Start Interview „Anspruchsvolle Indexkonzepte liegen im Trend“

„Anspruchsvolle Indexkonzepte liegen im Trend“

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In unserer Rubrik „Personen der ETF-Industrie“ stehen Profis der ETF-Industrie Rede und Antwort. Diesmal stellt sich Dr. Hartmut Graf, Leiter des Indexgeschäfts der Deutschen Börse AG unseren Fragen.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Exchange Traded Funds?

Prinzipiell seit im April 2000, als der erste ETF in Europa überhaupt – ein Produkt auf den EURO STOXX 50 – auf den Markt gebracht worden ist; viel intensiver aber natürlich, seit ich 2005 bei der Deutschen Börse die Leitung des Indexgeschäftes übernommen habe.

Was fasziniert Sie an ETFs?

Die Idee, Investoren einen jederzeit liquiden Zugang zu einer breiten Palette an Investments über einen vollkommen transparenten Index zu geben, ausgehend von „Plain Vanilla“ Investments wie z.B. dem DAX bis hin zu komplexen Index-Konzepten wie dem EURO STOXX 50 Dividend Points. In jüngster Zeit ist hier allerdings ein Satz der Warnung angebracht, da nicht mehr alle Indizes den hohen Qualitäts- und Transparenzansprüchen genügen.

Welche Trends sehen Sie in der ETF-Industrie?

Der Trend wird dahin gehen, komplexere und anspruchsvollere Index-Konzepte als Underlyings für ETFs zu nutzen. Gleichzeitig werden sich die bestehenden Klassiker, wie z.B. ETFs auf den EURO STOXX 50, weiterhin großer Beliebtheit erfreuen.

Welche ETFs fehlen derzeit?

Das Angebot an ETFs – gerade in Europa – ist bereits breit aufgestellt. Als nächsten Schritt sehen wir neben der Erschließung neuer Anlageklassen, wie beispielsweise Volatilität, vor allem die Etablierung moderner und innovativer Indizes, die fortgeschrittene Methoden der Investmenttheorie nutzen.

Über welchen Handelsplatz kauft man am besten ETFs?

Gute Handelbarkeit ist eines der zentralen Kriterien von ETFs. Damit ist der größte und breiteste Handelsplatz in aller Regel empfehlenswert.

Können Sie eigentlich nachvollziehen, wie viel Kapital in Ihren Indizes investiert ist? Sebastian Müller aus Ratingen, per E-Mail

Ende März 2010 basierten 219 von ca. 700 europäischen Aktien- ETFs auf den STOXX Indizes. Das Fondsvermögen dieser 219 ETFs betrug 36,5 Mrd. Euro – was einen Anteil von 30 % des gesamten europäischen ETF Fondsvermögens ausmacht. Dr. Hartmut Graf ist Leiter des Indexgeschäfts der Deutschen Börse AG und seit Januar 2010 Chief Executive Officer von STOXX Limited. Zuvor war Dr. Graf bei der Roland Berger Strategy Consultants GmbH tätig, wo er Kunden aus der Finanzindustrie beriet.

Warum hat sich Dow Jones entschieden, aus dem Gemeinschaftsprojekt auszusteigen? Herbert Eder aus Kiel, per E-Mail

Diese Frage kann besser von Dow Jones selbst beantwortet werden. Wir können jedoch sagen, dass STOXX Ltd. nun, da die Deutsche Börse AG und die SIX Group AG die alleinigen Eigentümer sind, die Chance bekommen hat, global zu wachsen, sowohl was die Entwicklung weiterer globaler Indizes angeht, als auch hinsichtlich von Indizes für alle anderen Anlageklassen. Das Ziel ist es, unsere europäische Erfolgsgeschichte auf globaler Ebene zu wiederholen.