Start Interview Der Gold-Boom ist noch lange nicht zu Ende

Der Gold-Boom ist noch lange nicht zu Ende

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ETF Securities

Der Run auf Gold beschert neue Rekorde. So blickt der europäische Marktführer von Gold-ETCs, ETF-Securities in London, auf einen Goldbestand von 9,2 Millionen Unzen, die zum größten Teil in den Tresoren der Londoner HSBC Bank lagern. Das sind circa 282 Tonnen Gold, die einen Wert von über elf Milliarden Dollar verkörpern. Der Leiter der ETF Securities-Research-Abteilung Nicholas Brooks geht auch in Zukunft von weiteren Zuwächsen aus.

Über neun Millionen Unzen Gold. Wie muss man sich die Größenordnungen vorstellen?

Es handelt sich bei uns um die größten Gold Funds in Europa. Nur der amerikanische GLD (SPDR Gold Trust) ist größer. Unsere gesamten ETC-Goldbestände entsprechen in etwa denen der siebtgrößten Zentralbank der Welt – noch vor Großbritannien.

Wann verzeichneten Sie die größten Zuflüsse?

Allein in den letzten zwei Monaten waren es 1,5 Milliarden Dollar, die in unsere Gold-ETCs flossen. Das waren die größten Zuflüsse, die wir jemals in einer so kurzen Zeit hatten. Damit wurde sogar der Hype während der Finanzkrise Ende 2008, Anfang 2009 übertroffen.

Führen Sie das auf eine generelle Verunsicherung der Anleger zurück?

Ich würde es eine Finanzkrise nennen. Auch wenn diese natürlich mit Vorgängen in der Politik zusammenhängt. Es geht, und das ist kein Zufall, um den Euro, seine strukturelle Schwäche und die drohende Zahlungsunfähigkeit einiger europäischer Länder wie Griechenland. Würde dieser Fall eintreten, so hätte das gravierende Auswirkungen auf Spanien, Italien oder Portugal und andere. Hinzu kommt die Angst, dass dadurch einige europäische Banken ins Wanken kommen. All das veranlasst Investoren umzuschichten – weg vom Euro, hin zu Gold. Dabei darf man nicht vergessen, dass noch vor Jahren der Dollar das Sorgenkind war, weshalb viele in den Euro gingen. Solange das Gespenst von Überschuldung und Staatsbankrott umgeht, wird die starke Nachfrage nach Gold anhalten.

Mittlerweile gibt es aber die EU-Rettungsprogramme und in der Folge hat sich der Euro wieder etwas erholt?cover_gold

Erst mal nur kurzfristig. Das ist handelsbedingt. Unsere Kunden aber, das sind vorwiegend Institutionelle, denken und planen langfristig – gerade die Großen wie etwa Pensionskassen. Die reagieren nicht auf Preissprünge zwischendurch. Kurzfristige Veränderungen haben da keinen Einfluss. Weder beim Thema Staatsverschuldung, noch beim Euro, noch beim Goldpreis.

Welchen Einfluss hat das Verhalten der Nationalbanken?

Die haben mehr als zehn Jahre lang Gold abgestoßen und auf den Markt gebracht. Das zeigt auch die Statistik des World Gold Councel. Seit Anfang letzten Jahres aber haben sie sich von Verkäufern in Käufer verwandelt und stocken ihre Goldbestände auf. Das beeinflusst natürlich die Nachfrage. Und es wirkt sich auf das Verhalten privater Investoren aus. Denn viele sagen sich natürlich: „Wenn die Nationalbanken zukaufen, dann muss das doch irgendeinen Grund haben – also kaufen wir auch.“ Ein Sogeffekt also. Gerade die Nationalbanken von China und anderen asiatischen Ländern werden vermutlich auf absehbare Zeit weiter Gold kaufen.

Wie lange dürfte dieser Trend anhalten?

Die Unwägbarkeiten in Sachen Staatsüberschuldung oder drohender Bankrott sowie die Währungsprobleme werden die Investoren noch länger umtreiben. Man darf dabei nicht vergessen, dass auch der Dollar Probleme hat. Auch wenn aktuell die Aufmerksamkeit mehr auf dem Euro liegt, der Dollar wird bald wieder Thema werden. Deshalb gehe ich von einem weiterhin hohen Goldpreis aus. Der könnte noch wesentlich weiter steigen. Bevor die genannten Probleme nicht fundamental geändert werden und das Bankensystem wieder auf soliden Beinen steht, wird sich da wenig verändern. Was die Gold-ETCs angeht, so werden die weiterhin wachsen. Sie sind immerhin ein noch recht junges Produkt, das viele für sich noch gar nicht entdeckt haben. Da ist noch viel Potenzial drin.

Über ETF Securities : ETF Securities in London ist europäischer Marktführer für Exchange Traded Commodities (ETC). Die ETCs werden in Dollar, Pfund oder Euro gehandelt und sind an den fünf führenden europäischen Börsen gelistet. ETF Securities hat 2003 den weltweit ersten ETC, den Gold Bullion Securities emittiert.

 

Der kleine Bruder von Fort Knox: In den Tresoren der Londoner HSBC Bank lagern die für Anleger verwahrten Goldbestände von ETF Securities. Derzeit sind dort etwa 9,2 Millionen Unzen oder 282 Tonnen Gold im Wert von über 11 Milliarden US-Dollar gelagert. Zum Vergleich: In der US-Goldlagerstelle Fort Knox werden derzeit etwa 4.580 Tonnen Gold gelagert (Marktwert: 180 Milliarden US-Dollar).

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