisiken verstärkt in den Vordergrund rücken lassen. Solche Risiken lassen sich mit ETFs inzwischen sehr effizient und transparent absichern. Darüber hinaus können Anleger währungs- und zinsgesicherte ETFs aber auch gezielt für taktische Trades nutzen.

Raten Sie auch zu Umschichtungen. Und wenn ja, wohin gehend? Auf welchen Faktor (Smart-Beta) setzen Anleger vornehmlich, die mit Kurseinbrüchen oder zumindest Turbulenzen rechnen und warum?

Gerade in einem herausfordernden Umfeld können die so genannten Core-Satellite-Ansätze ihre Stärken ausspielen. Hierbei wird ein Kerninvestment, etwa in den S&P 500 oder in den Eurozonen-Aktienindex MSCI EMU, kombiniert mit taktischen Positionen, den Satelliten. Insbesondere hierfür eignen sich auch Faktor-ETFs sehr gut. Wichtig ist dabei gerade in herausfordernden Zeiten die Wahl der richtigen Faktoren. So gelten etwa der Faktor Low Volatility, der auf Aktien mit unterdurchschnittlichen Kursschwankungen setzt, oder der Faktor Quality, der die Bilanzqualität in den Mittelpunkt rückt, als eher sicherheitsorientiert. Für Anleger, die mit Faktor-ETFs über einen kompletten Zyklus hinweg die Diversifikation erhöhen und die Schwankungen ihres Portfolios senken wollen, eignen sich Multi-Faktor-ETFs gut, die mehrere Faktoren strategisch sinnvoll kombinieren.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.