Start Interview Aufwärtstrend bei A-Aktien dürfte anhalten

Aufwärtstrend bei A-Aktien dürfte anhalten

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David Zhang klein

Am Rande der Investment Konferenz von ETF Securities hat das EXtra-Magazin mit David Zhang, Chief Investment Officer des chinesischen Asset Managers E Fund Management über die Aussichten des chinesischen Marktes gesprochen.

Vergangenes Jahr gehörten vor allem chinesische A-Aktien zu den Werten mit der besten Performance weltweit. Wie schätzen Sie die Chancen für chinesische Aktien im laufenden Jahr ein?

David Zhang: 2015 werden weitere geldpolitische Lockerungen in China den Aktienmarkt unterstützen. Allerdings kann es sein, dass sich Investoren mit einer höheren Volatilität auseinandersetzen müssen, wenn einzelne Konjunkturdaten negativer ausfallen als erwartet. Am 4. Februar dieses Jahres hat die Chinesische Volksbank im laufenden unterschwelligen Währungskrieg eine weitere Maßnahme ergriffen, um die heimische Wirtschaft zu schützen: Sie senkte den Mindestreservesatz, den Kreditgeber halten müssen, um 0,5 auf 19,5 Prozent. Dies spült ungefähr 500 Milliarden Yuan an zusätzlichen Mitteln in den Markt, die von den Banken auf dem chinesischen Festland ausgegeben werden können. Das ist allerdings nur ein kleiner Schritt hin zu einer quantitativen Lockerung. In der Zukunft sehen wir vor allem durch sinkende Energiekosten und geringere Inflationsaussichten Investmentmöglichkeiten. Durch die günstigeren Finanzierungsstrukturen infolge der Zinssenkungen im vergangenen Jahr haben sich unserer Ansicht nach die Kostenstrukturen vieler Unternehmen verbessert. Hierdurch erhöhen sich ihre Margen. Wir erwarten daher, dass der Aufwärtstrend für A-Aktien gemessen am MSCI China A Index auch 2015 anhalten wird, auch wenn es einige Höhen und Tiefen geben wird. Eine Lösung, an diesem Aufwärtstrend zu partizipieren wäre der ETFS-E Fund MSCI China A GO UCITS ETF (WKN: A1XEFE), der seit Anfang des Jahres eine Performance von 6,71% erzielt hat.

Welche Wachstumschancen sehen Sie für chinesische Unternehmen?

David Zhang: Angesichts des Abschwungs am Immobilienmarkt und einer eher unsicheren externen Erholung, wird die chinesische Regierung voraussichtlich ihre Reformen im Dienstleistungssektor beschleunigen und Sozialleistungen ausbauen. Die Folge: Der Konsum wird steigen.

Welche Sektoren werden davon besonders betroffen sein?

David Zhang: In den nächsten drei bis fünf Jahren erwarten wir ein zweistelliges Umsatzwachstum im Dienstleistungssektor, auch wenn sich das Wirtschaftswachstum Chinas insgesamt verlangsamt. Der Boom in Chinas Dienstleistungssektor wird unserer Ansicht nach vor allem in der Logistik- und der Umweltbranche zu beobachten sein. Hier rechnen wir mit einem Gewinnwachstum, das mindestens doppelt so hoch wie das Wachstum des chinesischen BIP ist. Darüber hinaus sehen wir durch den steigenden Konsum einige strukturelle Wachstumsmöglichkeiten. Hierzu gehören E-Commerce-Anbieter, Versicherer und Broker, die von finanzpolitischen Reformen und einer lockeren Geldpolitik profitieren. Ferner zählen wir hierzu Unternehmen, die Dienstleistungen im Umweltschutz anbieten und vom Wandel des Lebensstils mit einem stetigen Wachstum der Konsumausgaben profitieren. Durch das neu eingeführte „Shanghai Hong Kong Connect“-Programm werden sich zudem interessante Investmentoptionen in Shanghais A-Märkten bieten.

China wird 2015 lediglich ein Wirtschaftswachstum von rund 7 Prozent vorausgesagt. Auf der Wirtschaftskonferenz sprach Xi Jingping von einer Umsteuerung zur „neuen Normalität“. Wie sieht diese aus?

David Zhang: In China wurde der Begriff „neue Normalität“ durch Präsident Xi Jingping bekannt, der damit die Notwendigkeit beschrieb, sich an eine „neue Normalität“ anpassen zu müssen und besonnen auf ein langsameres Wirtschaftswachstum zu reagieren. Denn das Wachstum ist auf ein so niedriges Niveau gesunken wie zuletzt in der Wirtschaftskrise 2008/09. Damals ist der Immobilienmarkt zurückgegangen, die inländische Nachfrage gesunken und die Exporte haben sich als unsicher erwiesen. In den 35 Jahren zwischen 1978 und 2013 lag das jährliche Wirtschaftswachstum in China bei knapp 10 Prozent, zwischen 2003 und 2007 sogar bei 11,5 Prozent. 2012 und 2013 sank das Wachstum auf 7,7 Prozent und 2014 auf 7,4 Prozent. Die drei Jahrzehnte andauernde Wachstumsphase führte allerdings zu einer hohen Luftverschmutzung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Es ist daher längst überfällig, Chinas Wachstumsgeschichte im Sinne einer „neuen Normalität“ zu überdenken.

Welche Sektoren dürften am meisten von der neuen Normalität profitieren?

David Zhang: Im Kern geht es nicht allein um die Wachstumsgeschwindigkeit, sondern um eine verbesserte wirtschaftliche Struktur. Hierzu gehört, den tertiären Sektor, die Konsumnachfrage und Innovationen zu stärken. Dieser Wandel vollzieht sich bereits. Offizielle Zahlen zeigen: In den ersten drei Quartalen 2014 hat der Konsumverbrauch mit einem Anteil von 48,5 Prozent am Wirtschaftswachstum den Anteil von Investments bereits übertroffen. Der Wertbeitrag des Dienstleistungssektors liegt mit 46,7 Prozent weiterhin über dem industriellen Sektor. Die High-Tech-Industrie und der Maschinenbau sind um 12,3 bzw. 11,1 Prozent gewachsen und damit weitaus schneller als der industrielle Sektor insgesamt. Diese Zahlen belegen, dass sich die chinesische Industrie in einem tiefgreifenden Wandel befindet und Qualität und Struktur verbessert, wie auch Xi Jingping klarstellt. Zur neuen Normalität gehören jedoch auch Risiken, wie etwa eine potenzielle Immobilienblase, der Finanzsektor, Schattenbanken, Überkapazitäten und ein Mangel an Innovationen.

Welche Gefahren für den chinesischen Aktienmarkt sehen Sie in den Schattenbanken?

David Zhang: Ein Rückgang der Zinssätze in China sowie sinkende Renditen bei Immobilien und Infrastrukturprojekten führen möglicherweise dazu, dass sich die von den Schattenbanken versprochenen Erträge nicht realisieren lassen. Das langsamere Wachstum in diesem Segment geht vor allem auf eine striktere Regulierung zurück. Für Schattenbanken wurde es dadurch weniger profitabel, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Dies hat sie zu einer verbesserten Risikokontrolle gezwungen. Schattenbankenprodukte werden normalerweise über traditionelle Banken verkauft. Die Regierung hat im Juli 2014 die Banken dazu aufgerufen, ihre Vermögensverwaltungsprodukte von ihrem Privatkundengeschäft zu trennen. Zusätzliche Kosten waren die Folge. Außerdem müssen die Banken unabhängige Abteilungen einrichten, die Vermögensverwaltungsprodukte kontrollieren, und in den Verkaufsdokumenten besser auf hohe Risiken hinweisen. Das ausstehende Volumen von Schattenbankprodukten belief sich laut Schätzungen von Nomura Securities auf Basis von Zentralbankdaten Ende November 2014 auf 21,87 Billionen Yuan (3,52 Billionen US-Dollar) und damit um 14,2 Prozent höher als zum Vorjahreszeitpunkt.

Welche weiteren Faktoren sind zu beachten?

David Zhang: Zum einen gibt es klare Tendenzen der Limitierung bei der Kreditvergabe, wodurch die Verbesserung der Liquidität an Schwung verliert. Zudem zeichnet sich ein wachsendes Angebot neuer Aktien ab. Nachdem die Bewertungen von Blue Chips, sowohl bei Unternehmen mit hoher als auch mittlerer Marktkapitalisierung, gestiegen sind, empfehlen wir Investoren, sich kurzfristig auf Aktien mit einem starken und klaren Wachstumspfad zu konzentrieren. Solche Wachstumsaktien finden sich in Sektoren wie der Elektronik-, der Pharma-, der Nahrungs- und Genussmittel-, der Computer-, der Haushaltsgeräte- und der Automobilindustrie.

Was spricht für diese Sektoren?

David Zhang: Wir sehen insbesondere drei Gründe: Erstens haben viele dieser Aktien über ein Jahr oder mehr Kursverluste verzeichnet, ehe sie sich seit dem zweiten Halbjahr 2014 leicht erholt haben. Sie haben daher weiterhin Kurspotenzial. Zweitens sind ihre relativen Bewertungen im Zuge des insgesamt anziehenden Marktes günstiger geworden. Ihr relatives Kurs-Gewinn-Verhältnis ist fast auf einen historischen Tiefstand gefallen. Außerdem notiert das relative Kurs-Buchwert-Verhältnis unter den historischen Durchschnittswerten, was für eine derzeit günstige Bewertung spricht. Drittens werden überzeugende Wachstumsaktien, und zwar sowohl mit aggressiven als auch defensiveren Investmenteigenschaften, voraussichtlich von immer mehr Investoren nachgefragt werden. Denn ihre Bewertungen erscheinen angemessen und sie haben starke Fundamentaldaten.

Über David Zhang und E Fund Management

David Zhang ist Chief Investment Officer (CIO) und Deputy CEO bei E Fund Management (HK), das mit einem verwalteten Vermögen von 240 Mrd. Renminbi zu den größten chinesischen Asset Managern zählt. In den vergangenen zehn Jahren ist E Fund stark gewachsen und zu einem der führenden chinesischen Anbieter aufgestiegen, dessen Produkte sich durch eine starke Wertentwicklung auszeichnen. Gemeinsam mit E Fund hat ETF Securities den ETFS-E Fund MSCI China A GO UCITS ETF, den ersten europäischen ETF auf den MSCI China A Index aufgelegt, der seit Mai 2014 an der Deutschen Börse notiert ist. Der Index bietet Investoren eine umfassende Investmentmöglichkeit in chinesische Unternehmen, deren A-Aktien an den Börsen in Shanghai oder Shenzhen gehandelt werden.

Bevor Zhang 2014 zu E Fund kam war er unter anderem Portfoliomanager bei Bosera Asset Management, als Renten- und Währungsexperte bei DB Advisors und für PIMCO im Portfoliomanagement tätig. Zhang hat einen Master in Financial Engineering der Universität Berkeley.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.