Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen.
Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen.

Am 24. September 2018 kommt es zur großen Neusortierung innerhalb der kompletten Dax-Familie. MDax und SDax werden aufgestockt. Dax-Werte werden künftig auch im TecDax gelistet sein dürfen. Schattenindizes gibt es seit dem 18. Juni. Wir fragen nach bei Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen.

Frau Oelmann, es wird zur Neuordnung innerhalb der Dax-Familie kommen. So werden MDax und SDax künftig mehr Titel haben. Dax-Titel sollen auch im TecDax gelistet sein dürfen. Was ist der Hintergrund dieser Neuerungen?

Der MDax soll künftig 60 statt 50 Werte umfassen. Beim SDax werden es dann sogar 70 statt der bisherigen 50 Titel sein. DAX-Schwergewichte können ab Herbst auch im TecDax gelistet sein. Das könnte beispielsweise die Deutsche Telekom, Infineon oder SAP betreffen. Konkret bedeutet das für den TecDax, das kleinere bisher gelistete Unternehmen befürchten müssen, diesen Index zu verlassen. Grundsätzlich soll durch die Neuordnung von MDax und SDax die Repräsentativität, Liquidität und Handelbarkeit in der Zukunft sichergestellt werden.

Wie stehen Sie zu den Änderungen der Deutschen Börse?

Aus Verbrauchersicht wird sich meiner Meinung nach nicht allzu viel ändern. Verbraucher, die mit einer langfristigen Anlagestrategie in den Dax-Werten investiert sind, werden auch nach der Neuordnung ein risikodiversifiziertes und sehr liquides Wertpapier in ihrem Depot haben.

Ergibt sich für Anleger, die einen ETF auf einen dieser Indizes haben, Handlungsbedarf, etwa weil sich Branchengewichtungen bzw. die Zusammensetzung verschieben?

Es ist richtig, dass sich die Gewichtung der Dax-Familie verschieben wird. Gerade im TecDax könnte es passieren, dass kleinere Emittenten durch die Aufnahme der größeren Werte aus dem Index verschwinden. Fluktuation und Verschiebungen innerhalb der Indizes sind allerdings nicht neu und kamen aufgrund von Unternehmensentwicklungen bereits in der Vergangenheit vor. Daher stehe ich dieser Neuordnung nicht kritisch gegenüber. Verbraucher, die einen Dax-ETF halten, bleiben nach wie vor in einer Vielzahl großer deutscher Unternehmen investiert.

Vermutlich ist der TecDax besonders betroffen, wenn das eine oder andere Schwergewicht dazu kommt, oder?

Richtig, der TecDax soll weiterhin 30 Technologie Unternehmen umfassen, wird aber für die ganz großen Unternehmen aus dem Dax30 geöffnet. Kleinere Unternehmen, die bislang im TecDax gelistet waren, werden diese Stellung gegebenenfalls aufgeben müssen und können dadurch für Investoren möglicherweise an Bedeutung verlieren. Die Neuordnung wird daher für das eine oder andere Unternehmen erhebliche Konsequenzen haben, weniger aber für Verbraucher, die mit einem ETF ohnehin risikogestreut investiert sind.

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.