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„Der EURO STOXX 50 Index gehörte von Beginn an zu den beliebtesten Underlyings“

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 Konrad Sippel

Konrad Sippel ist Global Head of Business Development bei STOXX Limited. In dieser Funktion verantwortet der studierte Mathematiker die Konzeption neuer Indizes und das Geschäft mit den Börsenbarometern von STOXX, Deutscher Börse und SIX Group.

Was bewog STO XX Ltd. schon 1998 einen solchen Index zu kreieren?

Die Gründer von STOXX haben bereits früh, also noch vor Einführung des Euro, die Notwendigkeit einer paneuropäischen Benchmark für die internationalen Finanzmärkte erkannt. Zudem haben sich damals die Aktienkultur sowie die Derivatemärkte europa- und weltweit mit größerem Fokus auf überregionale Investments weiterentwickelt. Wir waren deshalb überzeugt, dass der EURO STOXX 50 als Auswahlindex für die Eurozone das Interesse der Anleger finden wird.

Was muss allgemein bei der Kreation eines neuen Index, der erfolgreich vermarktet werden möchte, im Vorfeld beachtet werden?

Viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Zentral für uns sind hierbei: Das Indexkonzept muss sich mithilfe klarer Regeln umsetzen lassen und die einzelnen Indextitel müssen ausreichend liquide – also handelbar – sein, um eine möglichst kostengünstige Abbildung des Index zu ermöglichen. Zusätzlich muss der Index natürlich einen klaren Nutzen im Portfolio von Investoren haben, z. B. als Abbildung eines bestimmten Marktes oder als innovatives Instrument zur Reduktion des Anlagerisikos. Die Indexmethodik muss dann so gestaltet sein, dass dieser Nutzen durch die Indexregeln optimal umgesetzt wird. Vor allem bei Strategieindizes müssen hier oft neue und innovative Wege eingeschlagen werden.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Unterschiede der heutigen Gewichtung im Vergleich zur damaligen Branchenals auch regionalen Verteilung?

Die Verschiebungen im Index reflektieren die volkswirtschaftlichen Trends in der Eurozone. Mit steigenden Kursen in einer Branche steigt auch die Marktkapitalisierung und somit auch das Gewicht im Index – analog zur steigenden Bedeutung der Branche für Investoren und den Gesamtmarkt. So ist beispielsweise der Anteil der Telekommunikations- Branche im Vergleich zu den Hochzeiten der Industrie um die Jahrtausendwende gesunken. Allerdings federn die Indexregeln diese zyklischen Effekte teilweise ab. Kappungsgrenzen beschränken beispielsweise das Gewicht einzelner Aktien auf maximal zehn Prozent am Indexportfolio und der Selektionsmechanismus stellt eine Branchendiversifizierung sicher, indem maximal 60 Prozent der Marktkapitalisierung einer Branche auf den Selektionslisten berücksichtigt werden. Aktuell liegt der Anteil des größten Wertes im Index, der Mineralölgesellschaft Total, jedoch lediglich bei rund 5,5 Prozent, so dass es zu keiner Kappung kommt. Zudem gelten für die Aufnahme und den Ausschluss von Aktien im Index Puffer, sodass das Indexportfolio nur bei nachhaltigen Verschiebungen in der Bewertung der Unternehmen auf den Ranglisten angepasst werden muss.

Gibt es noch Index-Mitglieder, die bereits von Anfang an mit dabei waren, welche sind das und gab es vielleicht auch Mitglieder, die einmal herausflogen und den Wiedereinstieg schafften?

Ja, beispielsweise gehören führende deutsche Unternehmen wie Siemens, Allianz oder Bayer bereits seit dem Start vor mehr als 15 Jahren zum Index. Insgesamt gab es in den 15 Jahren rund 50 Indexanpassungen. Der Index spiegelt so die dynamische wirtschaftliche Entwicklung in Europa, wie sie sich etwa in vielen Firmenzusammenschlüssen zeigt, wider. Bedenkt man den langen Betrachtungszeitraum, verdeutlicht die Anzahl der Auf- und Abstiege gleichzeitig: Es ist gelungen einen Index zu entwickeln, der das europäische Marktgeschehen mit vergleichsweise wenigen jährlichen Anpassungen reflektiert. Investoren und Emittenten müssen ihr einmal zusammengestelltes Indexportfolio daher nicht beständig umfangreich anpassen. Die Kosten für die Indexnachbildung sind somit gering. Nur wenige Firmen sind beispielsweise nach einem Indexausschluss wieder zurückgekehrt. Hierzu zählen Schneider Electric sowie die Vorzugsaktien von Volkswagen.

Wann wurden die ersten Futures auf den EURO STO XX 50 Index aufgelegt und welche Bedeutung hatte dies für den Index?

Die ersten Futures und Optionen auf den Index wurden schon kurz nach dem Start des EURO STOXX 50 gehandelt. Bereits zum Jahresende 2000 waren es mehr als 23 Millionen Kontrakte. Ende des dritten Quartals 2012 wurden 480 Millionen Kontrakte auf die STOXX Indizes gehandelt, was weltweit nur noch von zwei anderen Indexanbietern übertroffen wird. Aber nicht nur bei Futures und Optionen, sondern auch bei anderen Indexprodukten gehörte der EURO STOXX 50 Index von Beginn an zu den beliebtesten Underlyings. So bildeten ihn bereits die ersten ETFs in Europa im Jahr 2000 ab. Heute notieren allein auf Xetra 18 ETFs, denen der EURO STOXX 50 Index zugrunde liegt.

Wie sieht die Akzeptanz des Index außerhalb der Eurozone, also weltweit, aus?

Wie das sehr hohe weltweite Handelsvolumen bei Futures zeigt, gilt der EURO STOXX 50 Index auch außerhalb Europas als die wichtigste Benchmark für den Aktienmarkt der Eurozone. Dies gilt für nahezu alle weltweiten Märkte. Insbesondere in Asien hat das Interesse in letzter Zeit auch am Derivatemarkt zugenommen. Seit 2010 gibt es einen EURO STOXX 50 Future in Singapur. Zuletzt hat Ende Februar mit China Universal der erste chinesische ETF-Anbieter den EURO STOXX 50 Index lizenziert.

Im Jahr 2010 stieg Dow Jones als Kooperationspartner aus. Was war der Grund für den Ausstieg?

Die Deutsche Börse AG und die SIX Group hatten damals ihre Beteiligung an STOXX ausgebaut und den Anteil von Dow Jones übernommen. Dank der neuen Besitzverhältnisse kann sich STOXX erheblich internationaler ausrichten und hat beispielsweise seitdem seine globale Indexfamilie aufgebaut und eine Vielzahl von Indexinnovationen eingeführt. In den vergangenen Jahren haben wir so mehrere Tausend Indizes neu eingeführt. Sie bilden weltweit die wichtigsten Aktienmärkte ab und bieten Investoren Zugang zu modernen Investmentstrategien in Indexform. Neben breiten Benchmarks finden Investoren für die einzelnen Märkte so auch Auswahlindizes für die wichtigsten Bluechips der jeweiligen Länder und Regionen. Ihr Konzept ähnelt dem EURO STOXX 50 Index. Damit sind unsere Indizes auch für internationale Investoren erheblich attraktiver geworden, die wir seitdem zudem stärker ansprechen.

Seit Auflage des Index bis heute ergibt sich ein Minus von rund zehn Prozent. Warum sollten Anleger trotzdem in den EURO STO XX 50 Index investieren?

Anders als andere Indizes, wie beispielsweise der DAX, wird die gängigste Variante des EURO STOXX 50 Index als Preis- und nicht als Performanceindex berechnet. Das heißt: Dividendenerträge werden hierbei nicht berücksichtigt und von der Indexentwicklung nicht widergespiegelt. Trotz eines niedrigen Stands des EURO STOXX 50 Index können Anleger mit einem Indexinvestment einschließlich der Dividendenerträge also dennoch Gewinne erzielt haben. Ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis von aktuell 11,3 sowie eine Dividendenrendite von rund drei Prozent für den Index lassen ein Investment in den EURO STOXX 50 Index derzeit attraktiv erscheinen.

Was sollten Anleger aus Ihrer Sicht bei Investments in den EURO STO XX 50 beachten?

Der EURO STOXX 50 Index ist die maßgebliche Benchmark für ein Investment in die Eurozone. Seine seit 15 Jahren etablierte Indexmethodik, die zudem auch kontinuierlich weiterentwickelt und an aktuelle Marktgegebenheiten angepasst wurde, stellt sicher, dass Investoren durch den Index die bestmögliche Abbildung der Aktienmärkte des Euroraums erhalten. Wie der Euro STOXX 50 und Derivate auf den Index dann im Portfolio eingesetzt werden, muss natürlich jeder Anleger und Investor selbst entscheiden. Eine Zukunftsprognose können und wollen wir als neutrale Berechnungsstelle des Index nicht abgeben.

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