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Der Trend geht zu ETFs außerhalb traditioneller Anlageklassen

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Ein Marktanteil von 25 Prozent am börslichen und außerbörslichen Handel macht den ETF-Anbieter db x-trackers nach Zahlen der Deutschen Börse zur Nummer zwei in Europa. Simon Klein stellt Produkte der Deutsche- Bank-Tochter vor, erklärt, wie sich db x-trackers im wachsenden Wettbewerb sieht und warum der ETF dieses Hauses auf den DJ Euro STOXX 50 ein „Sonderfall“ ist.

db x-trackers hat einige Short-ETFs im Angebot. Auf lange Sicht ist die Performance aber nicht einfach nachvollziehbar – ein Widerspruch zur Transparenz, mit der die ETF-Branche wirbt?

Short-ETFs entwickeln sich nur auf täglicher Basis genau gegenläufig zum korrespondierenden Long-Index. Die langfristige Performance der beiden Indizes kann aus rechnerischen Gründen nicht genau spiegelbildlich sein. Zur klaren Unterscheidung tragen daher alle Short-ETFs von db x-trackers die Bezeichnung „daily“ im Namen. Die Transparenz ist somit auch hier aufgrund der klaren Bindung an einen Index gegeben.

Ein Wettbewerber emittierte kürzlich den sechsten DAX-ETF. Halten Sie diese Produktdichte bei ein- und demselben Basiswert für sinnvoll?

Sie haben Recht, nach der reinen Theorie machen mehrere ETFs auf den DAX keinen Sinn, denn alle bilden den identischen Index ab. Aber die Praxis ist differenzierter. Es gibt sehr wohl Abweichungen der ETF- von der Indexperformance, zum Beispiel durch die Verwaltungsvergütung oder durch andere Einflüsse, den so genannten „Tracking Error“. Durch die von uns gewählte Methode der synthetischen Indexreplikation haben wir es geschafft, den Tracking Error extrem gering zu halten. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist das gehandelte Volumen. Je mehr Anteile eines ETF an der Börse gehandelt werden, desto günstiger kann der Anleger den Kauf abwickeln. Denn dann ist der Spread sehr gering.

Bei welcher Assetklasse sehen Sie noch Produktlücken?

Wir sehen bei institutionellen und auch bei privaten Anlegern den Trend, ETFs auch außerhalb der traditionellen Anlageklassen einzusetzen. Hierzu gehören vor allem die Bereiche Rohstoffe, Devisen und alternative Anlageklassen wie Hedgefonds. Wir werden neue ETFs vor allem in diesen Segmenten auflegen. Ein Beleg für die hohe Nachfrage ist der große Erfolg des db Hedge Fund Index ETF, der innerhalb eines Jahres mehr als eine Mrd. US-Dollar einsammeln konnte. Die klassischen Anlageklassen, vor allem auf der Aktienseite, halten wir dagegen für weitgehend abgedeckt.

Vor Kurzem startet ein weiterer neuer Anbieter am deutschen ETF-Markt. Wie ist Ihre Strategie, um sich bei dem wachsenden Konkurrenzdruck von den Wettbewerbern abzuheben?

Die Stärke von db x-trackers ist die breite Abdeckung aller wichtigen Segmente und das Angebot neuer Anlageklassen, die bisher noch nicht über ETFs erhältlich sind. Innovation ist für uns jedoch nie Selbstzweck, sondern mit dem sinnvollen Einsatz in den Portfolios unsere Kunden verbunden. Die stetigen Zuflüsse in die ETFs aller Anlageklassen zeigen, dass wir als Komplettanbieter für ein strukturiertes Depot wahrgenommen werden. Eine weitere Stärke ist die Nähe zu institutionellen und privaten Kunden, um die jeweiligen Bedürfnisse schnell aufgreifen und in neue Produkte einbringen zu können. Zudem wird die ständige Liquidität im Börsenhandel geschätzt, die wir aufgrund unserer eigenen Market Maker sicherstellen können.

Ihren DJ Euro Stoxx 50-ETF bieten Sie ohne Verwaltungsgebühr an. Ist das auch für andere Indexfonds zu erwarten?

Nein, wir werden bei keinem weiteren ETF die Verwaltungsgebühr auf null senken. Der db x-trackers DJ Euro Stoxx 50-ETF ist ein Sonderfall, da wir es bislang geschafft hatten, durch Zusatzerträge die Verwaltungsvergütung wieder aufzuholen. Jedes Jahr hat der ETF den Index um 0,5 Prozent geschlagen. Nun ist diese bisher freiwillige Leistung für den Anleger festgeschrieben. Denn wir sind zuversichtlich, auch künftig Zusatzerträge zu erwirtschaften, etwa durch Wertpapierleihe.

Hedge-Fonds genießen hierzulande kein gutes Ansehen. Ihr Hedge-Fonds- ETF hat jedoch ein Volumen von fast 1 Mrd. Euro. Wie erklären Sie dies?

Hedgefonds bleiben vor allem für Institutionelle wichtige Bausteine für die strategische Asset Allocation, da sie Erträge bieten, die weitgehend unkorreliert zu anderen Anlageklassen sind. Unser Hedgefonds-ETF hat hohe Zuflüsse an sich gezogen, da er eine echte Innovation ist. Er beruht auf der realen Abbildung von mehr als 35 aktiv handelnden Hedgefonds über den db Hedge Fund Index. Zudem ist mit der Handelbarkeit aller Indexfonds auf der Hedgefonds-Plattform der Deutschen Bank eine stetige Liquidität und Transparenz gewährleistet.

Ein ETF auf den MSCI Emerging Markets ist ihr volumenstärkster. Was macht den Einstieg über Indexfonds gerade bei Emerging Markets attraktiv?

Der MSCI Emerging Markets bildet die Entwicklung von rund 750 Aktien aus 29 Schwellenländern ab. Eine solch breite Abdeckung erhalten Sie mit keinem anderen Produkt, noch dazu mit einer Verwaltungsvergütung von gerade einmal 0,65 Prozent p.a. Der dritte Pluspunkt ist die ständige Handelbarkeit mit hohem Volumen. Würde ein Investor versuchen, diese Abdeckung mit einzelnen Aktien oder mit alternativen Anlageprodukten wie Futures darzustellen, wäre das extrem aufwändig und teuer. Da sich die Wirtschaft der Schwellenländer langfristig weiter dynamisch entwickeln wird, bietet der ETF einen attraktiven Zugang zu diesen Märkten.

Dieser Artikel wurde dem Newsletter Analysis Kompakt Nr. 03 von Scope entnommen.

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