Start Interview „Der Kupferpreis hängt stark von der konjunkturellen Entwicklung ab“

„Der Kupferpreis hängt stark von der konjunkturellen Entwicklung ab“

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Zum Thema Kupfer und Rohstoff-Investments allgemein sprach das EXtra-Magazin mit Bernhard Wenger von ETF Securities.

Seit Dezember 2010 können Anleger in einen physisch hinterlegten Kupfer-ETC von ETF Securities investieren. Wie wurde das Angebot angenommen und was sind die Vorteile dieses Produktes?

Aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs und der unsicheren Marktlage hielten sich Investoren mit Investments in zyklische Rohstoffe im letzten Jahr eher zurück. Bislang sind in den Produkten erst einige Millionen US-Dollar investiert. Investoren nutzen Industriemetalle bislang vor allem als taktisches Investment und nicht als langfristige strategische Anlage. Sie bevorzugen daher die ETCs, die Industriemetalle auf Future-Basis abbilden. Sie sind erheblich günstiger, da bei ihnen beispielsweise keine Lagerkosten anfallen. Vorteil der physisch besicherten ETCs auf Industriemetalle ist dagegen, dass sie den Spot-Preis exakt widerspiegeln. Zudem lassen sich mit den physisch besicherten ETCs Rolleffekte vollständig ausschließen, was gerade bei einer langfristigen Anlage in Industriemetalle ein Vorteil sein kann.

JPMorgan möchte den weltweit ersten physisch hinterlegten Kupfer-ETF auflegen. Doch die Zulassung verzögert sich, weil Kritiker befürchten, dass damit der Kupferpreis beeinflusst wird. Wie bewerten Sie diese Vorwürfe?

Grundsätzlich macht es nur Sinn, ETCs oder auch ETFs auf liquide Märkte aufzulegen. Sonst sind die Risiken für Investoren und Market Maker zu hoch. Bewegungen in unseren physisch besicherten ETCs haben nur einen minimalen Anteil am Gesamtmarkt. Selbst wenn der Handel in physisch hinterlegte ETFs auf Industriemetalle durch die angekündigten neuen Produkte steigen sollte, bleibt der Anteil viel zu gering, um den weltweiten Kupfermarkt, der rund 20 Millionen Tonnen pro Jahr umfasst, zu beeinflussen. Auch das Beispiel der erheblich größeren physischen Produkte auf Gold zeigt, dass von den ETCs keine unmittelbaren Preiseffekte auf den Spotmarkt ausgehen.

Gibt es bei Ihnen ebenfalls die Überlegung, einen Kupfer-ETF aufzulegen?

Nein. Gemäß der europäischen Fondsrichtlinie UCITS sind Fonds auf einzelne Rohstoffe aufgrund fehlender Diversifikation nicht erlaubt. Zudem haben wir mit unseren physisch besicherten ETCs eine Struktur, mit der sich Kreditrisiken effizient ausschließen lassen. Investoren bietet sie damit eine ähnlich hohe Kreditsicherheit wie ein Fonds.

Welche Erwartung haben Ihre Analysten für die Preisentwicklung bei Kupfer in den kommenden 12 Monaten?

Der Kupferkurs hängt stark von der konjunkturellen Entwicklung ab. So gibt beispielsweise der US-Einkaufsmanagerindex eine gute Indikation für den Kupferkurs. Eine sich weiter stabilisierende US-Wirtschaft wird die Nachfrage nach Kupfer weiter stützen. Entscheidend wird jedoch die Entwicklung Chinas sein. Auch wenn das Wachstumstempo Chinas nachgelassen hat, wächst die Volkswirtschaft laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit 8 in diesem und 8,5 Prozent im nächsten Jahr weiterhin sehr dynamisch. Die hohe chinesische Nachfrage nach Kupfer wird daher voraussichtlich weiterhin die Entwicklung des Industriemetalls stützen. Kursrisiken bestehen allerdings, falls sich die Schuldenkrise in Europa weiter zuspitzt.

In den vergangenen Monaten wurden Rohstoffinvestments immer wieder scharf kritisiert. Wie stehen Sie als Rohstoff- Haus zu diesem Thema?

Wir nehmen die Kritik wahr. Allerdings muss man sich hier die Fakten genau anschauen. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Preise für Agrarrohstoffe vor allem durch Angebot und Nachfrage im Markt für physische Agrargüter bestimmt werden. Mittelfristig führen vor allem das Bevölkerungswachstum und sich verändernde Nachfragefaktoren wie unter anderem der zunehmende Fleischkonsum in den Emerging Markets und die verstärkte Nutzung von Biokraftstoffen zu einem Anstieg der Preise. Kurzfristig wirken sich vor allem saisonale Schwankungen und Wetterbedingungen, wie zuletzt die Dürre in den USA, auf die Kurse aus. Übrigens sind die Preise für Agrargüter derzeit in einer langfristigen Betrachtung keineswegs hoch. So liegen die realen Preise für Nahrungsmittel derzeit unter dem Niveau, das sie bis Mitte der 1990er Jahre hatten, als der Future-Handel noch erheblich geringer war. Investoren, die nicht in Agrarrohstoffe investieren wollen, bieten wir mit dem ETFX S-Net ITG Global Agri Business Fund zudem die Möglichkeit, über Unternehmen aus der Agrarbranche von dem langfristigen Trend steigender Preise für Agrargüter zu profitieren.

 

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Weitere interessante Investmentmöglichkeiten finden Sie in unserem ETF-Anlageleitfaden. Dieser erleichtert Ihnen den Einstieg in die Welt der Exchange Traded Funds (ETFs). Wir stellen Ihnen darin die Anlegemöglichkeiten einzelner Länder, Regionen, Sektoren oder Investmentthemen vor.

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