Start Interview „Der Kupferbedarf wird steigen“

„Der Kupferbedarf wird steigen“

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Dr. Anton Klassert ist seit Ende 2002 Geschäftsführer des Deutschen Kupferinstituts. Im Interview mit dem EXtra-Magazin wollen wir von ihm wissen, welche Fakten und Trends den weltweiten Kupferbedarf künftig beeinflussen werden.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht der globale Kupferbedarf in den kommenden Jahren entwickeln?

Ich gehe davon aus, dass der Kupferbedarf sukzessive steigen wird. Meine Einschätzung basiert insbesondere auf dem fortschreitenden Infrastrukturausbau in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien. Im Zuge dieser Entwicklung werden beispielsweise Kraftwerks-Generatoren gebaut, wofür viel Kupfer benötigt wird. Die Kupfernachfrage nach oben treiben wird auch die zunehmende Fertigung von Elektrofahrzeugen, für die wesentlich mehr Kupfer benötigt wird als für Autos mit Verbrennungsmotor. Darüber hinaus wird der Ausbau der Windkraft für einen Anstieg des Kupferbedarfs sorgen. Schließlich werden für den Bau einer Windenergieanlage pro Megawatt Leistung vier Tonnen Kupfer benötigt – dies alleine für die Generatoren der Windräder, noch ohne die gleichfalls erforderliche Infrastruktur zur Netzanbindung zu betrachten.

Wo werden andere Industriemetalle anstelle von Kupfer eingesetzt? Wo wäre dies möglich?

Obwohl Kupfer Strom am besten leitet, bestehen Hochspannungsleitungen heutzutage aus Edelstahlseilen, die mit Aluminiumdrähten ummantelt sind. Diese Leitungen sind wesentlich günstiger und deutlich leichter als solche, für deren Herstellung Kupfer verwendet wurde. Das geringere Gewicht ist von großer Bedeutung, da Hochspannungsleitungen über große Distanzen verlegt werden und deshalb möglichst leicht sein sollten. Des Weiteren wäre es möglich, für die Herstellung des Kabelbaums eines Autos Aluminium anstelle von Kupfer zu verwenden. Allerdings kann dies zu technischen Schwierigkeiten führen. Fakt ist, dass zahlreiche Produkte ohne Kupfer nicht sinnvoll hergestellt werden könnten.

Könnte sich der Kupfernachfrage der Boom-Region China, auf die aktuell etwa ein Drittel des weltweiten Bedarfs entfällt, künftig deutlich verringern?

Ein solches Szenario ist meiner Meinung nach extrem unwahrscheinlich. Denn China wird auch in Zukunft viel Kupfer für den Ausbau der Infrastruktur, für die Fertigung von Exportprodukten sowie für die zunehmende Inlandsnachfrage nach Konsumgütern benötigen. Wegen des starken Wirtschaftswachstums dürfte der Kupferbedarf des Landes in den nächsten zehn Jahren weiter steigen. Erst ab 2020 könnte dieser Trend kippen, da dann aufgrund der alternden Bevölkerung Chinas die Produktionsleistung des Landes sinken dürfte.

Warum kann das Kupferangebot nur langsam ausgeweitet werden?

Dies hängt damit zusammen, dass von der Entdeckung eines Kupfervorkommens bis zum Abbaubeginn im Durchschnitt zehn Jahre vergehen. Voraussichtlich wird das Kupferangebot erst in den Jahren 2015 und 2016 signifikant steigen, da seit Mitte des abgelaufenen Jahrzehnts eine Reihe großer Kupferlagerstätten entdeckt wurden. Um das Angebot kurzfristig zu erhöhen, werden zunehmend Erze mit geringem Kupfergehalt abgebaut. Dies ist jedoch nur eine Überbrückungsstrategie, da dadurch die Förderkosten steigen.

Was halten Sie von Prognosen, gemäß denen die weltweiten Kupfervorkommen in 30 bis 40 Jahren aufgebraucht sein werden?

Diese Vorhersagen sind aus meiner Sicht nicht seriös. Die Reichweite aller nachgewiesenen Kupfervorkommen lag in den zurückliegenden 60 Jahren stets zwischen 30 und 50 Jahren. Unabhängig davon wurden in den vergangenen Jahren viele große Lagerstätten entdeckt, deren Erz sich zum Teil durch hohe Kupfergehalte auszeichnet. Künftig dürften weitere Vorkommen entdeckt werden. Hinzu kommt, dass das Kupferrecycling mit stetigem Wachstum des Schrottaufkommens absehbar ausgeweitet wird. Der Clou ist, dass Kupfer beliebig oft recycelt werden kann, ohne dass es dabei zu Qualitätsverlusten kommt.

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