Claus Hecher, Leiter der ETF-Geschäftsentwicklungsabteilung bei BNP Paribas Asset Management.
Claus Hecher, Leiter der ETF-Geschäftsentwicklungsabteilung bei BNP Paribas Asset Management.

BNP Paribas Asset Management feierte Ende Oktober 2018 den zehnten Geburtstag des ersten „Low Carbon“- Fonds. Seit 2008 können Investoren mit dem BNP Paribas Easy Low Carbon 100 UCITS ETF (WKN: A2DPX9)den CO2-Fußabdruck ihres Portfolios spürbar verbessern und einen Beitrag für eine emissionsärmere Energieversorgung leisten. Wir haben nachgefragt bei Claus Hecher, dem Leiter der ETF-Geschäftsentwicklungsabteilung bei BNP Paribas Asset Management.

Herr Hecher, was war der Auslöser, einen Low-Carbon-ETF aufzulegen? Gab es einen konkreten Anlass?

BNP Paribas hat sich schon Ende der 90er Jahre dem Thema Nachhaltigkeit angenommen und ist 2002 mit dem ersten SRI –Fonds konkret an den Markt gegangen. Seitdem haben wir uns immer mehr Expertise aufgebaut; sind aber gleichzeitig auch als Unternehmen aktiv geworden. So gehören wir zu den ersten Unterzeichnern der PRI, einer Initiative der Vereinten Nationen, bei der sich Assetmanager zum verantwortungsbewussten Investieren verpflichten. Weitere Initiativen wie der Global Compact der Vereinten Nationen folgten, sodass wir immer höhere ESG und SRI Standards in unsere Fonds eingebaut haben, ganz gleich ob aktive oder passive Strategien.

Besteht Ihrer Meinung nach ein konkreter Zusammenhang zwischen nachhaltigen Anlagen und deren Outperformance gegenüber „klassischen“ Indizes?

Das Vorurteil, dass ein verantwortungsvoller Investmentansatz zu Lasten der Wertentwicklung geht, hat sich hartnäckig bei Investoren gehalten. Aktuelle Auswertungen von Indexzeitreihen zeigen, dass diese Pauschalaussage keine Gültigkeit mehr hat. Es kommt vielmehr auf die Region, die Zeitspanne und die Indexregeln an, ob ein SRI-Index den Standardindex schlägt oder nicht.

Wer nachhaltig und langfristig investiert, verringert Risiken, die sich aus Reputationsschäden, behördlichen Sanktionen und Auflagen und Schadensersatzansprüchen ergeben. Auch die geringeren Gebühren wirken sich langfristig immer zugunsten des Anlegers aus. MSCI hat in einer Studie den Zusammenhang zwischen ESG-Ratings und Kurseinbrüchen untersucht. Im Untersuchungszeitraum Januar 2007 bis Mai 2017 weisen Aktien mit einem ESG-Rating im unteren Fünftel dreimal so häufig einen Kurseinbruch von mindestens 95 Prozent auf, als solche des oberen Fünftels. Mit ESG-Ratings lassen sich sowohl aktienspezifische wie Geschäftsmodell und Risikomanagement als auch systematische Risiken wie Änderung des Marktumfeldes oder Regulierung erfassen.

Speziell beim Low Carbon 100 Europe Index lässt sich beobachten, dass er während der letzten zehn Jahre eine Outpferformance in Höhe von rund 1,5 Prozentpunkten jährlich gegenüber dem MSCI Europe Index aufgebaut hat (Stichtag: 21. 11.2018).

Wo sehen Sie die größten Stärken des Low-Carbon-ETFs?

Wir sehen eine wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Investments infolge des gestiegenen Bewusstseins für die Energiewende in der Gesellschaft. Dieser Trend wurde durch die starke Diskussion in der Politik über Maßnahmen gegen den Klimawandel nochmals verstärkt. Dieser ETF setzt konkret an Maßnahmen zur Reduzierung des Kohlenstoffs in der Industrie an. Ein weiterer Grund für das steigende Interesse an diesem ETF sind neue regulatorische Anforderungen. Nach Artikel 173 des französischen Energiewendegesetz müssen institutionelle Anleger ihren CO2-Fußabdruck veröffentlichen. Der BNP Paribas Easy Low Carbon 100 Europe UCITS ETF erfüllt die entsprechenden Anforderungen und ist auf das für die Erderwärmung festgelegte Zwei-Grad-Ziel abgestimmt, auf das im TEE-Gesetz Bezug genommen wird. Das Indexregelwerk beruht grundsätzlich auf einen sogenannten „Best-in-Class“ Ansatz, der bei der Titelauswahl Unternehmen hervorhebt, die den größten Beitrag zur Energiewende leisten.

Wie sehen die nächsten Veränderungen in der Zusammensetzung des Low Carbon 100 Europe Index aus?

Die Anpassung des Indexregelwerks wird im Dezember stattfinden. Unternehmen, die direkt mit fossilen Energieträgern in Verbindung stehen, werden ausgeschlossen. Dazu gehört die Gewinnung, Verarbeitung oder Lagerung fossiler Brennstoffe, sowie die Stromerzeugung aus diesen Energiequellen. Jetzt können sich Anleger sicher sein, dass sie den Einsatz fossiler Brennstoffe nicht unterstützen. Es wird aber weitere Veränderungen geben, da sich auch der Index unabhängig von dieser zusätzlichen Bedingung weiter verändert.

Plant BNP Paribas Asset Management neue ETFs mit ähnlicher Ausrichtung?

Bei den ETFs mit sozialverantwortlichen Aktienindizes (MSCI SRI) decken wir regional Europa, die USA, Japan und die Schwellenländer ab. Die Wünsche unserer Investoren beinhalten weitere regionale Indizes für dieses Konzept. Beim Thema Klimawandel sind wir mit dem BNP Paribas Easy Low Carbon 100 Europe UCITS ETF bereits bestens aufgestellt. Schließlich sehen wir Potential für ETFs auf nachhaltige Anleihenindizes und thematische ESG-ETFs.

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