Start Interview Das Stichwort „Coopetition“ trifft es ganz gut

Das Stichwort „Coopetition“ trifft es ganz gut

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Michael Winker

Auf der iShares Investmentkonferenz sprachen wir mit Michael Winker, Director Portfolio Management von FERI Trust GmbH.

Ihr Haus ist der größte unabhängige Vermögensverwalter in Deutschland. Wie kommen ETFs bei Ihnen zum Einsatz?

FERI gehört zu den führenden bankenunabhängigen Beratern und Asset Managern von Familienvermögen, Stiftungen und institutionellen Investoren. In der Vermögensverwaltung bietet FERI maßgeschneiderte Anlagestrategien. Die überwiegend institutionellen Mandate werden in Form klassischer Multi-Asset-Fonds verwaltet, wobei wir auch eigene Konzepte managen. Der Anteil passiver Investments und ETFs hat dabei über die Jahre stark zugenommen und beträgt je nach Portfolio teilweise schon bis zu 100 Prozent. Dabei ist es ein Trugschluss zu glauben, ETFs werden hauptsächlich als taktisches Instrument genutzt. Vielmehr haben die zahlreichen Vorteile dieser Produktgruppe dazu geführt, dass im institutionellen Bereich mehr und mehr Haupt- UND Satellitenmärkte strategisch und damit langfristig über Indexprodukte abgebildet werden.

Ihr Europe SectorTrend ETF investiert in verschiedene Branchen in Europa. Welche sind derzeit besonders interessant?

In unserem regelbasierten Modell fallen derzeit die Sektoren Gesundheitswesen, Technologie sowie Versicherungs- und Immobilienwerte besonders positiv auf. Daneben stehen noch weitere fünf Sektoren auf der Kaufliste. Viel interessanter ist dabei jedoch die Tatsache, dass die derzeit allokierten Werte aus neun von 19 europäischen Sektoren bereits seit zehn Wochen stetig im Portfolio sind. Zudem lässt sich unser Handelsmodell eben nicht von kurzfristigen und nicht nachhaltigen Trendwechseln, wie wir sie oft im Bereich der Öl- und Gaswerte oder dem Automobil-Sektor beobachten, „nervös“ machen.

Worauf achten Sie besonders bei der Auswahl eines ETFs, vor allem wenn es verschiedene auf den gleichen Index gibt?

Unser Selektions-Algorithmus besteht aus vier Stufen mit zahlreichen Kriterien. Am Ende des Tages stecken alle Qualitätskriterien wie Tracking Error, Tracking Difference und „Enhancements“ in einer Kennzahl, nämlich der Performance im Vergleich zum Index und zur Peergroup. Man kann aus der Vergangenheit nicht unbedingt auf zukünftige Performance schließen, aber zumindest findet dabei man Hinweise auf gute Produktqualität. Oftmals bilden die ETF-Größe und die Handels-Liquidität die entscheidenden Ausschluss-Kriterien. Daneben bietet aber auch die Servicequalität des Anbieters eine nicht zu unterschätzende Komponente.

Die Aktienmärkte steigen seit einigen Jahren. Wieviel Potential sehen Sie derzeit am Aktienmarkt und worin liegen die Risiken?

Hier kann ich mich auf unser tiefgründiges hauseigenes FERI-Research berufen: Der globale Reflationierungszyklus wird weiter verlängert und treibt die Märkte auch 2015 an. Die deutlich gefallenen Ölpreise und die Aussicht auf eine Belebung der Euro-Zone wirkten zusätzlich stabilisierend. Der massive geldpolitische Stimulus um jeden Preis wirkt kurzfristig weiter positiv – hat jedoch nicht nur Vorteile. So könnte auch bald eine Umkehr („Korrektur“) anstehen, die von einer baldigen Zinswende der US-FED begleitet werden könnte. Allerdings scheint auch die US-FED abwartend, um die US-Erholung nicht zu gefährden. Sollte die US-FED keine klare Umkehr einleiten, könnten die globalen Finanzmärkte ihre monetäre Überhitzung sogar noch deutlich ausdehnen.

Sie sind Partner des iShares Connect Programms. Welche Erwartungen haben Sie an diese Plattform?

Ich beschäftige mich seit nunmehr 13 Jahren mit dem Einsatz von ETFs in institutionellen Portfolios. Wenn man bedenkt, dass hinter jedem institutionellen Mandat am Ende der Kette möglicherweise ein Kleinanleger steht, freue ich mich über den daraus entstandenen Fortschritt für alle. Programme wie iShares connect verstärken den Fortschritt, weil hier ein Bindeglied zwischen Anlegern und Anbietern geschaffen wird. Wir begrüßen solche Entwicklungen und freuen uns, aktiv an der Weiterentwicklung der Investmentbranche im Allgemeinen und der ETF-Branche im Speziellen beizutragen. Gemeinsam ist man stärker: Jüngst ist in diesem Zusammenhang auf einer ETF-Konferenz versehentlich das Stichwort „Coopetition“ gefallen, weil es im Deutschen kein richtiges Pendant für eine Mischung aus Kooperation und Wettbewerb gibt. Das trifft es vielleicht ganz gut.

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