Start Interview „Der Schlüssel jeder erfolgreichen Vermögensverwaltung liegt in der Asset-Allokation“

„Der Schlüssel jeder erfolgreichen Vermögensverwaltung liegt in der Asset-Allokation“

167
Marcus Russ Veritas klein

Der Veri ETF Dachfonds beging vor einigen Tagen seinen achten Geburtstag. Das EXtra-Magazin sprach dazu mit Marcus Russ, Senior Fondsmanager des Dachfonds.

Der Veri ETF Dachfonds feierte vor kurzer Zeit seinen achten Geburtstag. Welche Bilanz ziehen Sie?

Der Veri ETF-Dachfonds ist der Pionier für diese Produktkategorie in Deutschland – und überzeugt bis heute mit seiner guten Performance. Dabei investiert der Fonds mittels ETFs flexibel in die Anlageklassen Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilienaktien und Geldmarkt. Mit der Kombination von passiven Instrumenten wie ETFs und aktivem Fondsmanagement hat Veritas Investment nicht nur den Nerv der Zeit getroffen, sondern auch eine effiziente Vermögensverwaltung kreiert. In der Disziplin der ETF-Dachfonds verfügt Veritas Investment wohl über die langjährigste Expertise unter deutschen Asset Managern.

Die Rendite von jährlich 5,98 Prozent seit Auflage kann sich sehen lassen. Was machte den Fonds so erfolgreich?

Der Schlüssel jeder erfolgreichen Vermögensverwaltung liegt in der Asset-Allokation. Nicht umsonst wird die Asset-Allokation ja auch als Königsdisziplin im Fondsmanagement bezeichnet. Im Veri ETF-Dachfonds ist die Steuerung der Asset-Klassen absolut flexibel. So hat der Fonds erfolgreich in der Finanzkrise 2008 die Aktienquote bis auf null Prozent heruntergefahren und voll auf Renten-und Geldmarkt-ETFs gesetzt. Im Ergebnis wurde abgesehen von 2011 jedes Börsenjahr – selbst die globalen Krisenjahre 2007 und 2008 – im Plus beendet. Zudem haben wir im Laufe der Zeit in den Anlageklassen z.B. durch die Aufnahme von ETFs auf Immobilienaktien oder auf High-Yield-Anleihen immer stärker diversifiziert.

Inzwischen haben Sie Ihr Anlagekonzept ein wenig nachjustiert. Was war der Anlass dazu und wie sind Sie mit der Maßnahme bisher zufrieden?

Bis Mitte 2014 orientierte sich der Veri ETF-Dachfonds bei der Aktien-Allokation allein am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dadurch waren die großen Schwellenländer relativ stark gewichtet im Vergleich zum MSCI World, also dem weltweiten Aktienindex. Die Folge: 2012 und 2013 profitierte der Fonds von der guten Entwicklung vieler Industrieländer weniger stark, als dies bei einer ausgewogeneren Gewichtung der Fall gewesen wäre. Auf Basis umfassender Analysen optimierte Veritas darum die Allokationsmethodik und kann nun je nach Trendlage zwischen der MSCI-Gewichtung und der BIP-orientierten Gewichtung hin- und herwechseln. Die Früchte dieser zusätzlichen Flexibilität zeigen sich bereits in den guten Performance-Zahlen in 2014 und 2015.

Der Fonds ist von seiner Konzeption her eine breit diversifizierte ETF-Anlagelösung. Derzeit investiert er aber fast ausschließlich in Aktien-ETFs. Was ist Ursache dafür und ist der Anleger damit nicht sehr offensiv und risikoreich investiert?

Die Notenbanken der G4-Länder verfolgen trotz des möglichen Zinsanhebungszyklus der Fed insgesamt eine sehr lockere Geldpolitik. Diese Geldspritzen haben in einigen europäischen Ländern wie Deutschland, Schweiz oder Dänemark sogar zu Negativzinsen geführt. Diese Niedrigzinsphase rechtfertigt eine höhere Bewertung von Aktien. Auf Basis unserer Analyse signalisieren unsere Timing-Indikatoren an den meisten Aktienmärkten eine stabile Signallage. Sollte sich diese Situation ändern, passen wir unsere Asset-Allokation schnell an neue Marktgegebenheiten an. In diesem Jahr sind wir mit der relativ hohen Aktienallokation sehr gut gefahren und liegen mit dem Veri ETF-Dachfonds P mit rund 11 Prozent im Plus (Stand: 30.04.2015).

Mit laufenden Kosten von 2,14 Prozent p.a. ist das Produkt im Vergleich zu anderen ETF-Anlagelösungen nicht gerade günstig. Schließlich verursacht das aktive Trendfolgesystem höhere Verwaltungskosten als statische Modelle, durch das häufige Hin und Her steigen zudem die Handelskosten. Was spricht aus Ihrer Sicht trotzdem für eine solche aktive Auswahl gegenüber statischen Anlagelösungen?

Wir hatten die Gebühren für unsere Fonds bereits im Jahr 2013 erheblich gesenkt. Zusätzlich haben wir für den Veri ETF-Dachfonds mit der neuen Anteilsklasse W eine kostengünstigere Variante aufgelegt. Die Mindestanlagesumme in der institutionellen Klasse beträgt 1 Mio. Euro und ist mit einer Managementgebühr von 60 Basispunkten besonders günstig. Der Vorteil in einer aktiven, flexiblen Steuerung liegt unserer Meinung nach klar auf der Hand. Die Betrachtung der Aktienkrisenjahre 2001/2002 und 2007/2008 zeigt doch, dass eine statische Buy-and-Hold-Strategie in der heutigen, schnellen Welt nicht mehr funktioniert und eine aktive Steuerung zwingend notwendig ist. Weiterhin sind ETFs nicht nur flexibel und einfach zu handeln, sondern auch kostengünstig. Zudem haben wir Mitte 2014 die täglichen Timing-Signale für die Bluechip-Märkte wie z.B. MSCI USA oder MSCI Europa abgestellt. Dadurch werden die Handelskosten reduziert und zugleich das Risiko-Rendite-Verhältnis für den Anleger verbessert.

Sie zählen zu den Pionieren bei ETF-Dachfonds. Inzwischen kam eine Vielzahl anderer ETF-Anlagelösungen hinzu, seien es ähnlich aktive oder auch statische Varianten. Wie beurteilen Sie den derzeitigen Markt und wie sehen Sie die Zukunft für solche Produkte?

Die rasante Entwicklung von ETPs ist bemerkenswert. Lag das weltweite Volumen im Jahr 2000 noch bei rund 100 Milliarden USD, waren im Februar 2015 knapp 3 Billionen USD in passiven Produkten investiert. Und dennoch ist der Anteil von Indexfonds am gesamten Fondsmarkt immer noch sehr gering. Mit dem Wachstum von passiven Produkten steigt auch zwangsläufig der Bedarf an ETF-Anlagelösungen. In den USA ist dieser Markt schon um ein Vielfaches größer als in Europa, was wohl auch an einer höheren Akzeptanz von Privatanlegern gegenüber ETFs liegt. Aber ein Aktien-ETF fällt eben auch, wenn der Aktienmarkt fällt. Wenn ein Privatanleger die Kapitalmärkte nicht täglich selber beobachten kann, benötigt er ein Management in Form von ETF-Anlagelösungen.

 

TEILEN
Vorheriger ArtikelPotenzial bei Brent?
Nächster ArtikelMänner erfolgreicher bei Geldanlage
Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.